Wie beginne ich ein Motivationsschreiben?
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Kurz gesagt
Nicht mit «Hiermit bewerbe ich mich». Der Anfang besteht in der Schweiz aus drei Teilen, und nur der dritte ist ein Satz: Betreffzeile, Anrede, Einstiegssatz. Die amtliche Vorlage von berufsberatung.ch verlangt im Betreff die Berufsbezeichnung genau so, wie sie im Inserat steht. Genau dort beginnt die Arbeit: 45 Prozent der deutschsprachigen Inserate in unserem Bestand tragen eine Geschlechtsklammer im Titel, 29,1 Prozent ein Pensum. Das eine streichst du, das andere behältst du.
Die Betreffzeile ist die erste Zeile, die gelesen wird, und die einzige, deren Wortlaut dir vorgegeben ist. 62,7 Prozent der deutschsprachigen Titel lassen sich nicht unverändert übernehmen, weil eine Geschlechtsklammer, ein Pensum oder beides darin steht. Der mittlere deutschsprachige Titel misst 41 Zeichen; nach dem Streichen der Klammer bleiben rund 35. Aus «Produktingenieur Elektronik (m/w/d) 80-100%» wird «Bewerbung als Produktingenieur Elektronik, 80–100 Prozent».
Danach die Anrede — mit Namen, wenn das Inserat einen nennt, sonst «Sehr geehrte Damen und Herren». Und dann der eine Satz, der den Anfang trägt: Stelle mit dem Titel aus dem Inserat, Pensum, frühester Eintritt, und woher du das Inserat hast. Die letzte Angabe steht in der amtlichen Vorlage ausdrücklich drin, und sie ist keine Höflichkeitsfloskel. Die Bewerbungswege sind zersplittert: Die häufigste Zieladresse nimmt 10,6 Prozent aller Inserate, die zehn häufigsten zusammen 32 Prozent, und 45,1 Prozent aller Zieladressen kommen genau einmal vor.
Gemessen an den aktiven deutschsprachigen Inseraten auf SwissJobs.app, Stand 22. August 2026. Geschlechtsklammer meint (m/w/d) und alle Varianten, Referenznummer jede Ziffernfolge mit drei oder mehr Stellen im Titel.
- Betreff: «Bewerbung als » plus die Berufsbezeichnung wörtlich aus dem Inserat, fett gesetzt. Wörtlich heisst: dieselben Wörter, dieselbe Schreibweise, dieselbe Zusatzbezeichnung. Die Geschlechtsklammer gehört nicht dazu — sie ist eine Rechtsformel des Arbeitgebers, keine Berufsbezeichnung, und sie steht in 45 Prozent der deutschsprachigen Titel.
- Das Pensum bleibt drin. 29,1 Prozent der deutschsprachigen Inserate nennen es im Titel, davon 66,8 Prozent als Spanne wie 80–100 Prozent. Steht keines im Titel, gehört deines in den ersten Satz: 9,5 Prozent aller Inserate machen zum Anstellungsverhältnis gar keine Angabe.
- Anrede mit Namen, wenn einer dasteht. Sonst «Sehr geehrte Damen und Herren» — das ist die Formulierung, die berufsberatung.ch für genau diesen Fall vorgibt, und kein Notbehelf. Nicht «Sehr geehrte/r Herr/Frau», nicht «Hallo zusammen», nicht «An die Personalabteilung».
- Der erste Satz nennt vier Dinge und hört dann auf: die Stelle, das Pensum, den frühesten Eintritt und wo du das Inserat gefunden hast. Das ist ein Satz, keine drei. Alles Weitere ist Absatz zwei.
- Der erste Satz ist keine Selbstvorstellung. «Mein Name ist …» steht bereits im Absenderblock, in der Unterschrift und im Dateinamen. Ein Satz, der nur wiederholt, was schon dreimal auf dem Blatt steht, kostet dich den einzigen Platz, an dem alle weiterlesen.
Der Anfang besteht aus drei Teilen, und zwei davon sind keine Sätze
Wer fragt, wie ein Motivationsschreiben beginnt, meint meistens den ersten Satz. In der Schweiz ist das der dritte Teil des Anfangs. Die Bewerbungsseite des Staatssekretariats für Wirtschaft zählt die formellen Elemente eines Bewerbungsschreibens auf: Absenderadresse, Empfängeradresse, Datum, Betreffzeile, Anrede, Grussformel und Unterschrift. Zwei dieser Elemente — Betreffzeile und Anrede — stehen vor dem ersten Satz und werden vor ihm gelesen.
Dieselbe Aufzählung findet sich in allen vier Amtssprachfassungen derselben Seite, mit denselben Bauteilen: objet und civilité auf Französisch, oggetto und appellativo auf Italienisch, subject heading und opening salutation auf Englisch. Der Betreff ist damit nicht Geschmackssache, sondern Bestandteil des Dokuments. Ein Schreiben ohne Betreffzeile ist in der Schweiz kein unkonventionelles Schreiben, sondern ein unvollständiges.
Die einzige Stelle, die den Betreff wörtlich vorgibt, ist die Vorlage für die Lehrstellenbewerbung auf berufsberatung.ch — der Seite des Schweizerischen Dienstleistungszentrums Berufsbildung. Sie schreibt: «Bewerbung um die Lehrstelle als … (Berufsbezeichnung einfügen wie im Lehrstelleninserat)», und ergänzt: «Der Betreff wird fett formatiert.» Für eine Stellenbewerbung heisst dieselbe Zeile «Bewerbung als …», der Rest gilt unverändert.
Diese eine amtliche Anweisung — die Berufsbezeichnung so einsetzen, wie sie im Inserat steht — ist der Grund, weshalb der Anfang eines Schweizer Schreibens Arbeit macht. Sie klingt nach Kopieren. In der Praxis ist sie eine Redaktionsaufgabe, und wie gross die ist, lässt sich an den Inseraten selbst messen.
Die Betreffzeile: wörtlich abschreiben, aber nicht alles
Wir haben alle aktiven Titel in unserem Bestand ausgezählt. 62,7 Prozent der deutschsprachigen Titel lassen sich nicht unverändert in einen Betreff übernehmen, weil sie eine Geschlechtsklammer, ein Pensum oder beides tragen. Über alle Sprachen gerechnet sind es 47 Prozent. Der mittlere deutschsprachige Titel misst 41 Zeichen und vier Wörter; jeder zehnte kommt auf 69 Zeichen oder mehr.
Was gestrichen wird: die Geschlechtsklammer. 45 Prozent der deutschsprachigen Titel führen eine, am häufigsten (m/w/d) mit 19,2 Prozent aller Inserate, gefolgt von (w/m/d) mit 4,3 Prozent; dazu kommen (m/f/d), (f/m/d) und in 0,5 Prozent der Fälle die Formel (all genders). Diese Klammer ist eine Angabe des Arbeitgebers über die Ausschreibung, nicht über den Beruf. In deinem Betreff hat sie nichts verloren — du bewirbst dich nicht als «Fachingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d)», sondern als Fachingenieur Verfahrenstechnik.
Ebenfalls gestrichen: die Referenznummer, sofern sie im Titel klebt. 28,5 Prozent der deutschsprachigen Titel enthalten eine Ziffernfolge mit drei oder mehr Stellen. Die gehört nicht in den Betreff, sondern eine Zeile darunter oder in die Bewerbungs-E-Mail — dort erfüllt sie ihren Zweck, ohne die Zeile zu verstopfen. Dasselbe gilt für Zusätze wie «- Neue Filiale» oder eine zweite Ortsangabe.
Was bleibt: das Pensum und der Fachzusatz. 29,1 Prozent der deutschsprachigen Titel nennen ein Pensum, in 66,8 Prozent dieser Fälle als Spanne. Wer sich auf «Pflegefachfrau HF 60–80%» bewirbt, schreibt genau das in den Betreff, weil derselbe Betrieb dieselbe Rolle oft in mehreren Pensen ausschreibt. 11,6 Prozent der deutschsprachigen Titel führen einen Schweizer Abschluss — EFZ, EFA, HF oder FH. Auch der bleibt stehen: Er unterscheidet zwei Ausschreibungen, die sonst gleich heissen.
Bleibt die Doppelpunkt- und Sternform, die in 31,9 Prozent der deutschsprachigen Titel steht — Projektleiter:in, Verkäufer:in, Mitarbeiter*in. Sie ist der einzige Fall, in dem du die Schreibweise ändern darfst, ohne den Titel zu verfälschen: In deinem eigenen Betreff darfst du die Form wählen, die zu dir passt. Wer die Form des Inserats übernimmt, macht ebenfalls nichts falsch.
Die Anrede, wenn im Inserat kein Name steht
Die Vorlage von berufsberatung.ch nennt beide Fälle nebeneinander: «Sehr geehrte Frau Muster / Sehr geehrter Herr Muster» — und «Sehr geehrte Damen und Herren, wenn du den Namen der zuständigen Person nicht kennst». Die zweite Formulierung ist damit die amtlich vorgesehene Lösung und nicht das Eingeständnis einer schlecht recherchierten Bewerbung.
Dass sie so oft gebraucht wird, hat einen messbaren Grund. 12,1 Prozent der Inserate in unserem Bestand werden nicht vom Betrieb selbst ausgeschrieben, sondern von einer Personalberatung oder einem Vermittler — dort ist die zuständige Person oft die Beraterin, der Arbeitgeber dagegen zum Zeitpunkt der Bewerbung noch gar nicht genannt. Und 37,6 Prozent aller Inserate stammen von den 1,7 Prozent der Arbeitgeber mit fünfzig oder mehr offenen Stellen: In solchen Häusern führt der Weg über eine Sammeladresse, nicht über eine Person.
Zwei Fehler kommen aus dem Versuch, die Lücke zu überspielen. Der erste ist die Doppelform: «Sehr geehrte/r Herr/Frau» — sie zeigt nur, dass du die Vorlage nicht angepasst hast. Der zweite ist der Name aus dem Impressum: Wer die Geschäftsführerin persönlich anschreibt, weil sonst niemand auffindbar war, adressiert die Bewerbung an jemanden, der sie weiterleiten muss.
Steht ein Name da, benutze ihn — vollständig und richtig geschrieben, mit Titel, wenn einer angegeben ist. Steht keiner da, ist «Sehr geehrte Damen und Herren» die richtige Zeile, gefolgt von einem Komma und einem Absatz. Kein Ausrufezeichen, kein «Hallo», keine Anrede an eine Abteilung.
Warum der erste Satz sagen muss, wo du das Inserat gefunden hast
Die amtliche Vorlage ist hier ungewöhnlich deutlich. Zur Einleitung heisst es: «Schreibe, dass du dich um die Lehrstelle bewirbst und erwähne, wo du die Lehrstelle gefunden hast.» Die französische Fassung derselben Seite begründet es sogar: Manche Betriebe wollen wissen, über welchen Weg die Bewerbungen kommen.
Aus unseren Daten lässt sich sehen, weshalb die Angabe nicht überflüssig ist. Die Bewerbungswege sind stark zersplittert: Die häufigste Zieladresse nimmt 10,6 Prozent aller Inserate auf sich, die zehn häufigsten zusammen 32 Prozent, die fünfzig häufigsten 50,7 Prozent. 45,1 Prozent aller Zieladressen kommen genau ein einziges Mal vor. Dieselbe Stelle erscheint oft an mehreren Orten gleichzeitig, und für den Arbeitgeber ist dein Satz die einzige Rückmeldung, welcher davon funktioniert hat.
Der zweite Grund ist die Verwechslungsgefahr. 26,6 Prozent aller aktiven Inserate teilen ihren Titel wörtlich mit mindestens einem anderen aktiven Inserat, 10,2 Prozent mit einem anderen Arbeitgeber. Und 19,9 Prozent stehen bei einem Arbeitgeber, der dieselbe Bezeichnung gleichzeitig mehrfach ausgeschrieben hat — an verschiedenen Standorten, in verschiedenen Pensen. Nur 7,5 Prozent der deutschsprachigen Titel nennen einen Arbeitsort, und nur 1,2 Prozent aller Titel nennen den Arbeitgeber. Der Titel allein identifiziert deine Stelle also oft nicht.
Deshalb gehört ein Datum dazu. Der mittlere Eintrag in unserem Bestand ist neunzehn Tage alt, ein Viertel ist jünger als zehn Tage, ein Viertel älter als 66 Tage. 13,5 Prozent sind jünger als eine Woche, 59,7 Prozent jünger als ein Monat. «Ihr Inserat vom 12. August» sagt der Personalabteilung mehr über die Ausschreibung als jede Begeisterungsbekundung, und kostet vier Wörter.
Der Einstiegssatz: vier Angaben, ein Satz
Die Bauform ist immer dieselbe: Ich bewerbe mich als [Titel aus dem Inserat] [Pensum], den Sie am [Datum] auf [Fundort] ausgeschrieben haben, und kann [Eintritt] beginnen. Das ist ein einziger Satz von etwa zwanzig Wörtern, und er erledigt jede Zuordnungsfrage, bevor irgendjemand über deine Eignung nachdenken muss.
Ein Beispiel aus der Pflege, dem grössten Berufsfeld in unserem Bestand: «Ich bewerbe mich als Pflegefachfrau HF, 60–80 Prozent, ausgeschrieben am 12. August auf Ihrer Website, und kann per 1. November beginnen.» Das Pensum steht drin, weil es in der Pflege selten selbstverständlich ist — 19,7 Prozent der Stellen in diesem Feld sind ausdrücklich Teilzeit.
Ein Beispiel aus der Informatik: «Ich bewerbe mich als Data Engineer, 100 Prozent, aus Ihrem Inserat vom 6. August, und bin ab sofort verfügbar.» Hier ist die Sprache die Angabe, die in Absatz zwei nachgeliefert werden muss: 28 Prozent der Stellen in diesem Feld kommen ohne Deutschanforderung aus, was bedeutet, dass ein Grossteil der übrigen eine hat.
Und ein Beispiel aus dem Verkauf: «Ich bewerbe mich als Verkaufsberaterin, 80 Prozent, für Ihre Filiale in Winterthur — Inserat vom 19. August.» Der Standort steht drin, weil derselbe Titel im Detailhandel gleichzeitig an vielen Standorten ausgeschrieben wird; im Verkauf sind es die häufigsten Mehrfachausschreibungen unseres ganzen Bestands.
Was in diesem einen Satz nichts zu suchen hat: eine Begründung, ein Kompliment, eine Selbstbeschreibung. Der Beleg kommt in Absatz zwei, und dort gehört er auch hin — er braucht Platz, den der Einstieg nicht hat.
Sechs Anfänge, die nicht tragen
«Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle.» Der Satz sagt nur, dass ein Bewerbungsschreiben vorliegt — was das Dokument schon durch seine Existenz mitteilt. Er nennt weder Titel noch Pensum noch Fundort und lässt genau die Frage offen, die die empfangende Person zuerst beantworten muss: um welche der Ausschreibungen es geht.
«Mit grossem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen.» Der häufigste Anfang überhaupt, und der am schnellsten überlesene. Interesse ist die Voraussetzung dafür, dass du schreibst, keine Information. Wenn der Satz durch «Ich habe Ihre Anzeige gelesen» ersetzt werden kann, ohne dass etwas verloren geht, war nichts drin.
«Ihr Unternehmen ist einer der führenden Anbieter in der Branche.» Doppelt riskant. Erstens sagt der Satz nichts über dich. Zweitens ist bei 12,1 Prozent der Inserate der Arbeitgeber gar nicht der Absender der Ausschreibung — das Lob geht dann an eine Personalberatung, die es weiterleiten müsste.
«Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung bin ich auf Ihr Inserat gestossen.» Der Satz beschreibt deine Lage, nicht die Stelle. Er wirkt zudem austauschbar, weil er auf jede Ausschreibung passt, die du je gelesen hast.
«Mein Name ist … und ich bin 34 Jahre alt.» Beides steht bereits im Absenderblock, im Lebenslauf und im Dateinamen. Der erste Satz ist die Zeile mit der höchsten Aufmerksamkeit im ganzen Dokument; sie an Angaben zu verschenken, die dreimal daneben stehen, ist der teuerste Fehler des Anfangs.
«Sehr geehrte Damen und Herren, gerne bewerbe ich mich als Mitarbeiter in Ihrem Team.» Zu unbestimmt, um zugeordnet zu werden. In einem Haus, das gleichzeitig Dutzende Stellen ausschreibt — und 37,6 Prozent aller Inserate stammen aus solchen Häusern —, landet ein Schreiben ohne Titel und Pensum in der Ablage für allgemeine Anfragen.
Alle Anteile stammen aus den aktiven Inseraten auf SwissJobs.app, Stand 22. August 2026. Die Sprache eines Inserats ist bei 73,2 Prozent der Einträge eindeutig als Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch bestimmt; sprachbezogene Anteile beziehen sich jeweils auf die Inserate der betreffenden Sprache. «Geschlechtsklammer» umfasst alle Varianten der Form (m/w/d), (w/m), (h/f), (m/f/x) sowie (all genders); «Referenznummer» jede Ziffernfolge mit drei oder mehr Stellen im Titel; «Pensum» jede Prozentangabe im Titel. Das Alter eines Inserats ist die Differenz zwischen dem Ausschreibungsdatum und dem Stichtag. Die Zieladressen sind die Hosts der Bewerbungslinks, ohne www-Präfix zusammengefasst.
Quellen
Verwandte Fragen
Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%