Ist mein Lebenslauf zu allgemein?
Aktualisiert:
Kurz gesagt
Prüf es an einem Massstab statt an einem Gefühl. Schweizer Inserate benennen ihre eigenen Stellen im Median mit vier Wörtern: 79,1 Prozent tragen drei oder mehr, 42,4 Prozent fünf oder mehr, und 67,7 Prozent führen einen Titel, der in unserer laufenden Auswertung sonst nirgends vorkommt. Unter allen Inseraten mit «Sachbearbeiter» im Titel heisst kein einziges bloss «Sachbearbeiter»; bei «Berater», «Leiter», «Mitarbeiter» und «Ingenieur» genauso wenig. Zu allgemein ist dein Lebenslauf also dann, wenn er dich schmaler beschreibt, als der Markt seine eigenen Stellen beschreibt.
Das ist der Grund, warum die Frage sich so schlecht selber beantworten lässt. «Allgemein» klingt nach Geschmack, nach einem Urteil, das man erst bekommt, wenn jemand anderes das Dokument liest. Es gibt aber einen äusseren Massstab, und er steht in den Inseraten, auf die du dich bewirbst: Der Markt schreibt seine Stellen mit einer bestimmten Genauigkeit aus, und diese Genauigkeit kann man zählen.
Praktisch heisst das: Der Vergleich ist nicht dein Lebenslauf gegen ein Ideal, sondern deine Selbstbeschreibung gegen die Beschreibungsbreite des Markts. Wenn im Inserat «Projektleiter Gebäudetechnik» steht und in deinem Lebenslauf «Projektleiter», fehlt nicht deine Erfahrung — es fehlt das Wort, das deine Erfahrung verortet. Diese Lücke schliesst man in einer Zeile, nicht in einer Neufassung.
Anteil der erfassten Schweizer Inserate nach Länge des Stellentitels, nachdem Geschlechtskürzel, Pensumsangaben und Satzzeichen entfernt wurden. Laufende Auswertung, Stand August 2026.
- 67,7 Prozent der erfassten Inserate tragen einen Stellentitel, der sonst nirgends im Bestand vorkommt. Die Ausschreibung, gegen die dein Lebenslauf antritt, ist im Regelfall ein Einzelstück — deine Selbstbeschreibung ist es selten.
- Der blosse Berufsname kommt als Titel praktisch nicht vor: Unter den Inseraten mit «Sachbearbeiter», «Berater», «Ingenieur», «Leiter», «Mitarbeiter» oder «Techniker» im Titel trägt kein einziges nur dieses Wort. Bei «Projektleiter» sind es 1,9 Prozent. Der Median liegt bei zwei zusätzlichen Wörtern.
- Es gibt keine Standard-Spezialisierung, die man abschreiben könnte. Im Umfeld von «Projektleiter» ist das häufigste Zusatzwort «Senior» mit 6,8 Prozent, danach Gebäudetechnik mit 4,3, Elektro mit 3,8, Hochbau und Tiefbau mit je 3,5 Prozent. Welche Genauigkeit deine ist, steht in keiner Liste.
- Genau heisst nicht «Programmnamen». Nur 1,7 Prozent aller Titel nennen eine Software oder Technologie, während 15,6 Prozent eine Stufe führen — «Senior» allein bei 7,1 Prozent. Der Markt unterscheidet nach Fachgebiet, Funktion, Kundschaft und Rolle, nicht nach Werkzeugliste.
- Es gibt eine Ecke, in der der Markt selbst allgemein schreibt: Im Verkauf kommen auf zehn Inserate nur rund zweieinhalb verschiedene Titel und auf hundert Inserate weniger als zehn Arbeitgeber. Nur 17,9 Prozent dieser Inserate tragen einen im eigenen Berufsfeld einmaligen Titel.
Was «zu allgemein» heisst, wenn man es misst
Allgemein ist ein Text dann, wenn ihn jemand anderes für eine andere Stelle unverändert hätte schreiben können. Das ist eine brauchbare Definition, weil sie prüfbar ist: Du musst nicht wissen, ob dein Lebenslauf gut ist, sondern nur, ob er austauschbar ist.
Damit die Prüfung nicht wieder Geschmacksfrage wird, braucht sie einen äusseren Massstab. Wir haben dafür alle erfassten Schweizer Inserate auf ihren Stellentitel reduziert, Geschlechtskürzel wie «(m/w/d)», Pensumsangaben und Satzzeichen entfernt und gezählt, wie genau der Markt seine eigenen Stellen benennt.
Das Ergebnis ist eindeutig. Der Median liegt bei vier Wörtern. 79,1 Prozent der Inserate brauchen drei oder mehr, 42,4 Prozent fünf oder mehr; nur 4,8 Prozent kommen mit einem einzigen Wort aus. Und 67,7 Prozent tragen einen Titel, der im gesamten erfassten Bestand kein zweites Mal auftaucht.
Ein Lebenslauf, der sich in der Kopfzeile mit einem Wort beschreibt, ist damit nicht «etwas kürzer» als der Markt, sondern etwa vier Mal ungenauer. Das ist der harte Kern der Frage: Nicht dein Können ist zu allgemein, sondern die Auflösung, in der du es benennst.
Der Markt spricht in Spezialisierungen, nicht in Berufsnamen
Man kann das noch schärfer stellen, indem man einzelne Berufsfamilien anschaut. Unter allen erfassten Inseraten, die «Sachbearbeiter» im Titel führen, gibt es kein einziges, das schlicht «Sachbearbeiter» heisst. Dasselbe gilt für «Berater», «Ingenieur», «Leiter», «Mitarbeiter», «Techniker», «Assistent» und «Fachfrau». Bei «Projektleiter» sind es 1,9 Prozent, bei «Verkäufer» 1,2 Prozent.
Stattdessen kommt in jedem dieser Titel mindestens ein Wort dazu, das die Stelle verortet — im Median zwei zusätzliche Wörter, in der Pflege und im Detailhandel eher fünf, weil dort die Berufsbezeichnung selbst schon mehrteilig ist.
Die Zusatzwörter verteilen sich dabei auf einen langen Schwanz. In der Familie «Projektleiter» führt das häufigste Zusatzwort, «Senior», gerade 6,8 Prozent der Inserate an; Gebäudetechnik kommt auf 4,3, Elektro auf 3,8, Hochbau und Tiefbau auf je 3,5 Prozent. Bei «Sachbearbeiter» steht Export mit 12,8 Prozent vorn, gefolgt von Innendienst mit 7,4 und Auftragsabwicklung mit 5,4 Prozent.
Daraus folgt etwas Unbequemes und etwas Beruhigendes zugleich. Unbequem: Es gibt keine Liste der zehn wichtigen Zusätze, die man sich in den Lebenslauf schreibt. Beruhigend: Weil keine Spezialisierung den Markt beherrscht, konkurrierst du mit deiner nicht gegen alle anderen, sondern nur gegen den kleinen Teil, der dieselbe hat.
Die vier Sorten Genauigkeit, die im Markt tatsächlich vorkommen
Wer «konkreter werden» hört, denkt zuerst an Programmnamen. Die Zahlen sagen etwas anderes: Nur 1,7 Prozent aller erfassten Titel nennen überhaupt eine Software oder Technologie. Die Genauigkeit, die der Markt benutzt, liegt woanders — und sie fällt in vier Sorten, die man in den Zusatzwörtern direkt sehen kann.
Erstens das Fachgebiet: Gebäudetechnik, Hochbau, Tiefbau, Elektro, Sanitär, Tragwerksplanung stehen bei den Projektleitungen; bei den Ingenieurinnen sind es Ingenieurbau, Entwicklung, Automation. Zweitens die Funktion innerhalb des Ablaufs: Innendienst, Aussendienst, Auftragsabwicklung, Export, Service, Instandhaltung, Kundendienst. Das ist die Sorte, die in Lebensläufen am häufigsten fehlt, obwohl sie am billigsten zu ergänzen ist.
Drittens die Kundschaft oder das Segment. In der Familie «Berater» tragen 28,4 Prozent «Verkaufsberater» und 28,0 Prozent «Kundenberater» im Titel, 8,6 Prozent nennen die Versicherung, 4,1 Prozent die Vorsorge. Viertens die Rolle und ihre Grösse: 15,6 Prozent aller Titel führen eine Stufe, «Senior» allein 7,1 Prozent, «Lead» oder «Head» 3,1 Prozent, «Junior» nur 0,9 Prozent.
Dazu kommt in einigen Familien der Raum: Bei den Beraterinnen steht bei 10,1 Prozent das Wort «Region» im Titel, bei den Technikern bei 11,1 Prozent. Wer den eigenen Einsatzradius nicht nennt, lässt genau die Angabe weg, die dort zum Titel gehört.
Der Streichtest: drei Fragen an jede Zeile
Nimm dein Dokument und geh Zeile für Zeile durch. Erste Frage: Könnte eine andere Person, die sich auf eine andere Stelle bewirbt, diesen Satz wortgleich schreiben? Wenn ja, trägt er nichts. Zweite Frage: Steht in der Zeile eine Zahl, ein Fachgebiet, ein Systemname, eine Grösse oder ein Ort? Wenn nichts davon, ist es eine Behauptung. Dritte Frage: Schreibt irgendjemand freiwillig das Gegenteil? Niemand schreibt «nicht teamfähig» oder «wenig belastbar» — Wörter, deren Gegenteil nie vorkommt, unterscheiden nichts.
Was dabei durchfällt, muss nicht weg, sondern nach unten. Aus «Sachbearbeiterin, zuverlässig und teamfähig» wird «Sachbearbeiterin Export, Auftragsabwicklung für rund vierzig Kunden im EU-Raum, Zollpapiere und Akkreditive». Dieselbe Person, dieselbe Stelle, dieselbe Wahrheit — nur mit den Wörtern, die auch im Inserat stehen.
In der Pflege sieht derselbe Handgriff so aus: Aus «Pflegefachfrau, patientenorientiert» wird «Pflegefachfrau HF, Akutgeriatrie, Bezugspflege für zwölf Betten, Nachtdienstrotation». Und in der Informatik wird aus «erfahrener System Engineer» ein «System Engineer, Windows-Serverlandschaft für rund vierhundert Arbeitsplätze, Migration auf zwei Standorte».
Der Aufwand dafür ist klein und die Wirkung liegt oben im Dokument. Die Kopfzeile, die zwei bis drei Zeilen darunter und je ein Halbsatz pro Station reichen. Wer den Lebenslauf komplett neu schreibt, um weniger allgemein zu wirken, arbeitet an den falschen achtzig Prozent.
Allgemein ist nicht dasselbe wie breit
Zwei Dinge werden hier gern verwechselt. Ein breiter Lebenslauf zeigt viele verschiedene Stationen, Branchen oder Aufgaben. Ein allgemeiner Lebenslauf zeigt gar keine — er zeigt Kategorien. Breite ist ein Profil, Allgemeinheit ist ein fehlendes Profil, und nur das zweite ist ein Problem.
Für Quereinsteigerinnen, Generalisten und Leute mit ungewöhnlichem Weg heisst das: Nicht die Vielfalt kürzen, sondern die Achse benennen, auf der die Vielfalt liegt. «Verwaltung in drei Branchen, immer an der Schnittstelle zwischen Auftrag und Buchhaltung» ist breit und trotzdem genau. «Vielseitig einsetzbar» ist nur allgemein.
Der Gegentest ist ebenfalls einfach. Wenn zwei sehr verschiedene Inserate deinen Lebenslauf gleich gut zu treffen scheinen, liegt das selten daran, dass du für beide passt — häufiger daran, dass das Dokument zu wenig sagt, um mit einem der beiden in Konflikt zu geraten. Genauigkeit kostet Anschlussfähigkeit; das ist ihr Preis und zugleich ihr Nutzen.
Und sie kostet weniger, als man denkt. Weil im Markt keine einzelne Spezialisierung dominiert, schliesst dich ein präziser Titel nicht aus dem Bestand aus. Er verschiebt dich nur von der grossen, unentschiedenen Menge in die kleine, die zum Inserat passt.
Wo der Markt selbst allgemein schreibt
Es gibt Ecken, in denen dieser ganze Rat nicht greift, und man sollte sie kennen, bevor man an sich selbst zweifelt. Im Detailhandel schreiben wenige grosse Ketten sehr viele fast gleichlautende Inserate: In der Familie rund um «Verkäufer» kommen auf zehn Inserate nur etwa zweieinhalb verschiedene Titel, auf hundert Inserate weniger als zehn Arbeitgeber, und nur 17,9 Prozent der Inserate tragen einen im eigenen Berufsfeld einmaligen Titel. Das häufigste Zusatzwort ist «Food» mit 37,3 Prozent, gefolgt von Frischprodukte mit 14,1 und Kassen mit 12,2 Prozent.
Wo der Titel derart standardisiert ist, kann er dich nicht unterscheiden — und dein Lebenslauf muss es an anderer Stelle tun. Dort zählen Verfügbarkeit, Sortimentserfahrung, Kassen- und Schichtverantwortung, Filialgrösse und der Ort. Genau das sind die Angaben, die die Ketten in ihren Inseraten zwar nicht in den Titel schreiben, aber im Auswahlgespräch als Erstes abfragen.
Die allgemeine Regel bleibt trotzdem stehen, nur mit anderem Vorzeichen: Genauigkeit gehört dorthin, wo im jeweiligen Markt die Entscheidung fällt. Im projektgetriebenen Teil des Markts ist das das Fachgebiet, im standardisierten Teil sind es Verfügbarkeit und Radius.
Beides lässt sich in derselben Viertelstunde erledigen. Öffne drei Inserate, auf die du dich wirklich bewerben willst, schreib die Wörter heraus, die in allen dreien vorkommen und in deinem Lebenslauf fehlen, und setz sie dorthin, wo sie hingehören — in die Kopfzeile und in die oberste Station. Danach ist die Frage «zu allgemein?» keine Gefühlsfrage mehr, sondern beantwortet.
Die Marktzahlen stammen aus der laufenden Auswertung der auf SwissJobs.app offenen Schweizer Inserate, Stand 23. August 2026. Für die Titelauswertung wurden Geschlechtskürzel, Pensumsangaben, Klammern und Satzzeichen entfernt und die Titel in Kleinschreibung verglichen; «einmalig» heisst, dass der so bereinigte Titel im erfassten Bestand nur ein einziges Mal vorkommt. Alle Angaben sind Anteile am jeweiligen Bestand, nicht absolute Zahlen.
Prüfe, wie dein Lebenslauf zu einer Stelle passt
Kostenlos: Sprachen, Bewilligung, Anforderungen und mehr — bewertet gegen ein konkretes Inserat.
ATS-Lebenslauf prüfen: gegen ein konkretes Inserat, kostenlosQuellen
- arbeit.swiss (SECO) — Bewerbungstipps: Der Lebenslauf enthält üblicherweise auch «besondere Kenntnisse oder Tätigkeiten», und das Bewerbungsschreiben zeigt die Motivation «für eine ausgeschriebene Stelle»
- berufsberatung.ch (SDBB im Auftrag der Kantone) — Eine Stelle suchen: «Ein auf die Stelle zugeschnittenes Bewerbungsdossier ist genauso wichtig wie die gründliche Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch» und «Erstellen Sie für jede Bewerbung ein eigenes Dossier»
Verwandte Fragen
Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%