Warum wird mein Lebenslauf abgelehnt?
Aktualisiert:
Warum wird mein Lebenslauf abgelehnt?
Kurz gesagt
Bei einer Serie von Absagen ist selten das Dokument der wiederkehrende Faktor, sondern die Auswahl der Inserate. Rechne es nach: Von allen aktiven Inseraten auf SwissJobs.app sind 41,6 Prozent auf Deutsch ausgeschrieben; 33,8 Prozent sind es und tragen zusätzlich kein Führungswort im Titel; 29,8 Prozent erfüllen auch das und sind als Vollzeit ausgeschrieben — und nur 19,8 Prozent erfüllen all dies und sind höchstens 30 Tage alt. Vier ganz gewöhnliche Bedingungen lassen von hundert sichtbaren Inseraten zwanzig übrig. Über deinen Lebenslauf wird erst in diesen zwanzig entschieden.
Das ist keine Ausrede, sondern eine Unterscheidung, und sie trennt zwei Ursachen, die sich identisch anfühlen und völlig verschieden behandelt werden müssen. Entweder warst du gar nie im Kreis der möglichen Kandidatinnen und Kandidaten — dann ändert ein besserer Lebenslauf nichts, sondern nur eine andere Auswahl. Oder du warst darin, und deine Unterlagen haben es nicht gezeigt — dann bringt breiteres Streuen nichts, sondern nur ein Umbau der ersten halben Seite.
Welcher der beiden Fälle vorliegt, steht in deinen eigenen letzten zwanzig Bewerbungen und in keinem Ratgeber. Nimm die Inserate hervor, auf die du dich beworben hast, und zähle, in wie vielen davon jede ausdrücklich verlangte Bedingung in deinem Dossier belegbar stand. Liegt dieser Anteil unter der Hälfte, ist es ein Auswahlproblem. Liegt er darüber und es kam trotzdem keine Einladung, ist es ein Darstellungsproblem. Das SECO empfiehlt auf arbeit.swiss ausdrücklich, eine Übersicht über versendete Bewerbungen, laufende Verfahren und offene Rückmeldungen zu führen — ohne diese Übersicht lässt sich die Frage gar nicht beantworten.
Anteil aller aktiven Inserate auf SwissJobs.app, der nach jedem zusätzlichen Kriterium noch übrig bleibt. Die Kriterien wirken kumulativ, in der abgebildeten Reihenfolge. Ausgezählt am 23. August 2026.
- Die Sprache des Inserats ist der teuerste einzelne Filter, und niemand nennt ihn dir vorher. 41,6 Prozent der aktiven Inserate sind auf Deutsch verfasst, 20,2 Prozent auf Englisch, 9,7 Prozent auf Französisch und 1,6 Prozent auf Italienisch; beim Rest ist die Sprache nicht eindeutig bestimmbar. Wer nur auf Deutsch bewirbt, arbeitet also von Anfang an in weniger als der Hälfte des sichtbaren Markts.
- Die verlangte Sprache ist noch einmal etwas anderes als die Sprache des Textes. 72,8 Prozent der Inserate nennen überhaupt eine Sprachanforderung, und 45,3 Prozent verlangen Deutsch auf Berufs- oder Muttersprachniveau. Englisch auf diesem Niveau verlangen 26,6 Prozent, Französisch 11,6 Prozent, Italienisch 1,9 Prozent. Jedes fünfte Inserat verlangt zwei oder mehr Sprachen gleichzeitig — dort ist eine einzelne fehlende Sprache kein Schönheitsfehler, sondern das Ende des Verfahrens.
- Teilzeit ist der härteste Filter überhaupt, und er wird beim Thema Absagen fast nie mitgedacht. Nur 5,5 Prozent aller aktiven Inserate sind ausdrücklich als Teilzeit ausgeschrieben. Deutschsprachig und Teilzeit zusammen sind es 3,2 Prozent. Wer ein Pensum unter hundert Prozent sucht und trotzdem eine Absage nach der anderen erhält, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Dokumentproblem, sondern schlicht in einem sehr kleinen Ausschnitt gesucht.
- 18,1 Prozent aller Inserattitel tragen ein Führungs- oder Senioritätswort — Senior, Lead, Leiter, Leitung, Head, Responsable, Direktor. Bei englischsprachigen Inseraten sind es sogar 30,1 Prozent. Das ist die Stelle, an der eine Bewerbung ohne Führungserfahrung regelmässig scheitert, ohne dass es je in einer Absage stünde. Der Titel sagt es vorher, kostenlos und in einem einzigen Wort.
- Ein erheblicher Teil dessen, was du siehst, ist nicht mehr frisch. Das mittlere aktive Inserat ist 20 Tage alt; nur 13,5 Prozent sind höchstens eine Woche alt, und 27,7 Prozent sind älter als zwei Monate. Bei den englischsprachigen Inseraten liegt der Mittelwert sogar bei 38 Tagen. Eine Bewerbung auf ein zwei Monate altes Inserat trifft oft ein Verfahren, in dem die engere Auswahl längst steht.
- 15,4 Prozent der aktiven Inserate teilen Titel und Ort mit mindestens einem weiteren Inserat. Wer breit streut, bewirbt sich also regelmässig zweimal auf sehr Ähnliches und zählt anschliessend zwei Absagen, wo eine einzige Entscheidung dahintersteht. Für die Statistik, die du über dich selbst führst, ist das eine systematische Verzerrung nach unten.
- Der Markt ist konzentrierter, als er wirkt. Auf die zehn grössten Inserenten entfallen 21,5 Prozent aller aktiven Inserate, auf die fünfzig grössten 36 Prozent. Mehrere Absagen können damit aus derselben Auswahlstelle stammen — und dieselbe Auswahlstelle wendet auf alle deine Bewerbungen dasselbe Raster an. Genau deshalb wiederholt sich ein Muster, das nach persönlicher Ablehnung aussieht.
Die Serie ist die Information, nicht die einzelne Absage
Eine einzelne Absage enthält fast nichts. Du weisst nicht, wie viele sich beworben haben, ob eine interne Kandidatin bereits feststand, ob das Budget zwischendurch eingefroren wurde oder ob jemand mit exakt dem verlangten Abschluss zwei Stunden vor dir zugesagt hat. Aus einem Ereignis, dessen Ursachen du nicht sehen kannst, lässt sich kein Rückschluss auf dein Dokument ziehen. Genau das versuchen aber die meisten, und zwar sofort nach der ersten Absage.
Eine Serie enthält dagegen sehr viel, weil in ihr genau zwei Dinge konstant bleiben: du und deine Auswahl. Alles andere wechselt. Damit ist die Serie das einzige Werkzeug, das die Ursache überhaupt eingrenzen kann — vorausgesetzt, du hast sie festgehalten. Das SECO rät auf arbeit.swiss, die Stellensuche von Anfang an systematisch zu organisieren und eine Übersicht über versendete Bewerbungen, laufende Verfahren und offene Rückmeldungen zu führen. Das ist kein Ordnungsappell, sondern die Bedingung dafür, dass die Frage nach dem Warum beantwortbar wird.
Der häufigste Fehler ist deshalb nicht ein Fehler im Lebenslauf, sondern einer im Vorgehen: Nach jeder Absage wird das Dokument überarbeitet. Damit ändert sich in jeder Runde die Variable, die du eigentlich messen wolltest, und die Serie zerfällt in zwanzig Einzelfälle ohne Aussage. Wer wissen will, woran es liegt, lässt das Dokument über einen Block von zehn bis fünfzehn Bewerbungen bewusst unverändert und ändert stattdessen nur eines: welche Inserate hineingehen.
Und noch etwas verzerrt die eigene Bilanz: 15,4 Prozent der aktiven Inserate teilen Titel und Ort mit einem weiteren Inserat, und auf die fünfzig grössten Inserenten entfallen 36 Prozent des Bestands. Zwanzig Bewerbungen sind deshalb selten zwanzig unabhängige Versuche. Sie sind oft zwölf oder dreizehn, mehrfach beim selben Adressaten. Das Gefühl, überall abgelehnt zu werden, entsteht auch aus dieser Doppelzählung.
Der Trichter: wie viel vom sichtbaren Markt für dich überhaupt offen ist
Die Grafik oben zeigt die Rechnung, die niemand macht, bevor er sich zum hundertsten Mal bewirbt. Ausgangspunkt sind alle aktiven Inserate. Der erste Schnitt ist die Sprache des Textes: 41,6 Prozent sind auf Deutsch geschrieben. Dieser eine Schritt kostet mehr als alle folgenden zusammen, und er ist der einzige, der schon vor der ersten Zeile deines Lebenslaufs wirkt.
Der zweite Schnitt ist die zusätzlich verlangte Landessprache. Nimmt man die deutschsprachigen Inserate weg, die Französisch oder Italienisch auf Berufsniveau verlangen, bleiben 40,1 Prozent. Das ist ein kleiner Schritt — anders als oft angenommen, ist eine zweite Landessprache in deutschsprachigen Inseraten selten der Ausschlussgrund. Der dritte Schnitt trifft stärker: Ohne Führungs- oder Senioritätswort im Titel bleiben 33,8 Prozent.
Der vierte Schnitt ist die Anstellungsform. Als Vollzeit ausgeschrieben sind davon 29,8 Prozent; wer stattdessen Teilzeit sucht, landet im gesamten Bestand bei 5,5 Prozent. Der fünfte und letzte Schnitt ist die Zeit: Nur 19,8 Prozent erfüllen alles Vorherige und sind zugleich höchstens 30 Tage alt. Von hundert Inseraten, die du in einer Trefferliste siehst, sind also rund zwanzig überhaupt Kandidaten für eine Bewerbung, die eine reelle Chance hat.
Der Punkt dieser Rechnung ist nicht Entmutigung, sondern Zuordnung. Jede der vier Bedingungen ist für sich genommen völlig gewöhnlich und wird von den allermeisten Stellensuchenden stillschweigend mitgeführt. Zusammen ergeben sie einen Ausschnitt von einem Fünftel. Wenn du in diesem Fünftel zwanzig Bewerbungen ohne Einladung hinter dir hast, ist das ein Signal über dein Dossier. Wenn du zwanzig Bewerbungen quer über alles verteilt hast, ist es keines.
Wo die Sprache entscheidet — und wo sie es nicht tut
44,6 Prozent aller aktiven Inserate verlangen keine Landessprache auf Berufsniveau. Das klingt nach viel, verteilt sich aber äusserst ungleich. In den technischen Berufen ist der Anteil am höchsten: 55,2 Prozent der IT- und Engineering-Inserate kommen ohne geforderte Landessprache auf Berufsniveau aus, und 32 Prozent von ihnen sind gleich ganz auf Englisch geschrieben. Bei Bank und Versicherung sind es 42,8 Prozent, im kaufmännischen Bereich 38 Prozent.
Am anderen Ende steht das Handwerk. Nur 21,3 Prozent der Bau- und Handwerksinserate verzichten auf eine Landessprache auf Berufsniveau, und 0,4 Prozent sind auf Englisch geschrieben. In Gesundheit und Pflege sind es 37,1 Prozent ohne geforderte Landessprache, im Detailhandel 31,5 Prozent. Wer in diesen Feldern ohne Deutsch auf Berufsniveau bewirbt, erhält Absagen, die mit dem Lebenslauf nichts zu tun haben — die Entscheidung fiel an einer Anforderung, die im Inserat stand.
Umgekehrt gilt das für die Anstellungsform. Teilzeit gibt es dort, wo im Schichtbetrieb geplant wird: 15,3 Prozent der Pflegeinserate und 10,2 Prozent der Detailhandelsinserate sind ausdrücklich als Teilzeit ausgeschrieben. In IT und Engineering sind es 1,3 Prozent, im Bau 0,8 Prozent. Eine Teilzeitsuche in einem dieser beiden Felder trifft auf einen Ausschnitt, in dem hundert Bewerbungen kaum möglich sind, geschweige denn hundert passende.
Auch das Führungswort verteilt sich ungleich. 26,9 Prozent der IT-Inserate und 22,6 Prozent der Inserate aus Bank und Versicherung tragen eines im Titel, in der Pflege sind es 7,6 Prozent und im kaufmännischen Bereich 6,5 Prozent. Wer in einem senioritätslastigen Feld ohne Führungserfahrung sucht, verliert also nicht an einer verborgenen Bewertung, sondern an einem Wort, das im Titel steht und sich beim Filtern in einer Sekunde ausschliessen liesse.
Wenn es doch am Dokument liegt: die Nachweismatrix
Angenommen, du hast im richtigen Fünftel gesucht und trotzdem keine Einladung erhalten. Dann liegt es an deinen Unterlagen — aber fast nie an Stil, Schriftart oder Formulierungen. Es liegt daran, dass eine verlangte Bedingung im Dokument zwar vorhanden, aber nicht auffindbar war. Der Test dafür braucht kein Werkzeug, sondern zwei Spalten auf einem Blatt Papier.
Schreib links jede Bedingung, die das Inserat ausdrücklich verlangt — jede einzeln, in den Worten des Inserats. Schreib rechts die eine Zeile aus deinem Lebenslauf, die diese Bedingung belegt: Funktion, Fachgebiet, Zeitraum, Umfang. Eine leere Zelle rechts bedeutet, dass du diese Bedingung nicht erfüllst; das ist ein Auswahlproblem und kein Textproblem. Eine gefüllte Zelle, die auf Seite zwei oder im dritten Aufzählungspunkt einer Station steht, bedeutet, dass sie beim ersten Durchgang nicht gesehen wurde. Das ist das Dokumentproblem, und es ist reparierbar.
Mach das für drei Inserate, auf die du eine Absage erhalten hast. Das Muster zeigt sich fast immer als dieselbe leere oder dieselbe tief vergrabene Zeile — die Bewilligung, das Pensum, der Abschluss in Schweizer Bezeichnung, die Jahre im genannten Fachgebiet. Ein einzelnes Inserat verrät dieses Muster nicht; drei verraten es fast immer. Genau darum ist die Serie das Werkzeug und nicht das Einzelereignis.
Was dabei als Beleg zählt, ist enger, als die meisten annehmen. «Teamfähig» und «belastbar» belegen nichts, weil sie in jedem zweiten Dossier stehen und aus keinem überprüfbar sind. Eine Zeile, aus der Funktion, Fachgebiet, Zeitraum und Umfang hervorgehen, belegt dagegen sofort und ohne Rückfrage. Wenn du diese Prüfung nicht von Hand machen willst, nimmt dir unser CV-Check genau diesen Abgleich ab: ein Inserat, dein Lebenslauf, und die Liste der Bedingungen, zu denen im Dokument keine Zeile gehört.
Was du zuerst änderst, geordnet nach dem, was es einbringt
Die Reihenfolge ergibt sich direkt aus dem Trichter. Am meisten bringt das Sprachniveau, weil der erste Schnitt der grösste ist: 45,3 Prozent aller Inserate verlangen Deutsch auf Berufs- oder Muttersprachniveau, und dieser Teil des Markts öffnet sich erst mit dem Niveau, nicht mit einer besseren Formulierung. Das ist zugleich die teuerste Änderung, denn sie dauert Monate.
An zweiter Stelle steht die Aktualität. Nur 13,5 Prozent der aktiven Inserate sind höchstens eine Woche alt. Wer seine Suche so einrichtet, dass er die neuen Inserate zuerst sieht, verschiebt seine Bewerbungen in genau den Teil, in dem die engere Auswahl noch offen ist — ohne am Dossier eine Zeile zu ändern. Das ist die billigste wirksame Änderung im ganzen Vorgang und dauert einen Abend.
An dritter Stelle steht die Ehrlichkeit gegenüber dem Titel. Ein Führungswort im Titel ist keine Verhandlungsfrage, sondern eine Vorentscheidung, und es betrifft 18,1 Prozent des Bestands, in englischsprachigen Inseraten sogar 30,1 Prozent. Diese Inserate aus der eigenen Liste zu streichen kostet nichts und hebt den Anteil der Bewerbungen, in denen dein Lebenslauf überhaupt beurteilt wird.
Und zuletzt das Pensum: 5,5 Prozent Teilzeit im gesamten Bestand ist eine harte Zahl, aber sie ist berufsabhängig. In der Pflege liegt der Anteil bei 15,3 Prozent, im Detailhandel bei 10,2 Prozent, in IT und Bau unter zwei Prozent. Wer Teilzeit sucht, sucht in Wahrheit in einem anderen Markt — und tut gut daran, das von Anfang an als Auswahlkriterium zu behandeln statt als Verhandlungspunkt im Vorstellungsgespräch. Eine Absage ist in keinem dieser Fälle ein Urteil über dich. Sie ist meistens die Auskunft, dass eine Bedingung nicht erfüllt war, die im Inserat stand.
Alle Marktzahlen wurden am 23. August 2026 aus den zu diesem Zeitpunkt auf SwissJobs.app aktiven Inseraten ausgezählt. Die Sprache des Inserats und die verlangten Sprachen samt Niveau sind erfasste Felder, ebenso die Anstellungsform und das Ausschreibungsdatum; bei rund einem Zehntel der Inserate ist keine Anstellungsform hinterlegt, diese zählen im Trichter nicht als Vollzeit. «Auf Berufsniveau» meint die erfassten Stufen Professional und Native. Das Führungswort wird im Titel gesucht (Senior, Lead, Leiter, Leitung, Head, Responsable, Responsabile, Principal, Director, Direktor); Titel in anderer Schreibweise werden nicht erfasst, der wahre Anteil liegt also eher etwas höher. Die Berufsfelder werden über Stichwörter im Inseratstitel gebildet und überschneiden sich teilweise. Die Angaben zu Doppelnennungen beruhen auf identischem Titel und identischem Ort und können auch mehrere echte Vakanzen desselben Betriebs umfassen. Die Empfehlung, eine Übersicht über laufende Bewerbungen zu führen, stammt von arbeit.swiss (SECO).
Prüfe, wie dein Lebenslauf zu einer Stelle passt
Kostenlos: Sprachen, Bewilligung, Anforderungen und mehr — bewertet gegen ein konkretes Inserat.
ATS-Lebenslauf prüfen: gegen ein konkretes Inserat, kostenlosWarum bekomme ich nur Absagen?
Kurz gesagt
Eine Serie von Absagen ist zuerst eine Grössenordnung und erst danach ein Befund über dich. Die Zahlen des Bundes für den Juli 2026 verzeichnen rund fünf registrierte Stellensuchende auf jede offene Stelle, die bei den RAV gemeldet wurde. Die amtliche Abgangswahrscheinlichkeit in die Erwerbstätigkeit — Abmeldungen in die Erwerbstätigkeit geteilt durch die Arbeitslosen des Vormonats — lag im selben Monat bei 6,3 Prozent. Zehn Absagen sind in dieser Grössenordnung kein Ausreisser, sondern die übliche Form des Verfahrens. Verwertbar wird eine Serie erst, wenn du weisst, wer darin überhaupt entschieden hat.
Und genau das lässt sich zeigen. In unserem Bestand an offenen Schweizer Inseraten hängt die Zahl der möglichen Entscheider stark an der Sprache, in der ein Inserat geschrieben ist. Im deutschsprachigen Teil hält der grösste einzelne Inserent 5,5 Prozent, im englischsprachigen 5,7 Prozent — ein weites Feld aus vielen Adressaten. Im französischsprachigen Teil sind es 13,1 Prozent und im italienischsprachigen 37,7 Prozent. Wer sich ausschliesslich auf Italienisch bewirbt, richtet einen grossen Teil seiner Bewerbungen an sehr wenige Häuser, und eine Absage von dort wiegt entsprechend schwerer.
Diese Seite beantwortet deshalb eine andere Hälfte der Frage als ihre Nachbarfrage weiter oben. Dort geht es darum, ob deine Auswahl an Inseraten oder dein Dossier die wiederkehrende Ursache ist. Hier geht es um die Grössenordnung, in der eine Serie überhaupt gelesen werden darf, und um die Frage, an wen deine Bewerbungen tatsächlich gegangen sind. Beides zusammen ergibt erst eine Diagnose; einzeln führt jedes für sich in die Irre.
Anteil der offenen Inserate eines Sprachteils, der auf den grössten einzelnen Inserenten dieses Teils entfällt. Eigene Auszählung der offenen Schweizer Inserate auf SwissJobs.app, Stand 31. August 2026; berücksichtigt sind Inserate mit erkannter Sprache des Inseratstexts.
Was die amtlichen Zahlen als normal ausweisen
Das Staatssekretariat für Wirtschaft veröffentlicht monatlich «Die Lage auf dem Arbeitsmarkt». Die Ausgabe für den Juli 2026, publiziert am 6. August 2026, weist eine Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent und eine Stellensuchendenquote von 4,8 Prozent aus. Setzt man die registrierten Stellensuchenden ins Verhältnis zu den offenen Stellen, die im selben Monat bei den RAV gemeldet wurden, kommt man auf ungefähr fünf zu eins.
Diese Verhältniszahl ist ausdrücklich nicht die Zahl der Mitbewerberinnen und Mitbewerber pro Stelle. Den RAV gemeldet wird nur ein Teil des Marktes: 65,9 Prozent der gemeldeten Stellen unterliegen laut derselben Ausgabe der Meldepflicht, alles Übrige wird freiwillig gemeldet oder gar nicht. Die Zahl ist also keine Bewerberquote, sondern das einzige Verhältnis dieser Art, das der Bund selbst publiziert — und als Grössenordnung taugt sie.
Der zweite amtliche Wert ist präziser definiert und für eine Absageserie der aussagekräftigere. Die Abgangswahrscheinlichkeit in die Erwerbstätigkeit rechnet der Bund als Abmeldungen in die Erwerbstätigkeit geteilt durch die Arbeitslosen des Vormonats, mal hundert. Für den Juli 2026 ergibt das 6,3 Prozent: Etwa eine von sechzehn arbeitslos gemeldeten Personen meldet sich in einem Monat ab, weil sie eine Stelle antritt. Wer in vier Wochen zwölf Absagen zählt, bewegt sich damit nicht ausserhalb des Üblichen.
Die Hälfte der Abmeldungen führt nicht in eine Stelle
Die gleiche Tabelle enthält eine Zahl, die selten zitiert wird und den Optimismus der ersten dämpft. Von allen Abmeldungen aus der Arbeitslosigkeit im Juli 2026 entfielen 50,6 Prozent auf eine Erwerbstätigkeit und 49,4 Prozent auf die Rubrik «ohne Stelle». Rund die Hälfte der Menschen, die aus der Statistik verschwinden, verschwindet also nicht in einen Arbeitsvertrag, sondern in Ausbildung, Krankheit, Familienarbeit, Auswanderung, Pensionierung oder schlicht aus der Registrierung heraus.
Für die Frage nach den Absagen heisst das zweierlei. Erstens ist der Abgang aus der Statistik kein Mass für den Erfolg einer Stellensuche, und wer sich an fremden «Erfolgsquoten» misst, misst sich an einer Zahl, die zur Hälfte etwas anderes bedeutet. Zweitens ist die Langzeitarbeitslosigkeit kein Randphänomen: 16,7 Prozent aller Arbeitslosen waren im Juli 2026 langzeitarbeitslos gemeldet.
Beides zusammen ergibt den nüchternen Rahmen, in den eine persönliche Absageserie gehört. Sie ist weder ein Beweis dafür, dass etwas mit dir nicht stimmt, noch ein Grund, gar nichts zu ändern. Sie ist ein Zeitraum, über den man mit den richtigen Notizen etwas lernen kann — und ohne diese Notizen nichts.
Wer in deiner Serie entschieden hat, hängt an der Sprache
Das ist der Teil, den nur ein eigener Inseratsbestand zeigen kann. Wir haben am 31. August 2026 alle offenen Inserate nach der erkannten Sprache des Inseratstexts geteilt und in jedem Sprachteil ausgezählt, wie viel des Bestands auf die grössten Inserenten entfällt. Der deutschsprachige Teil umfasst 36,2 Prozent aller offenen Inserate, der englischsprachige 22,2 Prozent, der französischsprachige 10,1 Prozent und der italienischsprachige 1,7 Prozent.
Im deutschsprachigen Teil halten die zehn grössten Inserenten zusammen 19,2 Prozent, im englischsprachigen 17,2 Prozent. Im französischsprachigen sind es 35,3 Prozent, im italienischsprachigen 71,3 Prozent. Anders gesagt: Auf Deutsch oder Englisch verteilt sich eine Serie über viele verschiedene Adressaten. Auf Italienisch ist das arithmetisch kaum möglich — dort landet ein Grossteil der Bewerbungen bei denselben wenigen Häusern.
Die Gegenprobe stützt dasselbe Bild von der anderen Seite. Inserenten mit zehn oder mehr offenen Stellen decken im englischsprachigen Teil 44,5 Prozent ab, im deutschsprachigen 61,3, im französischsprachigen 56,0 und im italienischsprachigen 59,5 Prozent. Und der Anteil der Inserate, die von einem Haus mit genau einem einzigen offenen Inserat stammen, ist im englischsprachigen Teil mit 14,3 Prozent am höchsten, gegenüber 8,0 Prozent auf Deutsch.
Ein Wort zu einer benachbarten Zahl, damit keine Verwirrung entsteht: Die Frage weiter oben rechnet aus, dass auf die fünfzig grössten Inserenten 36 Prozent des Bestands entfallen. Sie misst den gesamten Bestand über alle Sprachen hinweg und zählt fünfzig Häuser. Die Zahlen hier teilen denselben Bestand zuerst nach der Sprache des Inserats auf und zählen zehn. Die beiden Messungen widersprechen sich nicht; sie haben weder dieselbe Grundlage noch dieselbe Anzahl Häuser.
Der grösste Inserent auf Französisch und Italienisch ist ein Personalverleiher
Hinter den beiden auffälligen Werten steht dasselbe Haus. Der grösste einzelne Inserent im französischsprachigen wie im italienischsprachigen Teil unseres Bestands ist Pemsa. Auf pemsa.ch beschreibt sich das Unternehmen am 31. August 2026 als «agence d’intérim» und «agence de placement» für die technischen Berufe von Bau, Gebäudetechnik, Elektro und Industrie, mit eigenen Filialen unter anderem in Basel, Biel, Freiburg, Bulle, Genf, Lausanne, Martigny, Bellinzona, Locarno und Lugano.
Die Inserate sind dabei keine Wiederholungen desselben Textes: Die italienischsprachigen Ausschreibungen dieses Hauses tragen 66 verschiedene Stellentitel an 15 Tessiner Orten. Über den gesamten Bestand hinweg macht dieser eine Inserent 2,3 Prozent aus — seine Sichtbarkeit entsteht nicht daraus, dass er gross ist, sondern daraus, dass er in den kleinen Sprachteilen des Marktes stark vertreten ist.
Das ergänzt eine Zahl, die auf einer anderen Seite dieses Bereichs schon steht: Dort haben wir ausgezählt, dass 12,0 Prozent aller offenen Inserate von einem Vermittler oder Verleiher stammen und 88,0 Prozent direkt vom Arbeitgeber. Das ist der Anteil über den ganzen Bestand. Die Zahlen hier sind ein anderer Schnitt durch dieselbe Wirklichkeit: nicht alle Vermittler über alles, sondern ein einzelnes Haus innerhalb eines Sprachteils.
Was eine Absage von einem Verleiher bedeutet — und was nicht
Wer regelmässig und gegen Entgelt Stellensuchende und Arbeitgeber zusammenführt, braucht nach dem Arbeitsvermittlungsgesetz eine Betriebsbewilligung des kantonalen Arbeitsamtes; für den Personalverleih gilt dasselbe. Das ist kein Detail für Juristen, sondern der Grund, warum eine Absage aus dieser Richtung eine andere Bedeutung hat als eine Absage vom Betrieb selbst.
Ein Verleiher entscheidet gegen ein Mandat, nicht gegen eine Person. Passt dein Profil nicht auf den Einsatz, der gerade zu besetzen ist, endet es dort — dein Dossier bleibt aber in aller Regel für den nächsten Einsatz im Haus. Eine zweite Absage vom selben Haus ist deshalb oft keine zweite Beurteilung deiner Unterlagen, sondern dieselbe Einschätzung, angewandt auf ein weiteres Mandat.
Praktisch heisst das: Zähl in deiner Serie die Adressaten und nicht die Bewerbungen. Fünf Absagen von drei Häusern sind drei Entscheide. Und wenn zwei davon Verleiher sind, ist der Anteil der Serie, in dem ein Arbeitgeber dein Dossier überhaupt gesehen hat, kleiner, als die Zahl der verschickten Bewerbungen vermuten lässt.
Was den Kreis der Entscheider tatsächlich vergrössert
Wir haben geprüft, was sich am Kreis der möglichen Adressaten ändert, wenn man den Suchraum öffnet. Dafür haben wir je Berufsfeld und Kanton gezählt, wie viele verschiedene Inserenten in den letzten dreissig Tagen mindestens ein Inserat veröffentlicht haben — einmal im Kanton allein, einmal im Kanton zusammen mit seinen Nachbarkantonen. Über 55 auswertbare Ausschnitte hinweg liegt der Faktor im Median bei 2,8.
Die Wirkung ist stark berufsabhängig, und das ist die eigentliche Auskunft. In Verkauf und Gastronomie liegt der Median bei 5,8, in kaufmännischen Berufen und Finanzen bei 5,0, in IT und Technik bei 4,9. In Gesundheit und Pflege sind es 2,6, im Bau und Handwerk 1,7, in Bildung und Soziales 1,6, in Logistik und Transport 1,5. Wer in einem der letzten vier Felder sucht, gewinnt durch den Nachbarkanton wenig — dort sitzen dieselben oder ähnlich wenige Häuser.
Der Faktor ist am grössten für kleine Kantone neben grossen. Ein Ausschnitt in Thurgau, Schaffhausen, Zug oder Solothurn öffnet sich gegen Zürich oder Aargau um ein Vielfaches; ein Ausschnitt, der Zürich schon enthält, gewinnt vergleichsweise wenig dazu. Und ein Weg von einer Stunde ist ein realer Preis, der in keiner dieser Zahlen steckt.
Drei Felder, die du an den nächsten zehn Absagen festhältst
Damit die Serie lesbar wird, braucht es pro Bewerbung nur drei Notizen, und keine davon betrifft dein Dokument. Erstens: An wen ging sie — an den Betrieb selbst, an einen Vermittler oder Verleiher, an eine öffentliche Verwaltung? Zweitens: In welcher Sprache war das Inserat geschrieben? Drittens: An welcher Stelle kam das Nein — vor jeder Rückfrage, nach einem Telefonat, nach einem Gespräch?
Diese drei Felder trennen Fälle, die sich identisch anfühlen. Zehn Absagen, alle vor jeder Rückfrage und alle an dieselben zwei Häuser, sind zwei Entscheide und ein Auswahlproblem. Zehn Absagen von zehn verschiedenen Arbeitgebern, davon vier nach einem Gespräch, sind zehn Entscheide, und das Gewicht verschiebt sich vom Dossier auf das Gespräch.
Für die vierte Frage — ob es am Dokument liegt und woran genau — steht die Nachweismatrix auf der Nachbarfrage dieser Seite, und wie viele Bewerbungen es überhaupt braucht, bis eine Verbesserung belegt ist, rechnet die Frage «Wie messe ich, ob mein CV besser wurde?» vor. Was du rechtlich nach einer Absage verlangen kannst, steht bei «Was mache ich nach einer Absage?». Diese Seite hört bewusst dort auf, wo jene beginnen.
Wo diese Zahlen aufhören
Die Sprachanteile beziehen sich auf die Inserate, bei denen wir eine Sprache des Inseratstexts erkennen; das sind rund sieben von zehn offenen Inseraten. Der italienischsprachige Teil ist mit 1,7 Prozent des Bestands klein, und Prozentwerte auf einer kleinen Grundlage schwanken stärker — sie beschreiben die Struktur zuverlässig, die zweite Nachkommastelle wäre erfunden.
Die Zuordnung eines Inserats zu einem Inserenten läuft über den Namen, wie er im Inserat steht. Schreibweisen desselben Hauses werden zusammengeführt, Tochtergesellschaften unter eigenem Namen nicht — der ausgewiesene Anteil der grössten Inserenten ist deshalb eher eine Untergrenze. Und wer sich in mehreren Sprachen bewirbt, bewegt sich ohnehin in mehreren dieser Teile gleichzeitig.
Die amtlichen Werte stammen aus einer einzigen Monatsausgabe. Sie schwanken saisonal, und der Bund weist daneben saisonbereinigte Reihen aus. Wer die Grössenordnung für den eigenen Kanton oder Beruf genauer haben will, findet die Reihen in der interaktiven Datenbank des SECO; für die persönliche Lage bleibt das RAV die zuständige Auskunft.
Amtliche Werte aus «Die Lage auf dem Arbeitsmarkt», Ausgabe Juli 2026 des Staatssekretariats für Wirtschaft, publiziert am 6. August 2026: Arbeitslosenquote 3,0 Prozent, Stellensuchendenquote 4,8 Prozent, Anteil der meldepflichtigen unter den gemeldeten offenen Stellen 65,9 Prozent, Anteil der Langzeitarbeitslosen an den Arbeitslosen 16,7 Prozent. Das Verhältnis von rund fünf registrierten Stellensuchenden je gemeldete offene Stelle und die Abgangswahrscheinlichkeit von 6,3 Prozent sind aus den Werten derselben Ausgabe gerechnet; die Formel für die Abgangswahrscheinlichkeit — Abmeldungen in die Erwerbstätigkeit geteilt durch die Arbeitslosen des Vormonats, mal hundert — steht in der Ausgabe selbst. Die Aufteilung der Abmeldungen auf «in die Erwerbstätigkeit» und «ohne Stelle» stammt aus derselben Tabelle. Die Marktzahlen sind eine eigene Auszählung der am 31. August 2026 offenen Inserate auf SwissJobs.app; wir veröffentlichen Anteile, nie Bestandeszahlen. Der Sprachteil eines Inserats ist die erkannte Sprache des Inseratstexts, erfasst bei rund sieben von zehn offenen Inseraten. Berufsfelder werden über Stichwörter im Stellentitel gebildet und überschneiden sich teilweise; der Vergleich Kanton gegen Kanton mit Nachbarkantonen umfasst 55 Ausschnitte mit mindestens zehn Inseraten aus den letzten dreissig Tagen. Die Selbstbeschreibung von Pemsa wurde am 31. August 2026 auf pemsa.ch gelesen.
Prüfe, wie dein Lebenslauf zu einer Stelle passt
Kostenlos: Sprachen, Bewilligung, Anforderungen und mehr — bewertet gegen ein konkretes Inserat.
ATS-Lebenslauf prüfen: gegen ein konkretes Inserat, kostenlosQuellen
- arbeit.swiss (SECO) — Bewerbungstipps: systematische Stellensuche, Übersicht über versendete Bewerbungen und offene Rückmeldungen
- berufsberatung.ch (SDBB) — Bewerbung erstellen und verschicken
- SECO — Die Lage auf dem Arbeitsmarkt, Juli 2026 (PDF)
- SECO — Arbeitsmarktstatistik und interaktive Datenbank (amstat)
- SECO — Private Arbeitsvermittlung und Personalverleih
- Pemsa — Selbstbeschreibung als Vermittlungs- und Verleihbetrieb
Verwandte Fragen
Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%