Motivationsschreiben Schweiz: wer es noch verlangt – und wer stillschweigend darauf verzichtet
Eine Frage hat mich heute Morgen beschäftigt: Wie oft verlangt ein Schweizer Stelleninserat eigentlich ein Motivationsschreiben? Nicht wie oft ein Ratgeber das behauptet – wie oft es der Arbeitgeber selber hinschreibt, dort wo es zählt.
Rund vier von hundert.
Das hat mich ehrlich gesagt umgehauen. Ich habe in der Sek gelernt, dass eine Bewerbungsmappe ohne Motivationsschreiben unvollständig ist, und ich habe seither mehr davon geschrieben, als mir lieb ist. Bevor du jetzt die Vorlage löschst: lies den zweiten Teil. Nicht verlangt und nicht erwartet sind zwei verschiedene Sätze, und genau dazwischen fallen die Leute durch.
Kurzfassung
- Braucht man in der Schweiz ein Motivationsschreiben?
- Meistens nicht – rund 4 Prozent der Schweizer Stelleninserate verlangen ausdrücklich eines. Bei öffentlichen Arbeitgebern wie Kanton, Stadt, Spital oder Schule sind es etwa 7 Prozent, bei französischsprachigen Inseraten rund 8. Lies also zuerst das Inserat, bevor du entscheidest.
- Was bedeutet 'vollständige Bewerbungsunterlagen'?
- Lebenslauf, Motivationsschreiben, Diplome und Arbeitszeugnisse. Das ist die stille Variante der Aufforderung: Das Inserat nennt kein Schreiben, erwartet aber eines. Zählt man diese Formulierung dazu, steigt der Anteil der Inserate, die mehr als einen Lebenslauf wollen, von rund 4 auf rund 5 Prozent.
- Motivationsschreiben oder Bewerbungsschreiben – was ist der Unterschied?
- Praktisch keiner mehr. Wenn ein deutschsprachiges Schweizer Inserat überhaupt ein Schreiben verlangt, nennt es das in etwa neun von zehn Fällen Motivationsschreiben. Anschreiben und Bewerbungsschreiben sind der kleine Rest, Begleitschreiben ist so gut wie ausgestorben.
- Welche Arbeitgeber verlangen noch ein Motivationsschreiben?
- Vor allem der öffentliche und halböffentliche Sektor: Kantons- und Stadtverwaltungen, Spitäler, Schulen und Universitäten fragen etwa doppelt so oft danach wie private Firmen. Nach Berufen führen Gastronomie und Baugewerbe, am seltensten fragen IT, Technik und Finanzbereich.
- Wie lang soll ein Motivationsschreiben sein?
- Eine halbe Seite, vier Absätze. Und nur Dinge, die im Lebenslauf nicht stehen können: Bewilligung, Kündigungsfrist, ein konkreter Grund für genau diesen Arbeitgeber. Ein Schreiben, das den Lebenslauf in ganzen Sätzen wiederholt, ist schlechter als gar keines.
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ATS-Lebenslauf prüfen, kostenlosWie viele Schweizer Inserate verlangen überhaupt ein Motivationsschreiben?
Rund 4 Prozent der Schweizer Stelleninserate nennen überhaupt ein Schreiben – und deutschsprachige Inserate liegen genau in diesem Schnitt.
Der interessante Unterschied ist nicht geografisch, sondern sprachlich. Was am besten vorhersagt, ob ein Inserat ein Schreiben verlangt, ist die Sprache, in der es geschrieben ist.
Französischsprachige Inserate fragen etwa doppelt so oft danach wie deutschsprachige. Englischsprachige noch seltener, italienischsprachige fast nie. Wenn du dich also in der Deutschschweiz bewirbst und dabei das Gefühl hast, alle anderen würden ein Schreiben mitschicken: die Inserate geben das nicht her.
Und ja, mich stört daran etwas. Wir bringen in der Schule allen bei, dass es Pflicht ist, und der Arbeitsmarkt hat das seit Jahren nicht mehr bestätigt. Das kostet jeden Bewerber pro Bewerbung eine Stunde, die anderswo besser aufgehoben wäre.
Gemessen an Schweizer Stelleninseraten auf SwissJobs.app, August 2026
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Lebenslauf mit KI erstellen: für diese StelleMotivationsschreiben, Anschreiben oder Bewerbungsschreiben – was steht wirklich da?
Verlangt ein deutschsprachiges Inserat ein Schreiben, heisst es in fast neun von zehn Fällen Motivationsschreiben – der Rest verteilt sich auf Anschreiben und Bewerbungsschreiben.
Das ist eine dieser Kleinigkeiten, die praktisch relevant sind. Wenn du deine Datei benennst oder in der E-Mail darauf verweist, nimm das Wort, das im Inserat steht. Nicht aus Prinzip, sondern weil es beim Durchsehen sofort erkennbar ist.
Anschreiben ist übrigens der deutsche Import und in Schweizer Inseraten die Ausnahme. Begleitschreiben taucht praktisch nicht mehr auf – ich habe im ganzen Bestand eine Handvoll gefunden. Wer diesen Begriff noch in seiner Vorlage stehen hat, verrät damit vor allem, wie alt die Vorlage ist.
Kurz: eine Datei, benannt wie im Inserat, im PDF gleich hinter dem Lebenslauf. Keine drei Varianten, keine kreative Bezeichnung.
Anteil der deutschsprachigen Inserate mit Schreiben-Aufforderung, SwissJobs.app, August 2026
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ATS-Lebenslauf prüfen, kostenlosWas heisst 'vollständige Bewerbungsunterlagen' im Klartext?
Lebenslauf, Schreiben, Diplome, Arbeitszeugnisse – die Formulierung nennt kein Motivationsschreiben und meint trotzdem eines.
Neben der direkten Aufforderung läuft eine zweite Formulierung durch die Inserate: vollständige Bewerbungsunterlagen. Auf Französisch dossier de candidature complet. Kein Wort von einem Schreiben, und trotzdem weiss jeder über dreissig genau, was gemeint ist.
Zählt man das dazu, steigt der Anteil der Inserate, die mehr als einen Lebenslauf wollen, von rund 4 auf rund 5 Prozent – bei französischsprachigen Inseraten sogar auf etwa jedes zehnte. Ein welsches Inserat hat es sauber aufgelistet: CV, lettre de motivation, diplôme, certificats de travail, pièce d'identité. Fünf Dokumente, keine Auslegungsfrage.
Es geht aber auch in die andere Richtung, und dieser Teil gefällt mir. Von den Inseraten, die ein Schreiben überhaupt erwähnen, erwähnt es etwa jedes zwölfte nur, um dir zu sagen, dass du keines brauchst. 'Wir freuen uns auf deine Onlinebewerbung – auch ohne Bewerbungsschreiben.' Ein Hersteller schrieb sinngemäss, die grösste Motivation sei, dass du dabei sein willst, und verzichte deshalb ganz darauf.
Arbeitgeber konkurrieren inzwischen um Bewerber, indem sie Arbeit aus der Bewerbung nehmen. Ich würde darauf wetten, dass das so weitergeht.
Gemessen an Schweizer Stelleninseraten auf SwissJobs.app, August 2026
Wer verlangt es trotzdem – und in welchen Berufen?
Öffentliche Arbeitgeber fragen etwa doppelt so oft wie private – und in der Küche und auf dem Bau wird häufiger danach gefragt als in der Bank oder in der IT.
Hätte mich jemand raten lassen, hätte ich auf die Bürojobs getippt. Beratung, Bank, alles mit Sitzungszimmer. Falsch, und zwar deutlich.
Technik- und IT-Stellen fragen am seltensten von allen Gruppen, die ich angeschaut habe. Der Finanzbereich noch seltener. Am häufigsten fragen Gastronomie und Küche, dann das Baugewerbe, dann Verkauf.
Sobald man es sieht, ergibt es Sinn. Eine Softwarefirma sammelt Bewerbungen über ein Formular mit Pflichtfeldern und will deine Prosa gar nicht. Eine Gemeinde hat einen Ablauf, der seit 1994 funktioniert, und keinen Grund, ihn zu ändern. Und ein Wirt, der nach Feierabend Bewerbungen liest, will wissen, ob du bei ihm arbeiten willst oder einfach irgendeinen Job brauchst – dafür gibt es kein Pflichtfeld.
Öffentliche und halböffentliche Arbeitgeber – Kanton, Stadt, Spital, Universität, Schule – liegen bei rund 7 Prozent gegenüber etwa 3 bis 4 Prozent bei allen anderen. Wenn du dich bei einer Verwaltung bewirbst, schreib das Schreiben. Mit einer Institution diskutiert man das nicht aus.
Gemessen an Schweizer Stelleninseraten auf SwissJobs.app, August 2026
Was wollen Schweizer Arbeitgeber stattdessen?
Papier. Von den Inseraten, die ein Schreiben verlangen, wollen rund ein Drittel zusätzlich Diplome und rund ein Drittel Arbeitszeugnisse.
Das ist das eigentliche Schweizer Dossier, und es ist der Teil, den man unterschätzt, weil er langweilig ist. Arbeitszeugnisse einsammeln macht keinen Spass. Sie fehlen zu lassen kostet dich die Runde, ohne dass es dir jemand sagt – nachgefragt wird selten, aussortiert schon.
Das Foto ist als geschriebene Anforderung dagegen so gut wie tot: weniger als ein Inserat von hundert verlangt eines. Auf dem Lebenslauf ist es weiterhin Konvention, ich setze meines auch drauf, aber im Text steht es kaum noch.
Wenn du also vor dem Absenden eine Stunde übrig hast: scanne Diplome und Zeugnisse sauber in ein PDF, statt den dritten Absatz über deine Begeisterung für die Marke zu schleifen. Das eine wird angeschaut, das andere meistens nicht.
Unter den Inseraten, die ein Schreiben verlangen. SwissJobs.app, August 2026
Schreibst du jetzt eins oder nicht?
Schreib ein kurzes, wenn das Inserat danach fragt, wenn der Arbeitgeber öffentlich ist, oder wenn du etwas erklären musst, das im Lebenslauf nicht Platz hat.
Meine Faustregel: eine halbe Seite, vier Absätze, und nur, wenn drinsteht, was im Lebenslauf nicht steht. Ein Schreiben, das den Lebenslauf in ganzen Sätzen nacherzählt, ist schlechter als keines – es beweist, dass du nichts zu ergänzen hattest und trotzdem gesendet hast.
Was gehört rein? Kündigungsfrist, Bewilligung falls relevant, Pensum falls du nicht 100 Prozent suchst, ein Satz zu einer Lücke, und ein konkreter Grund für genau diesen Betrieb. Konkret heisst: etwas, das du nicht auch über die Konkurrenz schreiben könntest.
Und wenn du in der Deutschschweiz bist und dich in der Romandie bewirbst: dort ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch, dass eines erwartet wird, auch wenn es nicht dasteht. Umgekehrt gilt das genauso – welsche Bewerber schicken der Deutschschweiz oft ein Schreiben, das niemand verlangt hat. Schadet nicht. Nützt aber auch weniger, als man denkt.
Ach ja: in der Sprache des Inserats. Ein deutschsprachiges Inserat auf Englisch beantwortet sagt der Personalabteilung etwas über dich, bevor sie ein Wort von deiner Begründung gelesen hat.
Womit ich arbeiten würde
Drei davon sind von uns, eines nicht. Ehrliche Reihenfolge: zuerst den Lebenslauf, dann das Schreiben.
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Die unbequeme Schlussfolgerung nach einem Morgen Zählen: Wenn du keine Antworten bekommst, liegt es fast sicher nicht am Motivationsschreiben. Etwa sechsundneunzig von hundert Inseraten haben nie eines verlangt.
Verlangt wird stattdessen – stillschweigend – ein Lebenslauf, der dreissig Sekunden Überfliegen übersteht: Bewilligung sichtbar, Sprachen mit Niveau, Wohnort, und die letzten zwei Stellen ohne Anstrengung lesbar. Dort passiert die Vorselektion. Das zu reparieren ist weniger befriedigend als ein Schreiben umzuschreiben, und genau deshalb machen es so wenige.
Die Zahlen sind an Schweizer Stelleninseraten auf SwissJobs.app im August 2026 gemessen. Sie verschieben sich mit der Zeit. Die Richtung nicht.
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