Ich bewerbe mich in einer anderen Region der Schweiz — was schreibe ich in den Lebenslauf, wenn ich noch nicht dort wohne?
Aktualisiert:
Kurz gesagt
Schreib nicht, dass du umziehen würdest, sondern wie du am Arbeitsort ankommst. Eine Zeile oben im Lebenslauf, mit Wohnort, Arbeitsweg und Verfügbarkeitsdatum: «Wohnhaft in Solothurn, Arbeitsweg nach Bern rund 35 Minuten, verfügbar ab 1. November.» Damit beantwortest du die einzige Frage, die dein Wohnort auslöst — ob du zuverlässig da bist. Pendeln ist in der Schweiz der Normalfall: Laut Bundesamt für Statistik arbeiteten 71 Prozent der Pendelnden ausserhalb ihrer Wohngemeinde, bei durchschnittlich 14 Kilometern und gut 30 Minuten pro Weg.
Der Grund, warum diese Zeile überhaupt nötig ist, steht in der Verteilung der Inserate. Die offenen Stellen liegen nicht dort, wo die Leute wohnen. Von den aktuell auf SwissJobs.app offenen Inseraten entfallen 16,6 Prozent allein auf Zürich, und die zehn grössten Arbeitsorte zusammen halten rund die Hälfte aller Inserate. Umgekehrt haben 61,5 Prozent aller genannten Orte weniger als fünf offene Inserate — alle diese Orte zusammen kommen auf 5,7 Prozent des Marktes.
Wer in einer kleinen Gemeinde wohnt, sucht deshalb fast zwangsläufig ausserhalb, und das ist keine Ausnahme, sondern die übliche Ausgangslage. Der Fehler ist nicht der weite Weg. Der Fehler ist, ihn im Dossier offenzulassen, sodass die Person, die zwanzig Bewerbungen sortiert, selber rechnen muss — und im Zweifel nicht rechnet.
Und die zweite Entscheidung, die mit dem Ort fällt, ist die Sprache. Sie steht in keinem Ratgeber, weil man sie nur sieht, wenn man die Inserate auszählt: In Zürich sind 37,0 Prozent der Inserate auf Englisch geschrieben, in Solothurn 9,2 Prozent und in Bern 5,9 Prozent. Der Ort, für den du dich entscheidest, entscheidet mit, in welcher Sprache du überhaupt bewerbungsfähig bist.
Anteil an allen offenen Inseraten auf SwissJobs.app, ausgezählt am 6. September 2026. Lehrstellen und Praktika ausgeschlossen.
- Eine Zeile, drei Angaben: Wohnort (Gemeinde, nicht «Schweiz»), ungefährer Arbeitsweg in Minuten, Datum der Verfügbarkeit. Sie gehört in den Kopf des Lebenslaufs, nicht in den letzten Absatz des Motivationsschreibens.
- Konzentration: 16,6 Prozent der offenen Inserate nennen Zürich als Arbeitsort, 8,4 Prozent Bern, 6,0 Prozent Genf, 5,4 Prozent Basel, 3,2 Prozent Luzern. Die zehn grössten Arbeitsorte halten zusammen rund die Hälfte.
- Der lange Schwanz ist wirklich lang: 61,5 Prozent aller genannten Arbeitsorte haben weniger als fünf offene Inserate, und alle zusammen machen 5,7 Prozent des Marktes aus.
- Home Office ist kein Ersatz für Nähe: nur 5,3 Prozent der Inserate erwähnen Home Office, Remote- oder hybrides Arbeiten überhaupt.
- Die Sprache des Inserats wechselt mit dem Ort: Zürich 42,6 Prozent Deutsch und 37,0 Prozent Englisch, Bern 60,4 Prozent Deutsch und 5,9 Prozent Englisch, Genf 42,5 Prozent Englisch und 36,8 Prozent Französisch, Lugano 45,3 Prozent Italienisch.
Wo die Stellen wirklich stehen — und warum das dein Problem ist
Die Schweiz hat gut zweitausend Gemeinden und einen Stellenmarkt, der sich auf ein paar Dutzend Orte konzentriert. In den offenen Inseraten auf SwissJobs.app nennen 97,8 Prozent einen konkreten Arbeitsort, 2,0 Prozent nur «Schweiz» oder «Remote». Von den Inseraten mit konkretem Ort entfallen 17,0 Prozent auf Zürich, 31,8 Prozent auf die drei grössten Orte zusammen und 50,2 Prozent auf die zehn grössten.
Die Gegenseite dieser Zahl ist die interessantere. Rund tausend verschiedene Orte kommen als Arbeitsort überhaupt vor, aber 61,5 Prozent von ihnen haben weniger als fünf offene Inserate, und ein Drittel hat genau eines. Alle diese Orte zusammen halten 5,7 Prozent des Marktes. Wer in einem Dorf wohnt und «Stellen in der Nähe» sucht, sucht also nicht in einem kleinen Markt — er sucht in fast keinem.
Daraus folgt nichts Dramatisches, sondern etwas sehr Praktisches: Deine Suche ist von Anfang an eine Suche über die Gemeindegrenze hinaus. Der Lebenslauf muss das nicht entschuldigen. Er muss es nur so schreiben, dass niemand nachrechnen muss.
Pendeln ist der Normalfall — der Umzug ist die Ausnahme
Das ist der Punkt, an dem viele Bewerbungen zu viel versprechen. Wer aus einer anderen Region schreibt, bietet oft sofort einen Umzug an, weil der weite Weg wie ein Nachteil aussieht. Die Zahlen des Bundesamts für Statistik sagen etwas anderes: Im Erhebungsjahr 2024 waren 8 von 10 Erwerbstätigen Pendlerinnen und Pendler, und 71 Prozent von ihnen arbeiteten ausserhalb ihrer Wohngemeinde — deutlich mehr als noch vor drei Jahrzehnten, als es 58 Prozent waren.
Die Wege sind dabei kürzer, als das Wort «Pendeln» vermuten lässt: Im Durchschnitt legen Arbeitspendlerinnen und -pendler 14,0 Kilometer pro Weg zurück und brauchen dafür 30,2 Minuten. 49 Prozent fahren mit dem Auto, 31 Prozent mit dem öffentlichen Verkehr. Für die Person, die dein Dossier liest, ist ein Arbeitsweg von einer halben Stunde also keine Besonderheit, sondern der Durchschnitt ihrer eigenen Belegschaft.
Das dreht die Argumentation um. Du musst nicht beweisen, dass du bereit bist umzuziehen. Du musst zeigen, dass dein Arbeitsweg funktioniert — und wenn er 35 Minuten dauert, ist er unauffällig. Erst wenn er deutlich über einer Stunde liegt, wird er zur Frage, und dann gehört die Antwort ausdrücklich ins Dossier statt in die Hoffnung.
Die Adresszeile: was genau hineingehört
Schreib die Gemeinde und den Kanton, nicht das Land. «Schweiz» sagt nichts, «Solothurn SO» sagt alles, was in den ersten Sekunden gebraucht wird. Wenn du eine Bewilligung hast, steht sie in derselben Zeile: Bewilligung B, C oder G, oder «EU/EFTA, keine Bewilligung nötig». Diese beiden Angaben werden zusammen gelesen, weil sie zusammen die Frage beantworten, ob eine Anstellung Papierkram auslöst.
Dann der Arbeitsweg, in Minuten, mit dem Verkehrsmittel, wenn es hilft: «Arbeitsweg nach Bern rund 35 Minuten mit dem Zug.» Das ist eine überprüfbare Angabe, keine Absichtserklärung. Wer sie liest, kann sie in zehn Sekunden im Fahrplan kontrollieren, und genau das macht sie glaubwürdig.
Und wenn der Umzug tatsächlich feststeht, dann als Termin und nicht als Wunsch: «Umzug in die Region Bern per 1. November, ab dann vor Ort.» Ein Datum ist eine Zusage. «Ich wäre bereit umzuziehen» ist keine, und wird auch nicht als solche gelesen — es ist die Formulierung, die dem Lesenden die ganze Unsicherheit zurückgibt.
Was nicht in diese Zeile gehört: Gründe. Warum du in dieses Dorf gezogen bist, warum du weg willst, wie die Wohnungssuche läuft — das ist Gesprächsstoff für das Interview und Ballast für die erste Seite.
Mit dem Ort wechselt die Sprache des Inserats
Das ist die Zahl, die am wenigsten irgendwo steht und am meisten entscheidet. Über alle offenen Inserate sind 41,7 Prozent auf Deutsch geschrieben, 20,9 Prozent auf Englisch, 10,8 Prozent auf Französisch und 1,9 Prozent auf Italienisch; beim Rest ist die Sprache nicht bestimmt.
Nach Arbeitsort auseinandergenommen sieht das sehr unterschiedlich aus. In Zürich sind 42,6 Prozent der Inserate auf Deutsch und 37,0 Prozent auf Englisch. In Bern sind es 60,4 Prozent Deutsch und 5,9 Prozent Englisch. In Winterthur 78,2 Prozent Deutsch und 6,5 Prozent Englisch, in Solothurn 69,8 Prozent Deutsch und 9,2 Prozent Englisch. In Genf kippt es ganz: 42,5 Prozent Englisch, 36,8 Prozent Französisch, 1,0 Prozent Deutsch.
Für die Wahl der Region heisst das etwas sehr Konkretes: Wer auf Englisch arbeitet, hat in Zürich, Genf, Zug und Basel einen Markt und in Bern oder Winterthur praktisch keinen — dieselbe Qualifikation, dieselbe Bewerbung, ein Bruchteil der Inserate. Umgekehrt lohnt es sich, die Sprachanforderung vor dem Wohnort zu prüfen: 66,2 Prozent aller Inserate nennen überhaupt eine Sprachanforderung, und davon verlangen 65,8 Prozent Deutsch, 45,0 Prozent Englisch, 22,1 Prozent Französisch und 3,8 Prozent Italienisch.
Home Office löst das Problem meistens nicht
Der naheliegende Ausweg — am Wohnort bleiben und remote arbeiten — steht seltener zur Verfügung, als die Diskussion darüber vermuten lässt. Home Office, Remote- oder hybrides Arbeiten kommt in 5,3 Prozent der offenen Inserate überhaupt vor. Das ist kein Urteil darüber, wie oft im Alltag tatsächlich zu Hause gearbeitet wird; es ist die Häufigkeit, mit der es im Text der Ausschreibung als Bedingung oder Angebot auftaucht.
Zwei Folgerungen. Erstens: Ein Filter auf «Home Office» reduziert deine Liste auf einen kleinen Rest und blendet Stellen aus, die die Möglichkeit einfach nicht erwähnen. Zweitens: Wenn Home Office für dich entscheidend ist, gehört die Frage ins Erstgespräch und nicht in die Suchmaske — dort kostet sie dich nichts, hier kostet sie dich neunzehn von zwanzig Inseraten.
Auch Umzugshilfe ist selten und taugt aus demselben Grund nicht als Suchkriterium; wie selten genau, und was die Treffer sonst noch bedeuten, steht auf unserer Seite zu Stellen mit Umzugshilfe.
Was du diese Woche tun kannst
Erstens: Nimm eine Landkarte und einen Fahrplan und leg fest, welche Orte für dich in 45 Minuten erreichbar sind. Das ist deine Zielliste, und sie ist normalerweise grösser als gedacht, weil das Schweizer Netz dicht ist. Sortiere sie nach der Zahl der Inserate, nicht nach Sympathie.
Zweitens: Setz die Adresszeile in den Lebenslauf, mit Gemeinde, Bewilligung, Arbeitsweg und Datum. Eine Zeile, oben, vor allem anderen.
Drittens: Prüf pro Zielort die Sprache der Inserate, bevor du dich auf eine Region festlegst. Es ist der billigste Filter, den es gibt, und er verhindert zwei Monate Bewerbungen in einen Markt hinein, der in einer Sprache arbeitet, die du nicht anbietest.
Viertens: Schreib den Lebenslauf pro Inserat und nicht pro Region. Die Inserate stehen im Median einen Monat offen, das heisst, es kommt weniger auf Tempo an als darauf, dass die Bewerbung zum Text der Ausschreibung passt — Aufgaben, Pensum, Sprache, Ort. Genau dafür ist unser Lebenslauf-Editor gebaut.
Eigene Auszählung über die am 6. September 2026 auf SwissJobs.app offenen Inserate (Stand des Index: 5. September 2026); Lehrstellen und Praktika ausgeschlossen, Anteile in Prozent statt absoluter Zahlen. Pendlerzahlen: Bundesamt für Statistik, Pendlermobilität, Erhebungsjahr 2024, gelesen am 6. September 2026.
Quellen
Verwandte Fragen
Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%