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Bewerbung & Lebenslauf

Lebenslauf ohne Berufserfahrung — was in die leeren Felder gehört

Aktualisiert:

Wer noch nicht gearbeitet hat, hat trotzdem einen Lebenslauf — er belegt sich nur aus einem anderen Stapel. Die Bewerbungsseite des Bundes und die Lebenslauf-Anleitung der kantonalen Berufsberatung beschreiben beide, was hineingehört, wenn hinter keiner Zeile ein Arbeitgeber steht. Die Marktzahlen auf dieser Seite stammen aus den Inseraten auf SwissJobs.app.

Kurz gesagt

Ein Lebenslauf ohne Berufserfahrung ist kein kürzerer Lebenslauf, sondern einer mit anderer Gewichtung. Die Bewerbungsseite des Bundes zählt acht Bestandteile auf: Titel, persönliche Daten, bisherige berufliche Tätigkeiten, besuchte Schulen und Weiterbildungen, Sprachkenntnisse, besondere Kenntnisse oder Tätigkeiten, persönliche Interessen und Referenzen. Genau einer davon setzt eine Anstellung voraus. Die anderen sieben füllst du ohne einen einzigen Arbeitstag — und dieselbe Seite setzt die Obergrenze bei drei Seiten, nicht bei einer.

Der Markt fragt ausserdem seltener nach Erfahrung, als es sich beim Lesen von Inseraten anfühlt. Von den Inseraten auf SwissJobs.app, die eine Kurzbeschreibung tragen, nennen 23.6 Prozent das Wort Erfahrung überhaupt nicht, und weitere 31 Prozent nennen sie ausdrücklich als Vorteil — «von Vorteil», «idealerweise», «wünschenswert». Zusammen ist das über die Hälfte. Eine feste Anzahl Jahre verlangen 8.1 Prozent. Die Wand, an der man ohne Erfahrung zu scheitern glaubt, steht vor einem Achtel der Inserate, nicht vor allen.

Und für den Fall, dass hinter keiner Zeile ein Arbeitgeber steht, gibt es eine amtliche Vorlage. Die kantonale Berufsberatung beschreibt auf berufsberatung.ch einen Lebenslauf, in dem der Block «berufliche Tätigkeiten» gar nicht vorkommt: Titel, Foto, Adresse, persönliche Angaben, Schulbildung, Sprachen, Interessen und Hobbys, Schnupperlehren, Referenzen. Geschrieben ist sie für die Lehrstellenbewerbung. Sie ist aber die einzige offizielle Beschreibung eines Lebenslaufs ohne Anstellungen — und ihre Reihenfolge funktioniert auch dann noch, wenn die Schulzeit zwanzig Jahre zurückliegt.

Anteil der Inserate mit ausdrücklichem Einstiegssignal — je Berufsfeld, in Prozent der Inserate dieses Felds
Anteil der Inserate mit ausdrücklichem Einstiegssignal — je Berufsfeld, in Prozent der Inserate dieses FeldsBildung & Soziales17.3%Gastronomie & Hotellerie15.2%Logistik & Transport14.5%Kaufmännisch & Verwaltung12.2%Detailhandel & Verkauf11.8%Bau & Handwerk9.4%Banken & Versicherungen9%IT & Engineering4.8%
  • Die oberste Zeile ist die aktuelle Ausbildung, nicht ein Wunschsatz. Beide amtlichen Anleitungen verlangen dieselbe Reihenfolge, das Aktuellste zuerst. Wer noch zur Schule geht, beginnt mit der Schule, die er gerade besucht, und listet danach rückwärts. Oben steht damit eine überprüfbare Angabe mit Zeitraum und Ort — und nicht ein Kurzprofil, das ohne Stationen dahinter wie eine Behauptung klingt.
  • Schnupperlehren, Praktika und Einsätze sind dein Erfahrungsteil. berufsberatung.ch führt sie als eigenen Block und rät, jene zu nennen, die zum angestrebten Beruf oder zu verwandten Berufen passen. Der Schnupperbericht gehört dazu in die Beilagen. War der Einsatz ein bezahltes Arbeitsverhältnis, kommt ein Anspruch dazu: Nach Art. 330a OR kannst du jederzeit ein Zeugnis über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses verlangen. Fordere es an, auch nach einem Praktikum von zwei Wochen.
  • Ferienjobs und Kurse sind offiziell Beilagen, nicht Lückenfüller. Die Beilagenliste der Berufsberatung nennt neben Schulzeugnissen, Schnupperberichten und Resultaten von Eignungstests ausdrücklich «Empfehlungsschreiben oder Bestätigungen von Ferienjobs und Kursen». Eine Bestätigung über drei Wochen im Verkauf ist damit ein Dokument des Dossiers und im Lebenslauf eine datierte Zeile wie jede andere.
  • Belege statt Adjektive — genau danach fragen die Einstiegsinserate. In den Inseraten mit Einstiegssignal stehen Wörter aus dem Feld Zuverlässigkeit und Sorgfalt 3.4-mal häufiger als im Durchschnitt des Bestands, Lernbereitschaft 5.3-mal häufiger, Teamfähigkeit 1.7-mal. Diese drei schreibt man nicht hin, man belegt sie: eine Ausbildung ohne Unterbruch abgeschlossen, ein Kurs mit Zertifikat, ein Vereinsamt über zwei Jahre.
  • Selbständigkeit ist das Wort, das du weglassen kannst. Es ist die einzige der ausgezählten Eigenschaften, die in den Einstiegsinseraten seltener vorkommt als im Markt insgesamt: 3.8 gegenüber 5.6 Prozent. Wer noch nicht gearbeitet hat, gewinnt nichts damit, sich selbständiges Arbeiten zuzuschreiben. Gesucht wird an dieser Stelle jemand, der verlässlich erscheint und sich anleiten lässt.
  • Bei den Referenzen gilt ohne Arbeitgeber die Schulregel, nicht die Erwachsenenregel. arbeit.swiss hält fest, im Lebenslauf werde üblicherweise vermerkt, Referenzen würden auf Anfrage bekannt gegeben. Die Berufsberatung dagegen verlangt Auskunftspersonen mit Namen und Telefonnummern direkt im Lebenslauf — und dass du sie vorher fragst. Ohne Arbeitszeugnisse ist die zweite Variante die stärkere: Sie liefert die Überprüfbarkeit, die dem Dossier sonst fehlt.

Sieben von acht Blöcken brauchen keinen Arbeitgeber

Die Bewerbungstipps von arbeit.swiss sind die einzige Stelle, an der der Bund sagt, was ein Lebenslauf enthält. Die Liste ist in allen vier Sprachfassungen dieselbe und umfasst acht Punkte: den Titel «Lebenslauf», persönliche Daten, bisherige berufliche Tätigkeiten, besuchte Schulen und Weiterbildungen, Sprachkenntnisse, besondere Kenntnisse oder Tätigkeiten, persönliche Interessen oder Hobbys und Referenzen. Wer noch nie angestellt war, verliert davon einen einzigen Punkt. Das ist der ganze Unterschied zwischen deinem Dokument und dem einer Person mit zehn Berufsjahren — in der Struktur jedenfalls.

Der Block, der am häufigsten leer gelassen wird, obwohl er nichts mit Anstellungen zu tun hat, ist «besondere Kenntnisse oder Tätigkeiten». Dort stehen der Führerausweis mit Kategorie, Anwendungen, die du tatsächlich bedienst, ein Nothilfekurs, ein J+S-Leiterausweis, ein absolvierter Sprachaufenthalt, ein Amt im Verein, eine Funktion in der Schülerorganisation. Jede dieser Zeilen ist datierbar und durch ein Dokument gedeckt. Zusammen mit der Schulbildung, den Sprachen und den Einsätzen füllt sich damit eine Seite, ohne dass ein einziger Satz erfunden werden müsste.

Was leer bleibt, wird gestrichen statt gedehnt. Ein Block mit einer einzigen dünnen Zeile fällt stärker auf als ein Lebenslauf, der ihn gar nicht führt: Die Überschrift verspricht etwas, das darunter nicht kommt. Die Regel gilt für die Erfahrung genauso. Wer nichts hat, das als Anstellung durchgeht, führt keinen Abschnitt «Berufserfahrung» mit einem Ferienjob darin, sondern einen Abschnitt «Praktische Einsätze» oder «Schnupperlehren» — und dann stimmt die Überschrift wieder mit dem Inhalt überein.

Was die Inserate tatsächlich verlangen

Rechnet man die Inserate auf SwissJobs.app nach ihrer Erfahrungsanforderung durch, ergeben sich vier Gruppen. 23.6 Prozent der Inserate mit Kurzbeschreibung nennen Erfahrung mit keinem Wort. 31 Prozent nennen sie und markieren sie zugleich als Vorteil oder als wünschenswert. 37.2 Prozent verlangen Erfahrung, ohne sie zu beziffern. 8.1 Prozent nennen eine Zahl von Jahren. Der Bereich, in dem eine Bewerbung ohne Anstellungen von vornherein aussortiert wird, ist also die kleinste der vier Gruppen.

Interessant ist die grösste. Bei den 37.2 Prozent, die Erfahrung ohne Zahl verlangen, entscheidet nicht der Filter, sondern die Lektüre — und damit das Dokument. Ein Inserat, das «Erfahrung im Kundenkontakt» erwartet, meint nicht zwingend eine Anstellung: Ein Jahr an der Kasse eines Vereinsfests, ein Praktikum an der Réception, eine Tätigkeit im Familienbetrieb sind Kundenkontakt und lassen sich als datierte Zeile mit Funktion und Ort schreiben. Diese Gruppe belohnt präzise Formulierungen mehr als jede andere.

Ausdrücklich an Einsteigende richten sich 8.2 Prozent aller Inserate. Die Zusammensetzung dieser Gruppe sagt mehr als ihre Grösse: 46.1 Prozent davon sind Lehrstellen, 34.8 Prozent Praktika oder Stages, 11.1 Prozent tragen «Junior» im Titel, 2.1 Prozent sind Traineeprogramme, 2.6 Prozent sprechen Absolventinnen und Absolventen an, 2.5 Prozent Quereinsteigende. Vier von fünf Einstiegsstellen sind also formalisierte Ausbildungs- oder Einsatzplätze, keine gewöhnlichen Stellen mit tieferer Hürde. Dazu passt die Anstellungsform: Unter den Einstiegsinseraten ist «Praktikum» als Anstellungsart mit 7.7 Prozent vertreten, im ganzen Bestand mit 0.9 Prozent.

Wo die Einstiegsstellen wirklich stehen

Die Einstiegssignale verteilen sich sehr ungleich über die Berufsfelder. Gemessen am Bestand des jeweiligen Felds tragen Inserate aus Bildung und Sozialem am häufigsten ein Einstiegssignal, nämlich 17.3 Prozent, gefolgt von Gastronomie und Hotellerie mit 15.2, Logistik und Transport mit 14.5, kaufmännischen und administrativen Funktionen mit 12.2 und dem Detailhandel mit 11.8 Prozent. Bau und Handwerk liegen bei 9.4, Banken und Versicherungen bei 9 Prozent.

Am unteren Ende steht ausgerechnet das grösste Feld. IT und Engineering machen 14.8 Prozent des Bestands aus, tragen aber nur in 4.8 Prozent ihrer Inserate ein Einstiegssignal; Gesundheit und Pflege liegen mit 4.5 Prozent noch knapp darunter. Für jemanden ohne Berufserfahrung heisst das: Das Feld mit den meisten Inseraten ist nicht das Feld mit den meisten Türen. Wer sich in einem dieser beiden Bereiche bewirbt, sollte den Anteil kennen — nicht um aufzugeben, sondern um die Zahl der Bewerbungen entsprechend anzusetzen und die formalisierten Wege, Praktikum und Ausbildung, mitzunehmen.

Was diese Inserate stattdessen verlangen, ist überraschend einheitlich. In den Einstiegsinseraten kommt ein Wort aus dem Umfeld der beruflichen Grundbildung — EFZ, CFC, Lehrabschluss, abgeschlossene Berufslehre — in 40.4 Prozent der Fälle vor, im gesamten Bestand in 7.7 Prozent. Hochschulwörter wie Bachelor, Master, FH oder Universität stehen in 12.8 Prozent der Einstiegsinserate gegenüber 8.9 Prozent im Bestand. Die Eintrittskarte in den Schweizer Arbeitsmarkt ist also mehrheitlich ein Berufsabschluss und nicht ein Studium. Wer einen hat, schreibt ihn genau so hin, wie er auf dem Ausweis steht, samt Beruf und Abschlussjahr; wer noch mitten in der Ausbildung steht, schreibt den erwarteten Abschluss mit Datum.

Die Sprachzeile ist die Zeile, in der du gleichauf bist

Sprachkenntnisse sind der einzige Block, in dem ein Dossier ohne Berufserfahrung genauso stark sein kann wie jedes andere — und die Einstiegsinserate fragen dort mehr als der Markt insgesamt. 80.3 Prozent der Inserate mit Einstiegssignal nennen eine Sprachanforderung, im ganzen Bestand sind es 72.8 Prozent. Deutsch verlangen 57 Prozent der Einstiegsinserate gegenüber 49.6 Prozent im Bestand, Französisch 19.3 gegenüber 14.8, Italienisch 4.3 gegenüber 2.8 Prozent.

Genau eine Sprache dreht sich um: Englisch steht in 27.8 Prozent der Einstiegsinserate und in 30.2 Prozent aller Inserate. Beim Einstieg trägt Englisch also weniger als weiter oben in der Hierarchie, und die Landessprache trägt mehr. Wer ohne Berufserfahrung sucht und die Sprache der Region beherrscht, sollte das nicht in einer Sammelzeile verstecken. Die Berufsberatung sagt dazu knapp, alle Sprachkenntnisse seien anzugeben und mit der Muttersprache zu beginnen — eine Zeile pro Sprache, mit Niveau, ist hier mehr wert als eine Zeile mit vier Sprachen ohne Niveau.

Am Schluss steht das Dossier, nicht nur das Dokument. Die Beilagen kommen als PDF, ein PDF pro Beilage, das neuste Dokument zuerst — so beschreibt es die Berufsberatung, und arbeit.swiss verlangt dasselbe für Zeugnisse, Diplome und Zertifikate. Ohne Arbeitszeugnisse übernehmen Schulzeugnisse, Schnupperberichte und Kursbestätigungen diese Rolle. Wer sie sauber ordnet, liefert genau das, was ein Lebenslauf ohne Berufserfahrung sonst schuldig bleibt: eine zweite Quelle für jede Zeile.

Die Marktzahlen wurden am 22. August 2026 aus den zu diesem Zeitpunkt auf SwissJobs.app aktiven Inseraten ausgezählt. Die Anteile zur Erfahrungsanforderung beziehen sich auf jene Inserate, für die eine Kurzbeschreibung vorliegt — das sind 74 Prozent des Bestands; sie beruhen auf dem Vorkommen von Wortstämmen wie Erfahrung, experience, expérience oder esperienza und der Art ihrer Einbettung, was Inserate unterzählt, die dasselbe ohne diese Wörter ausdrücken. Als Einstiegssignal gilt ein Stellentitel mit Lehrstelle, Lernende, Praktikum, Stage, Junior oder Trainee sowie eine Kurzbeschreibung, die Berufseinstieg, Absolventinnen, Quereinstieg oder eine erste Berufserfahrung anspricht; die Zuordnung zu Berufsfeldern erfolgt über Stichwörter im Stellentitel und ist als Grössenordnung zu lesen, nicht als amtliche Branchenstatistik. Die Vergleichsfaktoren zu Eigenschaftswörtern messen die Häufigkeit der Wörter, nicht die Anforderung dahinter. Der Inhalt eines Lebenslaufs, die Beilagen und die Reihenfolge stammen aus den Bewerbungstipps von arbeit.swiss (SECO) und aus den Anleitungen der kantonalen Berufsberatung; der Zeugnisanspruch aus dem Obligationenrecht in der auf fedlex veröffentlichten Fassung.

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Quellen

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Sprache der Inserate

Deutsch
60%
English
23%
Français
13%
Italiano
3%

Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen

Deutsch
70%
English
43%
Français
21%
Italiano
3%

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