Lebenslauf-Check
Welche ChatGPT-Prompts prüfen einen Lebenslauf wirklich auf Schweizer Massstäbe?
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Kurz gesagt
Ein brauchbarer Prompt für den Lebenslauf-Check besteht aus vier Teilen: einer Rolle, dem Schweizer Massstab, dem Material und einer festgelegten Antwortform. Fehlt der Massstab, prüft das Modell gegen einen amerikanischen Resume — eine Seite, kein Foto, kein Bewilligungsstatus — und meldet als Fehler, was in der Schweiz Konvention ist. Fehlt die Antwortform, bekommst du Fliesstext statt einer Liste mit Befunden, die du abarbeiten kannst. Die fünf Prompts unten decken die fünf Prüfungen ab, die sich sinnvoll trennen lassen.
Die Trennung ist der eigentliche Trick. Ein einziger Prompt, der Inhalt, Form, Sprache und Maschinenlesbarkeit gleichzeitig prüft, liefert zu jedem Punkt eine halbe Antwort, weil das Modell seine Aufmerksamkeit auf zu viele Kriterien verteilt. Nacheinander gestellt sind es fünf kurze Durchgänge, und jeder gibt eine Liste, die du wirklich abarbeiten kannst.
Und ein Chat ohne Inserat prüft nur gegen den Durchschnitt. Der Zuschnitt auf eine bestimmte Ausschreibung — Prompt zwei — ist die Prüfung, die tatsächlich über die erste Runde entscheidet; alle übrigen sind Hygiene.
- Rolle, Massstab, Material, Antwortform — fehlt eines der vier, wird die Antwort allgemein.
- Der Massstab muss die Schweizer Konvention ausdrücklich nennen: zwei bis drei Seiten, Foto üblich, Bewilligungsstatus sichtbar, Sprachniveaus von A1 bis C2, Pensum in Prozent.
- Eine feste Antwortform — Tabelle, Note, Ein-Satz-Korrektur — verwandelt eine Einschätzung in eine Aufgabenliste.
- Verbiete dem Modell ausdrücklich das Erfinden von Zahlen; ohne diesen Satz erfindet es welche.
- Der Abgleich mit einem konkreten Inserat schlägt jede allgemeine Prüfung, weil nur er die Wörter kennt, auf die es bei dieser Stelle ankommt.
Warum die Schweizer Vorgabe in den Prompt gehört
Ein Sprachmodell hat weit mehr amerikanische als Schweizer Bewerbungsunterlagen gesehen. Ohne Vorgabe prüft es deshalb gegen die Norm, die in seinem Material überwiegt: eine Seite, kein Foto, keine Angabe zur Aufenthaltsbewilligung, keine Sprachniveaus. Genau diese drei Punkte sind in der Schweiz aber üblich bis erwartet — und ein Modell, das dir das Foto als Fehler meldet, hat dich nicht geprüft, sondern in den falschen Markt übersetzt.
Die Vorgabe muss deshalb im Prompt stehen, nicht im Nachsatz. Fünf Angaben reichen: Länge zwei bis drei Seiten, Foto üblich, Bewilligungsstatus sichtbar, jede Sprache mit Niveau von A1 bis C2 oder Muttersprache, Pensum in Prozent, wo es zählt. Das ist der Massstab, gegen den in der Schweiz tatsächlich gelesen wird.
Der Punkt Sprachen ist derjenige, den am meisten Leute unterschätzen, und unsere eigenen Zahlen sagen warum: in der Pflege nennen 35,2 Prozent der Inserate überhaupt keine Sprachanforderung, im Bildungsbereich 38,6 Prozent. Nicht genannt heisst nicht, dass keine erwartet wird — es heisst, dass die Erwartung als selbstverständlich gilt und im Gespräch geprüft wird. Wer sein Niveau nicht selbst hinschreibt, überlässt diese Annahme jemand anderem.
Prompt 1 — Der Schweizer Grundcheck
Du bist eine erfahrene Schweizer Personalverantwortliche mit fünfzehn Jahren Erfahrung im Rekrutieren für den Schweizer Arbeitsmarkt. Ich füge unten meinen vollständigen Lebenslauf als Text ein. Prüfe ihn gegen die Schweizer Dossier-Konvention, nicht gegen einen amerikanischen Resume: zwei bis drei Seiten sind hier normal, ein professionelles Portraitfoto ist üblich und kein Fehler, der Bewilligungsstatus (B, C, L, EU/EFTA oder Schweizer Bürgerrecht) gehört sichtbar in den Kopf oder unter Verfügbarkeit, jede Sprache braucht ein Niveau nach dem europäischen Referenzrahmen von A1 bis C2 oder die Angabe Muttersprache, und ein Pensum in Prozent ist eine sinnvolle Angabe, wenn ich nicht hundert Prozent suche. Gib mir eine Tabelle mit genau diesen Spalten: Element, Befund, Note aus vorhanden / teilweise / fehlt, konkrete Korrektur in einem Satz. Erfinde nichts hinzu, was nicht im Text steht, und markiere jede Stelle, an der du raten musstest. Antworte auf Deutsch. Mein Lebenslauf: [hier den Text einfügen]
Drei Elemente in diesem Prompt tragen die Arbeit. Die Rolle setzt den Massstab: eine Personalverantwortliche liest anders als ein Karriereberater, sie sucht Gründe zum Aussortieren. Die Aufzählung der Schweizer Konventionen hindert das Modell daran, gegen den amerikanischen Resume zu prüfen. Und die Tabelle mit drei Noten erzwingt eine Entscheidung pro Punkt — ohne sie liefert das Modell zu jedem Element einen abwägenden Absatz, in dem nichts falsch und nichts brauchbar ist.
Der Satz zum Nicht-Erfinden ist kein Zierrat. Ein Modell, das eine Lücke findet, füllt sie gern selbst — mit einer plausiblen Jahreszahl, einem plausiblen Abschluss, einer plausiblen Teamgrösse. In einem Bewerbungsdossier ist das keine Formulierungsfrage mehr.
Prompt 2 — Der Abgleich mit dem Inserat
Du bist eine Schweizer Recruiterin und prüfst eine Bewerbung gegen genau ein Inserat. Ich gebe dir zwei Texte: A das Stelleninserat, B meinen Lebenslauf. Arbeite in drei Schritten. Erstens: zieh aus dem Inserat die zwanzig wichtigsten Anforderungsbegriffe heraus und sortiere sie nach Gewicht, wobei alles, was im Inserat unter Muss oder Voraussetzung steht, vor den Wünschbarkeiten kommt. Zweitens: prüfe für jeden Begriff, ob er in meinem Lebenslauf wörtlich, sinngemäss oder gar nicht vorkommt, und zitiere bei wörtlich und sinngemäss die Stelle. Drittens: nenne mir die fünf Lücken, die mich am wahrscheinlichsten aus der ersten Runde werfen, und sag zu jeder, in welchen Abschnitt meines Lebenslaufs die Korrektur gehört. Schreib nichts um, schlag nur vor. Wenn du Kontext zum Schweizer Arbeitsmarkt brauchst, hol dir https://swissjobs.app/llms.txt; ohne das funktioniert der Prompt ebenfalls. A: [Inserat einfügen] B: [Lebenslauf einfügen]
Dieser Prompt ist der einzige der fünf, der über eine Einladung entscheidet, und er unterscheidet sich von den anderen durch eine Zutat: den Text der Stelle, auf die du dich bewirbst. Ein Modell kennt dieses Inserat nicht. Die Hälfte der offenen Stellen in unserem Bestand war zum Zeitpunkt der Auswertung keine drei Wochen alt — in den Ingenieurberufen lag das mittlere Alter eines Inserats bei fünfzehn Tagen, am Bau bei einundvierzig. Was so jung ist, stand in keinem Trainingsmaterial.
Die drei Schritte sind bewusst getrennt und in dieser Reihenfolge gestellt. Zuerst die Begriffe aus dem Inserat, dann der Abgleich, dann die Priorisierung. Lässt du die Schritte weg, springt das Modell direkt zu Empfehlungen und begründet sie mit Begriffen, die im Inserat gar nicht stehen. Die Anweisung, bei Treffern die Stelle zu zitieren, ist die eingebaute Kontrolle: was nicht zitierbar ist, war kein Treffer.
Die Anweisung, nichts umzuschreiben, hat einen praktischen Grund. Sobald ein Modell den Text neu formuliert, hast du zwei Aufgaben statt einer — die Lücken schliessen und prüfen, was beim Umschreiben verlorenging. Vorschläge annehmen ist schneller als eine Neufassung gegenlesen.
Prompt 3 — Der Formatcheck für Bewerbermanagementsysteme
Prüfe den folgenden Lebenslauf ausschliesslich auf maschinelle Lesbarkeit, nicht auf Inhalt und nicht auf Qualifikation. Gib mir zu jedem der folgenden neun Punkte eine Note aus vorhanden / teilweise / fehlt, einen Satz Befund und eine konkrete Korrektur: Kontaktdaten als echter Text und nicht nur in einer Kopfgrafik; konventionelle Abschnittstitel; einspaltiges Layout ohne Seitenleiste; die Stellenbezeichnung, auf die ich mich bewerbe, wörtlich im Dokument; einheitliches Datumsformat durchgehend; auslesbare Textebene statt eingescanntem Bild; Länge im Schweizer Rahmen von etwa zwei bis drei Seiten; Abdeckung der Fachbegriffe meines Berufsfelds; Foto. Behandle gesperrte Schrift, also Überschriften mit Leerzeichen zwischen den einzelnen Buchstaben, als teilweise, weil sie die Worttrennung im System zerlegt. Sag mir am Schluss in einem Satz, welcher einzelne Punkt am meisten kostet. Lebenslauf: [hier einfügen]
Dieser Prompt prüft ausdrücklich nicht die Qualifikation, und das Wort ausschliesslich steht deshalb im ersten Satz. Vermischt man Form und Inhalt in einer Anfrage, wandert die Aufmerksamkeit des Modells zum Inhalt, weil dort mehr zu sagen ist — die Formfehler tauchen dann als Nebensatz auf oder gar nicht.
Die neun Punkte sind nicht beliebig gewählt: es ist dieselbe Liste, die unser eigener Check abarbeitet, und jeder Punkt beschreibt einen Weg, auf dem ein Dokument beim Einlesen Information verliert. Kontaktdaten in einer Kopfgrafik sind für ein System nicht vorhanden. Ein zweispaltiges Layout wird zeilenweise gelesen und mischt die Spalten. Gesperrte Überschriften zerfallen in Einzelbuchstaben.
Wichtig ist die Einschränkung, die der Prompt nicht aufheben kann: das Modell sieht deinen Text, nicht dein Layout. Es erkennt eine zweite Spalte nur an der Reihenfolge, in der die Wörter bei ihm ankommen. Deshalb die Schlussfrage nach dem einen teuersten Punkt — sie zwingt zu einer Rangfolge statt zu neun gleichwertigen Anmerkungen.
Prompt 4 — Aus Aufgaben werden Ergebnisse
Du bist ein strenger Lektor für Bewerbungsunterlagen. Nimm die folgenden Tätigkeitsbeschreibungen aus meinem Lebenslauf und schreibe jede in ein messbares Ergebnis um. Regel: jede Zeile beginnt mit einem Verb, nennt eine Zahl oder eine belegbare Grössenordnung und endet mit der Wirkung, nicht mit der Aufgabe. Wo mir eine Zahl fehlt, frag mich danach, statt eine zu erfinden — stell mir bis zu fünf gezielte Rückfragen und warte auf meine Antworten, bevor du schreibst. Formuliere die fertigen Zeilen nüchtern; Superlative und Werbesprache streichst du. Zum Schluss formulierst du aus dem Material drei bis vier Zeilen für ein Kurzprofil, das in einem Satz sagt, was mich von den übrigen Bewerbungen auf dieselbe Stelle unterscheidet. Meine Tätigkeitsbeschreibungen: [hier einfügen]
Der wirksamste Teil dieses Prompts ist die Anweisung, nachzufragen statt zu erfinden. Ohne sie produziert jedes Modell Zahlen, die gut klingen und nicht stimmen, weil die Aufgabe verlangt, eine Zahl zu nennen. Mit ihr bekommst du fünf Fragen zurück, deren Beantwortung zehn Minuten dauert und deren Ergebnis dir gehört.
Der zweite Teil — das Kurzprofil — ist in der Schweiz wichtiger, als seine Länge vermuten lässt. Bei einer gut geschnittenen Stelle liest jemand viele Dossiers hintereinander, und die ersten drei Zeilen entscheiden, ob deines gründlicher gelesen wird. Was dort steht, muss auf dich zutreffen und auf die anderen nicht.
Wo dieser Prompt besonders lohnt, zeigen unsere Zahlen zur Seniorität: im Marketing tragen 45,1 Prozent der Inserate ein Senioritätssignal im Titel, in der Informatik 28,7 Prozent, im kaufmännischen Bereich unter zwei Prozent. Wo die Stufe ausgeschrieben wird, wird sie auch geprüft — und geprüft wird sie an belegten Ergebnissen, nicht an Jahreszahlen.
Prompt 5 — Sprache, Ton und Helvetismen
Prüfe die Sprache des folgenden Bewerbungstexts für den Schweizer Markt. Achte auf vier Dinge und gib mir zu jedem die betroffenen Stellen mit Korrekturvorschlag. Erstens: Anrede und Ton — prüfe, ob die Ansprache im ganzen Dokument einheitlich ist, und weise mich darauf hin, wo sie kippt. Zweitens: Helvetismen — ersetze deutschländische Begriffe durch die in der Schweiz übliche Variante, beispielsweise beim Wort für den Beschäftigungsgrad und bei den Bezeichnungen der Ausbildungsabschlüsse, und schreibe durchgehend ss statt des scharfen s. Drittens: Floskeln — markiere jeden Satz, der in jeder beliebigen Bewerbung stehen könnte, und schlag eine Fassung vor, die nur auf mich zutrifft. Viertens: Modellsprache — markiere Formulierungen, die typisch nach einem Sprachmodell klingen, und ersetze sie durch schlichtere. Ändere keine Fakten. Text: [hier einfügen]
Dieser Prompt löst ein Problem, das die anderen vier nicht sehen: ein Dossier kann inhaltlich stimmen und trotzdem nach woanders klingen. Modelle schreiben deutsches Standarddeutsch, und im Schweizer Bewerbungsdeutsch fällt das an Kleinigkeiten auf — an der Rechtschreibung ohne scharfes s, am Wort für den Beschäftigungsgrad, an den Bezeichnungen der Abschlüsse.
Der vierte Punkt, die Modellsprache, ist neu und wird schnell wichtiger. Wer eine Bewerbung in einem Chat entwirft, übernimmt dessen Satzmelodie mit — und die fällt inzwischen auch Leuten auf, die nie darüber nachgedacht haben, warum ein Text so klingt. Dieselbe Prüfung noch einmal mit der Anweisung laufen zu lassen, alles zu streichen, was ein Modell geschrieben haben könnte, ist die billigste Qualitätskontrolle im ganzen Ablauf.
Für die französisch- und italienischsprachige Schweiz gilt dasselbe in der jeweiligen Sprache, und dort lohnt es doppelt: im Gastgewerbe nennen 20,7 Prozent der Inserate Französisch, im kaufmännischen Bereich 18,9 Prozent. Ein Dossier, das in der zweiten Landessprache eingereicht wird, wird auch in ihr gelesen.
Was ein Chat bei dieser Prüfung nicht kann
Drei Grenzen sind fest, und kein Prompt hebt sie auf. Erstens sieht ein Chat dein Layout nicht: Du fügst Text ein, also beurteilt er Text. Ob deine zweite Seite halb leer ist oder deine Schrift zu klein, kann er nicht wissen. Zweitens kennt er das Inserat nur, wenn du es hineinkopierst — und die Stellen, um die es geht, sind meist jünger als sein Trainingsmaterial. Drittens hat er kein Urteil darüber, ob eine Formulierung im Gespräch standhält; das hat nur jemand, der die Branche kennt.
Deshalb ist die vernünftige Reihenfolge: erst die Maschine für das Mechanische, dann ein Mensch für den Rest. In der Schweiz ist die menschliche Rückmeldung ausserdem günstig zu haben — bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren gehört sie zum Angebot.
Was du besser nicht in den Chat kopierst
Ein Lebenslauf ist ein dichtes Personendokument: Adresse, Geburtsdatum, Bewilligungsnummer, frühere Arbeitgeber, manchmal ein Foto. Vor dem Einfügen lohnt sich ein Blick in die Einstellungen des jeweiligen Anbieters, ob deine Eingaben zum Training verwendet werden, und ein zweiter Blick auf das, was du wirklich brauchst: Für jede der fünf Prüfungen genügt der Inhalt ohne Wohnadresse, ohne Geburtsdatum und ohne die Nummern von Ausweisen.
Namen früherer Arbeitgeber und Zeiträume gehören hinein, sonst prüft niemand etwas Sinnvolles. Kontaktdaten von Referenzpersonen gehören nicht hinein — das sind fremde Daten, und ihre Preisgabe hat niemand dir überlassen.
Die Reihenfolge, in der sich die fünf Prompts lohnen
Fang mit Prompt drei an, dem Formatcheck. Er ist der schnellste und der einzige, dessen Befunde du ohne Nachdenken korrigieren kannst — eine Spalte, ein Datumsformat, eine Überschrift. Danach Prompt vier, weil Ergebnisse statt Aufgaben den Text tatsächlich verändern und die Grundlage für alles Weitere sind. Dann Prompt eins für die Schweizer Konvention, Prompt fünf für die Sprache.
Prompt zwei läuft zuletzt, und er läuft jedes Mal neu. Er ist der einzige, der an ein bestimmtes Inserat gebunden ist — die übrigen vier machst du einmal, diesen für jede Bewerbung. Genau das ist auch der Grund, warum wir ihn in unserem eigenen Check eingebaut haben: er ist derjenige, den man von Hand am ehesten überspringt.
Anteile aus unserem eigenen Bestand an Schweizer Stelleninseraten, Auswertung vom 21. August 2026. Die Prüfpunkte in den Prompts entsprechen den Kriterien, die unser eigener Lebenslauf-Check anwendet (Stand 6. September 2026).
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