RAV-Bewerbungen pro Monat: Wie viele sind in deinem Beruf überhaupt realistisch?

Lena Bachmann8 Min. Lesezeit
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Diagramm der Verteilung Schweizer Stelleninserate über Kantone und Berufsfelder, Zürich und IT deutlich vorne

Wer sich beim RAV anmeldet, bekommt früh eine Zahl genannt: so und so viele Arbeitsbemühungen pro Monat, nachzuweisen und zu dokumentieren. Je nach Kanton, Beruf und Beraterin liegt sie meist irgendwo zwischen acht und zwölf.

Diese Zahl ist für fast alle etwa gleich. Der Stellenmarkt dahinter ist es überhaupt nicht.

Wir haben rund zwanzigtausend publizierte Schweizer Inserate danach ausgewertet, wo sie liegen und in welchem Berufsfeld. Das Ergebnis erklärt etwas, das im RAV-Gespräch selten ausgesprochen wird: Für einen Teil der Stellensuchenden ist die Quote in zwei Nachmittagen erledigt. Für einen anderen Teil zwingt sie dazu, Bewerbungen zu schreiben, von denen alle Beteiligten wissen, dass sie nicht passen.

Beides erzeugt Frust, aber aus entgegengesetzten Gründen — und keiner der beiden Fälle ist ein Motivationsproblem.

Kurzfassung

Wie viele Bewerbungen verlangt das RAV pro Monat?
Es gibt keine national fixierte Zahl. Die Vorgabe wird von deiner Beratungsperson festgelegt und richtet sich nach Beruf, Region und Arbeitsmarktlage; in der Praxis liegt sie meist im Bereich von acht bis zwölf pro Monat.
Was, wenn es in meinem Beruf gar nicht so viele passende Stellen gibt?
Das ist ein legitimes Gesprächsthema und kein Eingeständnis. Die Vorgabe soll angemessen sein — dokumentiere, wie viele passende Inserate es in deinem Feld und deiner Region tatsächlich gab, und bring das ins Gespräch.
In welchen Berufsfeldern ist die Quote am schwierigsten?
In den schmalen. IT und Software stellen rund 31% der von uns zugeordneten Inserate, Logistik und Transport rund 2.8% — ein Verhältnis von etwa elf zu eins. In kleinen Feldern und kleinen Kantonen ist die Zahl passender Inserate schnell einstellig.
Zählen auch Spontanbewerbungen?
In der Regel ja, und in schmalen Berufsfeldern sind sie oft der einzige Weg zur Quote. Zwei Drittel der Schweizer Inserate laufen ohnehin über firmeneigene Karriereseiten — die Grenze zwischen Inserat und Spontanbewerbung ist dünner, als sie wirkt.

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Wie ungleich ist der Schweizer Stellenmarkt verteilt?

Zürich allein stellt rund ein Viertel aller Inserate mit bekanntem Kanton — die drei grössten Kantone zusammen mehr als vier von zehn.

Die erste Ungleichheit ist geografisch und sie ist grösser, als die Bevölkerungszahlen vermuten lassen. Zürich stellt 23.9% der Inserate, bei denen wir den Kanton kennen. Bern, Genf und die Waadt folgen im Bereich zwischen 8.5% und 9.1%. Am anderen Ende liegen Kantone im Bereich von zwei bis drei Prozent.

Für die RAV-Quote heisst das: Dieselbe Zahl Bewerbungen bedeutet in Zürich, aus einem breiten Angebot auszuwählen, und in einem kleinen Kanton, das Angebot auszuschöpfen. Wer nicht umziehen kann oder will — und das ist die Mehrheit —, hat einen strukturell kleineren Markt, ohne sich anders zu verhalten.

Das ist auch der Grund, warum Pendeln in der Beratung so oft zum Thema wird. Die Empfehlung ist nicht willkürlich: Der Radius um den Wohnort entscheidet in der Schweiz stärker über die Zahl erreichbarer Stellen als in grösseren Ländern, weil die Distanzen kurz und die Kantonsgrenzen wirtschaftlich real sind.

Wichtig ist die Reihenfolge des Arguments. Nicht «du musst mobiler sein», sondern: Wenn die Quote in deinem Radius rechnerisch nicht aufgeht, ist entweder der Radius oder die Quote zu justieren — und beides ist verhandelbar.

Anteil der Inserate nach Kanton
Zürich23.9%
Bern9.1%
Genf8.9%
Waadt8.5%
Basel-Stadt6.9%
Luzern6.9%
Aargau5.7%
Freiburg5.3%
St. Gallen3.6%
Zug3.2%
Graubünden2.7%
Wallis2.6%
Tessin2.1%

Anteil der publizierten Schweizer Inserate mit bekanntem Kanton, August 2026.

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Wie gross ist der Unterschied zwischen den Berufsfeldern?

Zwischen dem grössten und dem kleinsten der acht ausgewerteten Felder liegt etwa der Faktor elf.

Die zweite Ungleichheit ist beruflich und sie ist noch ausgeprägter. IT und Software stellen 31.1% der Inserate, die wir einem Berufsfeld zuordnen konnten. Verkauf und Detailhandel folgen mit 19.7%, Gesundheit und Pflege mit 17.3%.

Am unteren Ende stehen Logistik und Transport mit 2.8% sowie Gastronomie und Hotellerie mit 5.2%. Zwischen dem obersten und dem untersten Feld liegt damit ungefähr das Elffache.

Diese Zahl ist der eigentliche Punkt des Artikels. Eine Quote von zehn Bewerbungen im Monat ist in der Softwareentwicklung in der Deutschschweiz eine Formalität — es gibt mehr passende Inserate, als man sinnvoll bearbeiten kann. Dieselbe Quote in einem schmalen Feld in einem kleinen Kanton kann bedeuten, dass es schlicht nicht zehn passende offene Stellen gibt.

Was dann passiert, ist bekannt und in keinem Merkblatt beschrieben: Man bewirbt sich auf Stellen, die man nicht will, für die man überqualifiziert oder klar unpassend ist, um eine Zahl zu erreichen. Das kostet Zeit, erzeugt Absagen, die auf die eigene Bilanz durchschlagen, und beschädigt mit der Zeit die Bereitschaft, sich auf die passenden Stellen sorgfältig zu bewerben.

Anteil der Inserate nach Berufsfeld
IT / Software31.1%
Verkauf / Detailhandel19.7%
Gesundheit / Pflege17.3%
Bau / Handwerk10.9%
Finanzen / Treuhand6.7%
Administration6.4%
Gastronomie / Hotellerie5.2%
Logistik / Transport2.8%

Anteil der zugeordneten publizierten Schweizer Inserate nach Berufsfeld, August 2026.

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Warum trifft die Konzentration manche doppelt?

Wer in einem schmalen Feld ausserhalb der grossen Zentren sucht, multipliziert zwei Engpässe.

Die beiden Ungleichheiten addieren sich nicht, sie multiplizieren sich. Die drei grössten Kantone stellen zusammen 41.9% aller Inserate mit bekanntem Kanton. Wer in einem der zwanzig übrigen Kantone wohnt und zusätzlich in einem Feld sucht, das wenige Prozent des Marktes ausmacht, bewegt sich in einem Ausschnitt eines Ausschnitts.

Genau diese Personen sitzen im Beratungsgespräch der Situation gegenüber, dass die Vorgabe nicht zum Markt passt — und haben selten Zahlen zur Hand, um das zu belegen. Das Gespräch endet dann bei der Motivation, obwohl es um Verfügbarkeit geht.

Umgekehrt gilt dasselbe in die andere Richtung. Wer in Zürich in einem breiten Feld sucht und die Quote mühelos erfüllt, sollte sich nicht daran messen. Zehn schnell abgeschickte Bewerbungen sind kein besseres Ergebnis als vier sorgfältige — die Quote misst Aufwand, nicht Aussicht.

Der nützliche Umgang mit der Zahl ist deshalb in beiden Fällen derselbe: Sie ist eine Verwaltungsanforderung, keine Strategie. Die Strategie muss daneben existieren.

Konzentration auf die grossen Kantone
Die drei grössten Kantone zusammen41.9%
Die restlichen zwanzig zusammen58.1%

Anteil der publizierten Schweizer Inserate mit bekanntem Kanton, August 2026.

Wie sprichst du das im Beratungsgespräch an?

Mit einer Zählung statt mit einem Eindruck — die Vorgabe soll angemessen sein, und Angemessenheit ist belegbar.

Die Vorgabe zu Arbeitsbemühungen soll dem Arbeitsmarkt angemessen sein. Was angemessen heisst, ist Ermessenssache der Beratungsperson — und Ermessen lässt sich mit Belegen beeinflussen, mit Eindrücken kaum.

Die Grössenordnung lässt sich einfach ausdrücken. Wenn dein Feld rund 3% des zugeordneten Marktes ausmacht und jenes deiner Bekannten 31%, dann steht hinter derselben Monatsvorgabe ungefähr der elffache Bestand an Inseraten. Dass sich dieselbe Zahl für euch beide völlig unterschiedlich anfühlt, ist keine Frage der Einstellung.

Praktisch heisst das: Führe einen Monat lang eine simple Liste. Datum, Stelle, Firma, Quelle, und eine Spalte «passend / bedingt / unpassend». Wenn am Monatsende in der Spalte «passend» sechs Einträge stehen und die Vorgabe zehn lautet, ist das ein Gesprächsgegenstand mit Substanz statt ein Klagen.

Diese Liste hilft auch in die andere Richtung. Wenn dreissig passende Inserate zusammenkommen und trotzdem keine Einladung folgt, liegt das Problem nicht bei der Zahl, sondern beim Dossier — und dann ist die Zeit besser in die Unterlagen investiert als in weitere Bewerbungen.

Nimm ausserdem Spontanbewerbungen ernst. Zwei Drittel der Schweizer Inserate führen auf firmeneigene Karriereseiten, viele Stellen werden dort früher sichtbar als auf den Portalen, und in schmalen Feldern ist die Direktansprache oft der einzige Weg, überhaupt auf eine zweistellige Zahl zu kommen.

Wie viele Inserate hinter einer gleich hohen Quote stehen
IT / Software — Anteil am zugeordneten Markt31.1%
Gesundheit / Pflege17.3%
Gastronomie / Hotellerie5.2%
Logistik / Transport2.8%

Dieselbe monatliche Vorgabe trifft auf sehr unterschiedlich grosse Teilmärkte. Publizierte Schweizer Inserate, August 2026.

Was solltest du konkret tun?

Zähle, was es in deinem Feld und deinem Radius wirklich gibt, und richte Quote wie Aufwand danach aus.

Vier Dinge, in dieser Reihenfolge.

Zähle einen Monat lang mit. Ohne die Liste ist jedes Gespräch über die Quote ein Gespräch über Gefühle.

Bestimme deinen realistischen Radius, bevor jemand anders ihn bestimmt. Wenn eine halbe Stunde mehr Pendelzeit dein erreichbares Angebot deutlich vergrössert, ist das eine Entscheidung, die du treffen willst — und nicht eine, die dir als Vorwurf begegnet.

Trenne Quote und Qualität sauber. Erfülle die Vorgabe, aber miss deinen Fortschritt an den Bewerbungen, die du wirklich willst. Fünf sorgfältige Dossiers und fünf Pflichtbewerbungen sind ein besserer Monat als zehn halbe.

Prüfe das Dossier, wenn die Zahl stimmt und die Antworten fehlen. Unser <a href="https://swissjobs.app/lebenslauf-check">Lebenslauf Check</a> vergleicht deinen Lebenslauf mit einem konkreten Inserat und zeigt, welche Anforderungen keine Entsprechung haben; wenn du das Dossier neu aufbaust, erzeugt die <a href="https://swissjobs.app/lebenslauf-erstellen">Lebenslauf Vorlage</a> für die Schweiz ein Dokument mit den erwarteten Bestandteilen. Beides ist kostenlos.

Und behalte im Blick, was die Zahl ist und was nicht. Sie belegt, dass du suchst. Ob du gefunden wirst, entscheidet sie nicht.

Im Artikel erwähnte Werkzeuge

Beide sind kostenlos und beide von uns, was hier so gekennzeichnet ist.

  • Lebenslauf Check unser Tool

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Kurzfassung: Die RAV-Quote ist für fast alle ähnlich, der Markt dahinter ist es nicht. Zwischen dem grössten und dem kleinsten Berufsfeld liegt etwa der Faktor elf, und die drei grössten Kantone stellen zusammen mehr als vier von zehn Inseraten.

Wenn dir die Vorgabe unerfüllbar vorkommt, liegt das mit einiger Wahrscheinlichkeit daran, dass sie es in deinem Ausschnitt des Marktes tatsächlich ist. Das ist kein Vorwurf an dich und auch keiner an die Beratungsperson — es ist eine Zahl, die man auf den Tisch legen kann, sobald man sie hat.

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