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Lebenslauf prüfen

Wie prüfe ich meinen Lebenslauf auf Lücken?

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Grafik zur ersten Sichtung eines Lebenslaufs: acht Gründe, aus denen in Sekunden aussortiert wird — auf eine Seite gepresst, kein Foto, Bewilligung weggelassen, kein Ort, Zuständigkeiten statt Ergebnisse, Skills-zuerst-Layout, unerklärte Lücken, überdesignte Vorlage.

Kurz gesagt

Rechne, statt zu lesen. Schreib jede Station — Arbeit und Ausbildung — mit Monat und Jahr in eine Liste, sortier sie chronologisch und zieh jeden Beginn vom vorangehenden Ende ab. Eine Differenz von eins heisst nahtlos, alles darüber ist Zwischenraum, alles darunter eine Überschneidung. Danach vergleichst du die Liste mit deinen Arbeitszeugnissen, die Art und Dauer nennen, und prüfst zuletzt, ob die oberste Zeile bis in den laufenden Monat reicht. Erst dann entscheidest du, was in den Lebenslauf geschrieben wird.

Der Grund für die Rechnerei ist banal: Lesen stellt Zusammenhang her. Zwei Stationen untereinander wirken lückenlos, sobald sich ihre Jahreszahlen berühren, und das eigene Dokument liest man ohnehin mit dem Wissen, wie es weiterging. Die Gegenseite hat dieses Wissen nicht. Sie hat zwei Datumsangaben und bildet die Differenz — genau die Rechnung, die du vorher machen kannst.

Zwei Verzerrungen kommen dazu, und beide sind systematisch statt zufällig: Jahreszahlen ohne Monat lassen einen Zwischenraum von null bis 22 Monaten offen, und das offene Ende oben wächst weiter, während du dich bewirbst. Eine Lückenprüfung, die diese zwei Punkte nicht anfasst, prüft die Vergangenheit und übersieht die Stelle, an der die Frage im Gespräch tatsächlich gestellt wird.

Wie lange die heute offenen Inserate schon ausgeschrieben sind
Wie lange die heute offenen Inserate schon ausgeschrieben sindbis 7 Tage13.6%8 bis 30 Tage47.5%31 bis 60 Tage10.9%61 bis 90 Tage11.6%über 90 Tage16.4%

Anteil der auf SwissJobs.app offenen Inserate nach Alter der Ausschreibung, Stand 23. August 2026. Median 20 Tage.

  • Nimm ein leeres Blatt und übertrag jede Station als zwei Zahlen, Beginn und Ende im Format Monat.Jahr. Wer mag, rechnet jedes Datum in eine einzige Zahl um — Jahr mal zwölf plus Monat — und bildet die Differenzen im Kopf. Der Sinn der Übung ist, den Lebenslauf einmal ohne seine Sätze anzusehen.
  • Setz die Ausbildung in dieselbe Liste wie die Anstellungen. Fast jede Prüfung scheitert daran, dass die Berufserfahrung sauber geprüft wird und der Abschluss in einer eigenen Rubrik weiter unten steht. Zwischen Lehrabschluss und erster Stelle, zwischen Studienwechsel und Wiederbeginn liegen die Zwischenräume, die niemand nachgerechnet hat.
  • Markier auch die negativen Differenzen. Überschneiden sich zwei Stationen, ist das keine Lücke, aber derselbe Fall: eine Angabe, welche die Beilagen entweder bestätigen oder widerlegen. Zwei parallele Teilzeitstellen sind der häufigste harmlose Grund — und lesen sich nur dann harmlos, wenn das Pensum danebensteht.
  • Lös jede Zeile auf, die nur Jahreszahlen trägt. «2019 bis 2021» reicht von Dezember 2019 bis Januar 2021 oder von Januar 2019 bis Dezember 2021; zwischen den beiden Lesarten liegen 22 Monate. Zwei solche Zeilen hintereinander machen aus einem unbestimmten Zwischenraum eine unbestimmte Lücke.
  • Hol dir die Daten von der Quelle, wenn du unsicher bist. Nach Art. 330a OR kann ein Zeugnis jederzeit verlangt werden — auch Jahre nach dem Austritt, und auf Wunsch beschränkt auf Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses. Damit steht die Dauer schriftlich fest, bevor du sie in eine Zeile schreibst.
  • Prüf die Monatsgrenzen, bevor du dir eine Lücke einredest. Kündigungsfristen laufen nach Art. 335c OR je auf das Ende eines Monats; ein Zwischenraum von ein, zwei Monaten ist häufig das Ergebnis dieses Fahrplans und nicht einer Auszeit.
  • Datier das offene Ende und trag dir den nächsten Prüftermin ein. «Seit 2024» ohne Monat und ohne Gegenwartsbezug oben auf der Seite ist die einzige Lücke im Dokument, die von selbst wächst — und zwar in jedem Monat, in dem du dich bewirbst.

Die Prüfung ist eine Subtraktion, kein Lesen

Der ganze Vorgang besteht aus zwei Spalten. Links steht jede Station mit Beginn und Ende als Monat und Jahr, rechts die Differenz zum nächsten Beginn. Eine Differenz von eins bedeutet nahtlos: Die eine Stelle endet im August, die nächste beginnt im September. Differenz zwei heisst ein leerer Monat, Differenz sieben heissen sechs. Das Ergebnis ist eine Zahl und kein Eindruck, und genau darin liegt der Unterschied zum Durchlesen.

Ein Beispiel mit drei Stationen: 03.2017 bis 08.2019, danach 10.2019 bis 02.2022, danach 09.2022 bis 04.2026. Die erste Differenz ist zwei, die zweite sieben, und die dritte — vom letzten Ende bis zum laufenden Monat — ist vier, also drei leere Monate. Drei Zahlen, drei verschiedene Fälle — beim Lesen war keiner davon sichtbar, weil die Jahreszahlen einander berühren und der Satz daneben von Verantwortung und Projekten handelt.

Danach sortierst du die Differenzen in drei Klassen, und das ist die eigentliche Arbeit: Zwischenräume, die der Fristenkalender selbst erzeugt hat; Zwischenräume, die deine Unterlagen bereits erklären, weil ein Kurs, ein Einsatz oder ein Dienst darin liegt; und Zwischenräume, zu denen es bisher kein Papier gibt. Nur die dritte Klasse ist die Lücke, um die es in der Frage geht.

Was Jahreszahlen verstecken — auch vor dir selbst

Eine Zeile mit blossen Jahreszahlen ist keine Angabe, sondern ein Bereich. «2019 bis 2021» kann Dezember 2019 bis Januar 2021 heissen oder Januar 2019 bis Dezember 2021. Zwischen der kürzesten und der längsten Lesart liegen 22 Monate, und die lesende Person darf sich aussuchen, welche sie annimmt.

Für die Lückenprüfung ist der Effekt grösser als für die Dauer einer einzelnen Stelle. Endet eine Station mit «2020» und beginnt die nächste mit «2021», dann liegt dazwischen alles zwischen null und 22 leeren Monaten. Du kannst diesen Zwischenraum also gar nicht prüfen, solange die Monate fehlen — und die Gegenseite kann ihn ebenso wenig ausschliessen.

Deshalb ist der Monat kein Formalismus, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Prüfung überhaupt ein Ergebnis hat. Wer die Monate ergänzt, sieht in derselben Minute, welche Zwischenräume real sind. Häufig sind es weniger, als die Erinnerung behauptet: Was sich als «ungefähr ein Jahr ohne Stelle» im Kopf festgesetzt hat, sind ausgerechnet oft fünf oder sechs Monate.

Die zweite Zeitachse, die niemand prüft

Ein Schweizer Lebenslauf trennt Berufserfahrung und Ausbildung in zwei Rubriken, und die Prüfung folgt dieser Trennung meist brav. Das ist der teuerste Fehler des ganzen Vorgangs, denn die Zeit läuft nur einmal. Erst wenn Lehre, Studium, Praktika, Dienst und Anstellungen in einer einzigen Liste stehen, zeigt die Subtraktion, was zwischen Abschluss und erster Stelle wirklich lag.

Dasselbe gilt für Einsätze, die zu einer Zeile zusammengefasst sind. «2021 bis 2022, diverse Temporäreinsätze» ist bequem geschrieben, verbirgt aber die Zwischenräume innerhalb dieser Zeit — und wer im Gespräch danach gefragt wird, rekonstruiert sie unter Zeitdruck. Für die eigene Prüfung schreibst du die Einsätze deshalb einzeln auf, auch wenn sie später wieder zu einer Zeile werden.

Am oberen Rand der Liste stehen schliesslich die Überschneidungen. Zwei Stellen, die sich um Monate überlappen, sind unauffällig, solange Pensen dabeistehen und die Zeugnisse dasselbe sagen. Ohne Pensum liest sich dieselbe Überlappung als Widerspruch — und Widersprüche kosten in der ersten Sichtung mehr als ein sauber datierter leerer Monat.

Wogegen du prüfst: die Unterlagen, nicht die Erinnerung

Die Datumsspalte deines Lebenslaufs steht nicht allein. Hinter ihr liegen die Zeugnisse, die du beilegst, und deren Inhalt schreibt das Gesetz vor. Art. 330a Abs. 1 OR: «Der Arbeitnehmer kann jederzeit vom Arbeitgeber ein Zeugnis verlangen, das sich über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über seine Leistungen und sein Verhalten ausspricht.» Die Dauer steht dort also immer.

Für die Prüfung ist vor allem das Wort «jederzeit» nützlich. Fehlt dir für eine alte Station das Papier, ist der Anspruch damit nicht verjährt gedacht — und Abs. 2 hält fest, dass sich das Zeugnis auf besonderes Verlangen auf Angaben über Art und Dauer beschränkt. Genau diese knappe Form reicht, um eine Datumszeile zu belegen, die du nicht mehr sicher weisst.

Praktisch heisst das: Der Lebenslauf ist die Behauptung, die Beilagen sind der Beleg, und die Prüfung besteht darin, beide nebeneinanderzulegen. Wo Zeugnis und Zeile auseinandergehen, korrigierst du die Zeile — nicht umgekehrt. Und wo ein Zeugnis fehlt, notierst du, welche Zeile ohne Beleg dasteht, bevor jemand anders es tut.

Welche Zwischenräume der Fristenkalender selbst erzeugt

Ein Teil der gefundenen Differenzen ist kein Lebenslauf-Problem, sondern Vertragsrecht. Art. 335c Abs. 1 OR: Das Arbeitsverhältnis kann «im ersten Dienstjahr mit einer Kündigungsfrist von einem Monat, im zweiten bis und mit dem neunten Dienstjahr mit einer Frist von zwei Monaten und nachher mit einer Frist von drei Monaten je auf das Ende eines Monats» gekündigt werden.

Zwei Dinge folgen daraus für die Prüfung. Erstens enden Anstellungen auf Monatsgrenzen, weshalb Differenzen von einem oder zwei Monaten regelmässig aus dem Fahrplan stammen und nicht aus einer Auszeit. Zweitens hängt die Frist vom Dienstalter ab: Wer zehn Jahre bei derselben Firma war, bringt drei Monate Frist mit, und der nächste Arbeitgeber muss so lange warten.

Abs. 2 erlaubt zudem abweichende Vereinbarungen durch schriftliche Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag; unter einen Monat darf nur ein Gesamtarbeitsvertrag gehen, und nur im ersten Dienstjahr. Für die Prüfliste bedeutet das: Vergleich jeden kurzen Zwischenraum zuerst mit deinem damaligen Vertrag, bevor du ihn als erklärungsbedürftig einstufst.

Die Lücke am offenen Ende wächst, während du suchst

Die letzte Differenz der Liste ist die einzige, die sich ohne dein Zutun verändert: der Abstand zwischen dem Ende deiner letzten Station und dem laufenden Monat. Sie wächst im Takt des Bewerbungsverfahrens, und dessen Tempo lässt sich messen. Von den heute auf SwissJobs.app offenen Inseraten ist die Hälfte seit rund drei Wochen ausgeschrieben — der Median liegt bei 20 Tagen.

Der Rest der Verteilung ist die eigentliche Nachricht: 47,5 Prozent der offenen Inserate sind zwischen acht und 30 Tagen alt, 10,9 Prozent zwischen 31 und 60 Tagen, 11,6 Prozent zwischen 61 und 90 Tagen und 16,4 Prozent länger als 90 Tage. Fast vier von zehn stehen also seit über einem Monat offen — und dann folgt noch die Kündigungsfrist der Person, die zusagt.

Wer das zusammenrechnet, sieht: Zwischen dem Tag, an dem ein Inserat erscheint, und dem Tag, an dem jemand tatsächlich anfängt, vergehen häufig Monate. Die Lücke, die du heute prüfst, ist deshalb nicht die Lücke, über die im Gespräch geredet wird. Praktisch heisst das, das offene Ende mit Monat zu datieren, eine Angabe in der Gegenwart oben auf der Seite zu halten und die Rechnung monatlich zu wiederholen — sie ist beim zweiten Mal eine Sache von Minuten.

Die Marktzahlen stammen aus der laufenden Auswertung der auf SwissJobs.app offenen Inserate, Stand 23. August 2026. Als Alter eines Inserats gilt die Differenz zwischen seinem Veröffentlichungsdatum und diesem Stichtag; die Verteilung ist an den offenen Inseraten mit Veröffentlichungsdatum gemessen, das sind 99,7 Prozent des Bestands.

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