Alle Fragen

Lebenslauf prüfen

Lebenslauf mit vielen kurzen Stellen — wie prüfe ich ihn?

Aktualisiert:

Grafik: die ersten 30 Sekunden einer Schweizer Lebenslauf-Sichtung, mit der Reihenfolge Bewilligung und Ort, Sprachen, aktuelle Funktion, Ausbildung, Form des Werdegangs.

Kurz gesagt

Prüfe drei Dinge, in dieser Reihenfolge: ob jede kurze Station einen Vertragsnamen trägt, ob die Jahre pro Rollenfeld zusammengezählt aufgehen, und ob die oberste Zeile noch einen einzigen Beruf ergibt. Was du fürchtest, fragt der Markt kaum ab: In den Inseraten auf SwissJobs.app, deren Text uns vorliegt, kommt Erfahrung in 76,4 Prozent vor, eine Jahreszahl dazu in 8,1 Prozent — Loyalität, Beständigkeit, Kontinuität oder Fluktuation zusammen in 0,3 Prozent. Ein Lebenslauf mit vielen kurzen Stellen scheitert selten an ihrer Zahl. Er scheitert an den unbenannten.

Beim Prüfen zählt niemand deine Jahre. Gezählt werden Blöcke: Wie viele datierte Einträge erster Ordnung stehen auf der ersten Seite? Diese Zahl entscheidet den ersten Eindruck, und sie ist die einzige Grösse, die du beim Prüfen verändern kannst, ohne eine einzige Tatsache wegzulassen. Acht Stationen bleiben acht Stationen — aber als drei Blöcke mit Unterzeilen lesen sie sich als ein Werdegang mit Etappen, als acht gleichrangige Hauptstationen dagegen als acht Wechsel.

Der zweite Hebel steht im Gesetz. Eine Station unter drei Monaten hat fast immer einen Namen: Nach Art. 335b OR gilt der erste Monat eines Arbeitsverhältnisses als Probezeit, die Kündigungsfrist beträgt in dieser Zeit sieben Tage, und schriftlich lässt sich die Probezeit auf höchstens drei Monate verlängern. Und ein befristetes Arbeitsverhältnis endigt nach Art. 334 OR ohne Kündigung. Wer eine kurze Station mit ihrem vertraglichen Namen versieht, beschreibt eine Vertragsform. Wer sie unbenannt stehen lässt, überlässt die Deutung der Leserin.

Was Schweizer Inserate im Vordergrund nennen
Was Schweizer Inserate im Vordergrund nennenErfahrung76.4%Team und Zusammenarbeit42.1%Weiterbildung, Entwicklung28.2%Flexibilität18.3%Selbständiges Arbeiten8.5%Eine Jahreszahl zur Erfahrung8.1%Befristung im eigenen Text3.3%Langfristige Perspektive1.3%

Anteil der ausgewerteten Inserate, deren Titel oder Kurzfassung das jeweilige Thema anspricht. Laufende Auswertung der auf SwissJobs.app offenen Inserate, Stand 23. August 2026.

  • Schreib hinter jede Station unter zwölf Monaten in Klammern ihre Vertragsform: befristete Anstellung, Temporäreinsatz, Vertretung, Saisonstelle, Projektmandat, Praktikum, Anstellung in der Probezeit beendet. Bleibt eine Klammer leer, hast du die Station gefunden, die im Gespräch als Erste angesprochen wird.
  • Setz eine Summenzeile über den Werdegang: «Berufserfahrung: sieben Jahre, davon fünf in der Debitorenbuchhaltung.» Kein Inserat verlangt fünf Jahre beim selben Arbeitgeber — 39,1 Prozent aller Jahresnennungen lauten auf fünf Jahre, 15,7 Prozent auf drei, 10,3 Prozent auf zehn.
  • Datiere von Monat zu Monat, nie nur nach Jahren. Jahreszahlen allein lassen zwischen zwei Stationen eine Lücke von bis zu 23 Monaten offen, die niemand nachrechnen kann — und beim Prüfen eines zerstückelten Werdegangs rechnet man nach.
  • Bündle nach Rollenfeld, nicht nach Reihenfolge. Drei Einsätze als Sachbearbeiterin bei drei Betrieben gehören unter einen Block mit drei Unterzeilen. Die Betriebe bleiben sichtbar, die Zahl der Hauptstationen sinkt, und die Rechnung aus der Summenzeile wird nachvollziehbar.
  • Prüf die oberste Zeile gegen ein konkretes Inserat. Rechnet man die deutschsprachigen Stellentitel auf ihre Grundform herunter, bleiben auf hundert Inserate 75,8 verschiedene Titel: Der Markt benennt eng, und deine Zeile muss einen Beruf benennen, nicht deine letzten drei.
  • Sortier alles unter drei Monaten aus dem Hauptstrang aus, was ein Praktikum, ein Einsatz oder eine Aushilfe war. Diese Stationen gehören in einen eigenen kleinen Abschnitt am Ende — sie sind Nachweise, keine Karriereschritte, und beanspruchen oben Platz, den die Jahreszahl braucht.
  • Nimm für jede Station das Wort aus deinen Papieren. Das Arbeitszeugnis spricht sich nach Art. 330a OR über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses aus; die Dauer steht also ohnehin fest. Was du wählst, ist nicht die Zahl, sondern ihr Name.

Was der Markt abfragt — und was er fast nie erwähnt

Die Angst hinter dieser Frage heisst Job-Hopping. Der Schweizer Stellenmarkt formuliert sie kaum je aus. Von den Inseraten, deren Text uns vorliegt, sprechen 76,4 Prozent Erfahrung an, 42,1 Prozent Team und Zusammenarbeit, 28,2 Prozent Weiterbildung oder Entwicklung, 18,3 Prozent Flexibilität und 8,5 Prozent selbständiges Arbeiten. Eine langfristige Perspektive erwähnen 1,3 Prozent. Loyalität, Beständigkeit, Kontinuität oder Fluktuation kommen zusammen auf 0,3 Prozent.

Das ist keine Beruhigung, sondern eine Prüfanweisung. Wenn der Markt nach Erfahrung fragt und nicht nach Verweildauer, dann prüfst du deinen Lebenslauf falsch, solange du auf die Länge der einzelnen Station schaust. Die richtige Frage lautet: Steht die Summe irgendwo, und ist sie ohne Taschenrechner lesbar?

Und wo eine Zahl im Inserat steht, ist sie tatsächlich eine Summe. 8,1 Prozent der Inserate nennen eine Jahreszahl im Zusammenhang mit Erfahrung — in 94,1 Prozent der Sätze mit einer Jahreszahl geht es um Erfahrung, im Rest um Ferienwochen, Firmenjubiläen oder ein Mindestalter. Verlangt werden am häufigsten fünf Jahre mit 39,1 Prozent der Nennungen, dann drei mit 15,7, zehn mit 10,3, zwei mit 8 und acht mit 7,4 Prozent. Gefordert ist die Erfahrung, nicht der Arbeitgeber, bei dem sie entstanden ist.

Test eins: Trägt jede kurze Station einen Vertragsnamen?

Kurze Stationen entstehen in der Schweiz aus einer überschaubaren Zahl von Vertragsformen: befristete Anstellung, Temporäreinsatz über einen Verleiher, Vertretung während eines Ausfalls, Saisonstelle, Projektmandat, Praktikum — und die Anstellung, die in der Probezeit endete. Jede dieser Formen hat einen Namen, den auch dein Gegenüber kennt. Der Prüfschritt besteht darin, hinter jede Station unter zwölf Monaten genau einen dieser Namen zu setzen und zu sehen, wo keiner passt.

Zwei davon stehen wörtlich im Gesetz. Art. 335b OR: Das Arbeitsverhältnis kann während der Probezeit jederzeit mit einer Kündigungsfrist von sieben Tagen gekündigt werden, als Probezeit gilt der erste Monat, und durch schriftliche Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag darf sie auf höchstens drei Monate verlängert werden. Art. 334 OR: Ein befristetes Arbeitsverhältnis endigt ohne Kündigung — und wird es nach Ablauf stillschweigend fortgesetzt, gilt es als unbefristet. Eine Station von zwei Monaten ist damit fast immer eine von zwei Sachen, und beide haben eine ruhige Bezeichnung.

Der Markt selbst produziert diese Stationen, und zwar sehr ungleich verteilt. 3,3 Prozent der Inserate, deren Text uns vorliegt, sprechen im eigenen Text eine Befristung, einen Temporäreinsatz, eine Saison oder eine Vertretung an. Innerhalb der Berufsfelder sieht das anders aus: In Gesundheit und Pflege sind es 7,2 Prozent der Inserate, in Bau und Handwerk 6,8, in Bildung und Sozialem 5,7, in Industrie und Produktion 3,9, in Büro und Administration 2,9, im Verkauf 2,7, im Gastgewerbe 1,7 und in der IT 1,5 Prozent. Wer in der Pflege sechs kurze Stationen hat, hat den Markt gearbeitet, wie er ausgeschrieben wird.

Test zwei: Die Rechnung, die dir niemand abnimmt

Ein zerstückelter Werdegang zwingt die Leserin zu einer Addition. Sie sucht die Jahre in einem Feld zusammen, das dein Dokument in acht Zeilen verteilt hat, und bricht diese Rechnung ab, sobald sie unübersichtlich wird. Genau deshalb gehört die Summe an den Anfang: eine Zeile über oder unter dem Kurzprofil, die sagt, wie viele Jahre insgesamt und wie viele davon im Feld des Inserats.

Die Zielgrösse steht in den Inseraten selbst. Von den Nennungen einer Erfahrungsdauer liegen 24,3 Prozent bei höchstens drei Jahren, 45,9 Prozent bei vier bis fünf und 29,8 Prozent bei sechs oder mehr. Wer sieben Jahre in vier Anstellungen gesammelt hat, erfüllt fast siebzig Prozent aller im Markt genannten Erfahrungsanforderungen — steht die Summe im Dokument. Steht sie nicht dort, ist der Lebenslauf für diese Anforderung stumm, unabhängig davon, wie gut die einzelnen Stationen waren.

Ob überhaupt gerechnet wird, hängt an der Sprache des Inserats. Nur 0,8 Prozent der deutschsprachigen Inserate nennen eine Jahreszahl zur Erfahrung, aber 20,6 Prozent der englischsprachigen, 13,8 Prozent der französischen und 10,4 Prozent der italienischen. Deutschsprachige Inserate umschreiben dieselbe Anforderung qualitativ — «mehrjährige Erfahrung», «fundierte Praxis» — und lassen die Zahl offen. Für dich heisst das: Auf Englisch musst du die Summe hinschreiben, weil sie geprüft wird. Auf Deutsch musst du sie hinschreiben, weil sonst niemand sie bildet.

Test drei: Ergibt die oberste Zeile noch einen Beruf?

Bei vielen kurzen Stellen wandert der Blick zuerst nach oben — auf die Zeile unter dem Namen und auf die jüngste Station. Ergeben diese beiden zusammen einen Beruf, liest sich der Rest als Weg dorthin. Ergeben sie zwei verschiedene, liest sich der Rest als Suche.

Der Markt benennt eng. Rechnet man die deutschsprachigen Stellentitel auf ihre Grundform herunter — Kleinschreibung, Klammerzusätze und Prozentangaben entfernt — bleiben auf hundert Inserate 75,8 verschiedene Titel übrig. Fast jedes Inserat trägt einen eigenen Titel, und keiner davon lautet «vielseitig». Gegen diese Genauigkeit gewinnt eine Selbstbezeichnung nur, wenn sie ebenso eng ist wie das Inserat, gegen das du dich bewirbst.

Die Fragmentierung ist im Übrigen keine Eigenheit deines Werdegangs. 44 Prozent der Arbeitgeber im deutschsprachigen Bestand haben genau ein offenes Inserat, und 29,2 Prozent der deutschsprachigen Titel führen eine Prozentangabe zum Pensum. Der Markt besteht selbst aus vielen kleinen Einheiten mit wechselnden Pensen. Dein Dossier muss diese Bewegung nicht verstecken; es muss ihr einen Beruf geben.

Bündeln, ohne etwas wegzulassen

Die Prüfung endet in einer Umbauarbeit, die keine Tatsache kostet. Alles, was in dasselbe Rollenfeld gehört, bekommt einen Block: eine Überschrift mit Funktion und Gesamtzeitraum, darunter die einzelnen Betriebe als Unterzeilen mit Monat–Monat, Pensum und einem halben Satz zum Auftrag. Die Zahl der Hauptstationen sinkt, die Zahl der Nachweise bleibt gleich.

Zwei Grenzen dabei. Erstens: Aus Stationen in verschiedenen Berufen wird kein gemeinsamer Block — daraus wird ein Bruch, den man beschreibt, statt ihn zu glätten. Zweitens: Ein Block darf keinen durchgehenden Zeitraum vortäuschen, in dem drei Monate Pause stecken. Die Unterzeilen tragen die echten Daten, die Blocküberschrift nennt Anfang und Ende ehrlich, und was dazwischen fehlt, gehört als eigene datierte Zeile beschrieben.

Für die Stationen unter drei Monaten gibt es einen eigenen Platz: ein kurzer Abschnitt am Ende, überschrieben mit Einsätzen, Praktika oder Aushilfen. Sie verschwinden nicht, sie stehen nur nicht dort, wo der Blick nach einem Beruf sucht. Diese eine Verschiebung nimmt einem zerstückelten Werdegang mehr Unruhe als jede Formulierung.

Was die Papiere ohnehin sagen

Verkürzen, zusammenziehen oder weglassen funktioniert bei Dauern nicht. Nach Art. 330a OR kann die Arbeitnehmerin jederzeit ein Zeugnis verlangen, das sich über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über Leistungen und Verhalten ausspricht. Die Dauer jeder Station steht damit in einem Papier, das beim Dossier ohnehin mitgeht. Geprüft wird deshalb nicht, ob eine Station kurz war, sondern ob dein Lebenslauf dasselbe sagt wie deine Zeugnisse.

Derselbe Artikel enthält einen Hebel für die eine Station, über die du ungern sprichst: Auf besonderes Verlangen hat sich das Zeugnis auf Angaben über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses zu beschränken. Ein solches einfaches Zeugnis ist im Dossier erkennbar, aber es ist ein reguläres Dokument und keine Lücke. Zwischen einem knappen Papier und einem fehlenden Papier liegt der ganze Unterschied.

Die amtliche Bewerbungsseite von arbeit.swiss verlangt Vollständigkeit und chronologische Ordnung, nicht Länge der einzelnen Anstellung. Dieselbe Logik gilt für deine Prüfung: Vollzähligkeit der Stationen, Klarheit der Daten, ein Name pro Station. Wer das hat, hat einen prüfbaren Lebenslauf — auch mit acht Stationen in sechs Jahren.

Die Zehn-Minuten-Prüfung

Erstens: Zähl die datierten Einträge erster Ordnung auf Seite eins. Zweitens: Setz hinter jeden unter zwölf Monaten eine Vertragsform in Klammern und markiere die leeren Klammern. Drittens: Addiere die Jahre pro Rollenfeld und schreib die Summe in eine Zeile ganz oben. Viertens: Lies nur die oberste Zeile und die jüngste Station und frag, welchen Beruf sie zusammen ergeben.

Fünftens: Bündle, was in dasselbe Feld gehört, und schieb alles unter drei Monaten in einen eigenen Abschnitt ans Ende. Sechstens: Vergleiche Anfangs- und Endmonate mit den Zeugnissen. Siebtens: Leg das Inserat daneben, gegen das du dich bewirbst, und prüfe, ob deine Summenzeile die dort genannte Erfahrung beantwortet — in dessen Sprache und mit dessen Rollenwort.

Was danach übrig bleibt, ist der einzige Teil, der wirklich erklärt werden muss: die Stationen ohne Vertragsnamen. Meist sind es eine oder zwei. Für die reicht ein Satz im Motivationsschreiben, und im Gespräch reicht dieselbe Ruhe, mit der du die anderen sechs nicht erklärst.

Laufende Auswertung der auf SwissJobs.app offenen Inserate, Stand 23. August 2026. Anteile beziehen sich auf die Inserate, deren Text uns vorliegt (drei Viertel des Bestands); Angaben zu Titeln und Arbeitgebern auf den gesamten deutschsprachigen Teil. Gesetzestexte im Wortlaut von fedlex.

Prüfe, wie dein Lebenslauf zu einer Stelle passt

Kostenlos: Sprachen, Bewilligung, Anforderungen und mehr — bewertet gegen ein konkretes Inserat.

ATS-Lebenslauf prüfen: gegen ein konkretes Inserat, kostenlos

Quellen

Verwandte Fragen

← Alle Fragen

Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt

Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.

Sprache der Inserate

Deutsch
60%
English
23%
Français
13%
Italiano
3%

Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen

Deutsch
70%
English
43%
Français
21%
Italiano
3%

19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%