Der Lebenslauf in einer anderen Sprache
Aktualisiert:
Wer sich in der Romandie, in einem zweisprachigen Kanton oder bei einem internationalen Arbeitgeber bewirbt, muss zuerst eine Frage beantworten, die in keiner Vorlage steht: In welcher Sprache wird dieses Dossier geschrieben — und was ändert sich dadurch ausser den Wörtern? Diese Seite sammelt diese Fragen und beantwortet sie mit dem, was die Schweizer Inserate tatsächlich verlangen, und mit dem, was die amtlichen Stellen in der jeweiligen Sprache selbst schreiben.
Kurz gesagt
Auf Französisch heisst das Dokument «Curriculum vitae», und die Blöcke darunter heissen «Données personnelles», «Expériences professionnelles», «Formation et formation continue», «Langues», «Centres d’intérêts» und «Références». Übersetze deine deutschen Bezeichnungen nicht Wort für Wort: Aus dem EFZ wird «CFC», aus dem Pensum «taux d’activité 80 %», aus dem Arbeitszeugnis das «certificat de travail». Massgebend ist die Sprache des Inserats, nicht der Name der Firma — knapp die Hälfte der französischen Inserate stammt von Arbeitgebern, die daneben auch auf Deutsch ausschreiben.
Wo Französisch die Sprache des Marktes ist, lässt sich zählen. Unter den auf SwissJobs.app ausgeschriebenen Stellen mit erkennbarer Inseratsprache sind in der Waadt 69.2 % französisch, im Kanton Freiburg 64.5 %, in Neuenburg 65.0 % und in Genf 49.5 %. Deutsch spielt in Genf und der Waadt kaum noch eine Rolle (1.0 % beziehungsweise 1.8 %), Englisch dagegen sehr: in Genf 49.5 %, im Wallis mit 20.3 % weniger als Französisch mit 41.5 %. Im Kanton Bern kippt das Verhältnis: 82.4 % deutsch, 6.9 % französisch.
Der zweite Befund ist für die Praxis der wichtigere. Nur rund 5 % der Arbeitgeber schreiben sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch aus — auf diese wenigen entfallen aber 49.1 % aller französischen Inserate. Die Sprache ist also keine Eigenschaft des Unternehmens, sondern eine Entscheidung pro Stelle, und das Inserat hat sie bereits getroffen. Zeit dafür ist da: Ein französisches Inserat steht im Median 30 Tage online, ein deutsches 18.
- Die amtliche Blockliste auf Französisch übernehmen. arbeit.swiss zählt in der französischen Fassung auf: «titre “Curriculum vitae”, données personnelles avec photo vous mettant en valeur, activités professionnelles précédentes, écoles fréquentées, formations et formations continues suivies, connaissances linguistiques, connaissances ou activités particulières, centres d’intérêt et loisirs, références». Wer diese Reihenfolge nimmt, hat den welschen Lebenslauf bereits gebaut — umgekehrt chronologisch, das Neueste zuoberst.
- Den Stellentitel spiegeln, aber die Doppelform weglassen. 26.3 % der französischen Inseratstitel tragen ein «(H/F)» oder «(h/f/d)», 13.6 % eine inklusive oder doppelte Form wie «Cheffe ou chef de projets», «animateur·trice» oder «chargé(e)». Das ist die Schreibweise des Arbeitgebers für eine offene Stelle. In deinem Lebenslauf steht die Form, die auf dich zutrifft: «Décolleteur CNC», «Cheffe de projet», ohne Klammern.
- Den Abschluss in der welschen Form schreiben. Das offizielle Portal der Berufsbildung ist eindeutig: «Les porteurs de ces titres ne sont pas autorisés à les compléter par la mention “diplômé-e” ou “dipl.”. Une horticultrice peut se nommer “horticultrice CFC” ou “horticultrice AFP”.» 18.8 % der französischen Inserate nennen den CFC ausdrücklich — mehr als das EFZ in deutschen Inseraten (10 %). «Diplôme» als Ersatzwort ist keine Lösung, sondern ein Fehler.
- Das Pensum als «taux d’activité» ausschreiben. 18.5 % der französischen Titel nennen ein Pensum, 8 % sogar eine Spanne wie «80-100 %». Im Lebenslauf gehört dieselbe Angabe hinter jede Station: «Assistante de direction, taux d’activité 80 %, 03/2021 – aujourd’hui». Im französischen Satz steht ein Leerzeichen vor dem Prozentzeichen; wer «80%» schreibt, verrät die deutsche Vorlage.
- Die Sprachzeile nach dem CECR, nicht nach Gefühl. Das Waadtländer Merkblatt verlangt für den Block «Langues» ausdrücklich «le niveau CECR (A, B ou C)». Die Zahlen dahinter: 95.4 % der französischen Inserate mit Sprachanforderung wollen Französisch auf Berufs- oder Muttersprachenniveau. Deutsch verlangen 28.2 % — davon 61.5 % nur konversationssicher oder als Grundkenntnisse. Eine ehrliche Zeile «Allemand B2 (langue maternelle)» hilft dir also mehr, als sie kostet.
- Akzente setzen, sonst liest sich das Dokument wie eine Maschinenübersetzung. 60.4 % der französischen Inseratstitel enthalten mindestens ein Sonderzeichen. Der Waadtländer Leitfaden nennt als Anforderung an den Lebenslauf schlicht «Orthographe irréprochable» — und rät für das Motivationsschreiben ausdrücklich, es «à une personne maîtrisant le français» gegenlesen zu lassen. Ein «expérience» ohne Akzent, ein «Genève» ohne Accent grave — das sind die Stellen, an denen ein Dossier auffällt.
- Die Länge nach dem Empfänger wählen. arbeit.swiss schreibt auf Französisch: «Le curriculum vitae ne doit pas dépasser trois pages.» Der Kanton Waadt verlangt in seinem Postulationsleitfaden für Erwachsene «1 à 2 pages A4». Wer in die Romandie schickt, hält sich an die kantonale, engere Vorgabe — drei Seiten sind die Obergrenze, nicht das Ziel.
- Die Beilagen so bündeln, wie es die französische Seite vorgibt. «Les certificats de travail doivent figurer dans un unique document PDF, dans l’ordre chronologique, le plus récent en premier», heisst es dort — und für die Referenzen: «indiquez que vos références peuvent être fournies sur demande». Das ist derselbe Aufbau wie auf Deutsch, aber mit anderen Wörtern, und genau diese Wörter erwartet die Person, die dein Dossier öffnet.
Die Sprache des Inserats schlägt den Kanton
Die verbreitete Faustregel «Romandie gleich Französisch» stimmt nur ungefähr. Über alle Inserate mit erkennbarer Sprache sind schweizweit 14.1 % französisch, 59.4 % deutsch, 23.9 % englisch und 2.6 % italienisch. Französisch ist damit die dritthäufigste Ausschreibungssprache des Landes — konzentriert, aber nirgends allein.
Innerhalb der Westschweiz ist die Streuung gross. Waadt (69.2 %), Freiburg (64.5 %) und Neuenburg (65.0 %) liegen alle über der Hälfte, Genf mit 49.5 % knapp darunter, das Wallis mit 41.5 % deutlich darunter — dort folgt Deutsch mit 37.9 %, Englisch mit 20.3 %. Im Jura sind praktisch alle Inserate französisch, allerdings auf sehr kleiner Grundlage.
Umgekehrt gilt: Ein französischer Lebenslauf ist ausserhalb dieser Kantone selten die richtige Wahl. In Zürich sind 0.8 % der Inserate auf Französisch geschrieben, im Kanton Bern 6.8 %. Wer sich in Bern oder Biel bewirbt, prüft deshalb zuerst, in welcher Sprache das konkrete Inserat verfasst ist — und nicht, welche Sprachen im Kanton gesprochen werden.
Derselbe Arbeitgeber, zwei Sprachen
Nur etwa 5 % der Arbeitgeber schreiben in beiden Sprachen aus. Diese Minderheit prägt den Markt aber überproportional: 49.1 % der französischen Inserate stammen von ihr, gegenüber 31.5 % der deutschen. Wer sich bei einem solchen Haus bewirbt, kann die Sprache nicht aus dem Firmennamen ableiten — sie steht im Inserat.
Man sieht es bereits an den Namen: 10.9 % der französischen Inserate stammen von Arbeitgebern, deren Firmenbezeichnung selbst einen deutschsprachigen Bestandteil trägt — «Etat de Fribourg - Staat Freiburg», «Spitalzentrum Biel / Centre hospitalier Bienne», dazu die Bundesverwaltung. Ein Dossier auf Französisch ist bei ihnen weder Zumutung noch Sonderfall, sondern der zweite Normalfall.
Zusätzlich kommen 23.4 % der französischen Inserate von Arbeitgebern, die daneben auf Englisch ausschreiben. In Genf, wo Englisch mit 47 % fast gleichauf liegt, ist die Frage «Französisch oder Englisch?» deshalb keine Stilfrage: Sie wird pro Stelle beantwortet, und die Antwort steht in der Sprache, in der die Anforderungen formuliert sind.
CFC ist kein EFZ mit Akzent
Der häufigste Fehler im übersetzten Lebenslauf ist der Abschluss. «EFZ» sagt in der Romandie niemandem etwas, «diplôme» ist zu unbestimmt, und die Mention «diplômé-e» ist bei Berufsabschlüssen nicht zulässig. Richtig ist die Form «Employée de commerce CFC» oder «Menuisier CFC» — Beruf, dann Titelkürzel, ohne Zusatz.
Die Zahlen zeigen, wie stark dieses Kürzel im welschen Markt verankert ist: 18.8 % der französischen Inserate nennen den CFC ausdrücklich, während das deutsche Pendant EFZ nur in 10 % der deutschen Inserate vorkommt. Der «brevet fédéral» erscheint in 1.6 %, ein «permis de conduire» in 3.6 %. Wer den CFC im Lebenslauf weglässt, streicht genau das Wort, nach dem gesucht wird.
Für ausländische Abschlüsse gibt es eine gängige welsche Formel, die 1.9 % der Inserate in dieser oder ähnlicher Form selbst verwenden: «CFC ou formation jugée équivalente». Diese Wendung lässt sich spiegeln — der ausländische Titel im Original, das Land dahinter, und wenn ein Anerkennungsverfahren läuft, das Datum der Einreichung. Übersetzt wird der Titel nicht.
Zwei amtliche Vorlagen, zwei Längen
Auf Französisch gibt es nicht eine amtliche Vorgabe, sondern zwei, die sich in einem Punkt widersprechen. Der Bund schreibt: «Le curriculum vitae ne doit pas dépasser trois pages.» Das Waadtländer Merkblatt für Erwachsene auf Stellensuche verlangt «1 à 2 pages A4», dazu «Typographie (arial, calibri, helvetica, par exemple)» und eine «mise en page soignée selon les standards actuels».
Das Waadtländer Papier kennt ausserdem zwei Blöcke, die im deutschen Lebenslauf oft fehlen: ein «EN-TÊTE (ACCROCHE)» mit wenigen Schlagworten zum Profil und darunter «Votre objectif» — ein Satz, wofür man sich bewirbt. Es unterscheidet zudem ausdrücklich zwischen dem «CV chronologique» und dem «CV thématique, centré sur les compétences», der für Quereinsteigende und nichtlineare Laufbahnen gedacht ist.
Bei den Personalien ist die welsche Vorgabe konkreter, als viele erwarten: «Prénom et nom, adresse, e-mail, téléphone, année de naissance et âge, nationalité ou permis de séjour», dazu eine «photo de bonne qualité (usuellement exigée)». Geburtsjahr und Alter — nicht das volle Datum — und die Bewilligung stehen also ausdrücklich in der offiziellen kantonalen Empfehlung.
Die Sprachzeile entscheidet über die Einladung
95.1 % der französischen Inserate nennen überhaupt eine Sprachanforderung — ein hoher Wert, der zeigt, wie zentral die Frage in diesem Markt ist. Französisch wird in 98.2 % dieser Inserate verlangt, in 95.4 % auf Berufs- oder Muttersprachenniveau. Ein französisch geschriebener Lebenslauf ist damit selbst ein Beleg: Er zeigt das Niveau, statt es zu behaupten.
Eine zweite Sprache verlangen 40.6 %. Deutsch steht in 28.2 % der Inserate, wird aber in 61.5 % dieser Fälle nur konversationssicher oder als Grundkenntnis gefordert; Englisch erscheint in 22.8 %. Für Deutschsprachige ist das die eigentliche gute Nachricht: Die Zweitsprache, die dort verlangt wird, ist häufig genau deine erste.
Regional ist die Anforderung sehr verschieden. In Genf verlangen 73.5 % der französischen Inserate ausschliesslich Französisch, in Neuenburg 74.3 %, in der Waadt 60.2 %. Im Kanton Freiburg sind es nur 37.6 %, im Kanton Bern 33.3 % — dort ist das französische Inserat meistens zugleich eine Aufforderung, Deutsch zu können. Ein Dossier für Freiburg oder Biel weist beide Sprachen aus, in dieser Reihenfolge.
Was der welsche Markt anders ausschreibt
Auch das Berufsbild hinter den französischen Inseraten ist ein anderes. Nach Titelmustern gerechnet entfallen 9.6 % der französischen Inserate auf Bau und Handwerk gegenüber 4 % der deutschen, 11 % auf IT und Engineering gegenüber 7.8 %. Umgekehrt ist der Detailhandel mit 2 % gegenüber 8.9 % viel schwächer vertreten, Gesundheit und Pflege mit 6.4 % gegenüber 10.8 % ebenfalls.
Auffällig ist die Funktionsbezeichnung: Derselbe Wortmustertest — «responsable», «chef», «Leiter», «Leitung», «head of» — trifft auf 12.4 % der französischen Inseratstitel zu und auf 2.7 % der deutschen. Wer aus der Deutschschweiz kommt, sollte die eigene Verantwortung deshalb ausdrücklich benennen — im welschen Lebenslauf ist die Führungsspanne eine Angabe, keine Andeutung.
Zwei weitere Unterschiede prägen den Ton: Öffentliche und parastaatliche Arbeitgeber stellen 15.3 % der französischen Inserate gegenüber 8.7 % der deutschen — dort zählt ein vollständiges, formal sauberes Dossier mehr als jede Gestaltungsidee. Und die Anrede bleibt förmlich: In französischen Inseraten steht «vous» in 9 %, «tu» nur in 0.7 %, während deutsche Inserate umgekehrt in 45.9 % duzen. Ein Lebenslauf auf Französisch bleibt beim Sie.
Die Marktzahlen wurden am 22. August 2026 aus den zu diesem Zeitpunkt aktiven Inseraten auf SwissJobs.app ausgezählt; die Anteile der Inserate nach Schriftsprache wurden am 27. September 2026 neu ausgezählt. Die Sprachanteile je Kanton beziehen sich auf Inserate mit erkennbarer Inseratsprache; Inserate ohne erkennbare Sprache sind ausgeschlossen. Die Kantonszuordnung erfolgt über den Ortsnamen, der Jura hat dabei eine sehr kleine Grundlage. Sprachanforderungen sind an den Inseraten gemessen, die überhaupt eine nennen, Berufsfelder über Wortmuster im Stellentitel — sie sind als Grössenordnung zu lesen, nicht als Branchenstatistik. Die Angaben zu Blocknamen, Länge, Titelführung und Beilagen sind von den unten verlinkten Seiten von arbeit.swiss, des Kantons Waadt und des Berufsbildungsportals zitiert.
Schreib für jede Bewerbung einen passenden Lebenslauf
Die meisten schicken überall denselben Lebenslauf. Der Editor schreibt deinen auf das Inserat um — Schweizer Format, richtige Sprache, in etwa einer Minute.
Lebenslauf mit KI erstellen: für ein konkretes InseratQuellen
- arbeit.swiss, französische Fassung — die amtliche Blockliste des «Curriculum vitae», die Höchstlänge und die Regel, dass Arbeitszeugnisse in ein einziges PDF gehören
- Kanton Waadt, Leitfaden «Créer un dossier de candidature pour les adultes» — Blocknamen, «1 à 2 pages A4», CECR-Niveaus, Foto «usuellement exigée»
- formationprof.ch (SBFI/SDBB), «Titres délivrés» — warum «CFC» so und nicht mit «diplômé-e» geschrieben wird
- orientation.ch, «Rechercher un emploi» — die französischsprachige Beschreibung des vollständigen Bewerbungsdossiers
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Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%