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Motivationsschreiben

Soll ich Zahlen und Ergebnisse ins Anschreiben einbauen?

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Kurz gesagt

Ja — aber zwei bis drei konkrete Ergebnisse, nicht eine Wand aus Prozentzahlen. Der Grund liegt in einer Eigenheit des Schweizer Marktes: Die Inserate selbst sind auffallend unquantitativ. Rund 21 Prozent nennen Verantwortung oder Zuständigkeit, aber nur rund 0,5 Prozent nennen Ziele oder Kennzahlen, unter einem Prozent nennen Budget oder Umsatz.

Wer also seinen Text mit Metriken flutet, spiegelt nicht die Sprache des Gegenübers, sondern die eines anderen Marktes. Das fällt auf — und zwar als importiert, nicht als souverän.

Die belastbare Regel: Jede Behauptung im Anschreiben braucht einen Beleg, aber ein Beleg ist eine Situation mit einem Ergebnis, nicht zwingend eine Zahl. Wo eine Zahl ehrlich verfügbar ist, nimm sie. Wo nicht, beschreibe die Veränderung.

Wie quantitativ Schweizer Inserate wirklich sind
Wie quantitativ Schweizer Inserate wirklich sindVerantwortung, verantwortlich21.1%Projektleitung4.4%Optimierung, Verbesserung4.2%Budget oder Umsatz genannt0.9%Teamgrösse genannt0.6%Ziele, KPI, Kennzahlen0.5%

Anteil der ausgewerteten Inseratsbeschreibungen, die den jeweiligen Begriff verwenden. Laufende Auswertung, Stand August 2026.

  • Schweizer Inserate beschreiben Verantwortung rund vierzigmal häufiger als Kennzahlen.
  • Zwei bis drei belegte Ergebnisse sind wirksamer als zehn Prozentangaben.
  • Eine Zahl ohne Ausgangswert ist keine Aussage — «Umsatz um 30 % gesteigert» sagt nichts ohne die Basis.
  • In Pflege, Bildung, Verwaltung und Handwerk gibt es oft keine sinnvollen Metriken; dort ist die beschriebene Veränderung der Beleg.
  • Erfundene oder geschönte Zahlen fallen im Gespräch auf — und kosten mehr, als sie im Schreiben eingebracht haben.

Warum der Schweizer Markt weniger quantitativ schreibt

Wir haben die erfassten Inseratsbeschreibungen daraufhin ausgewertet, wie oft sie quantitative Begriffe verwenden. Das Ergebnis ist eindeutig: Verantwortung und Zuständigkeit kommen in rund 21 Prozent vor, Projektleitung in gut vier, Optimierung in gut vier. Ziele, KPI und Kennzahlen dagegen in rund einem halben Prozent, Budget oder Umsatz in unter einem Prozent, eine genannte Teamgrösse in gut einem halben.

Die Schweizer Ausschreibung beschreibt also, wofür jemand zuständig ist, und nicht, welche Zahl er bewegen soll. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern ein Registerunterschied: Der hiesige Ton bevorzugt die sachliche Beschreibung gegenüber der Kennzahl, und Untertreibung mit Beleg gilt als seriöser als die grosse Zahl ohne Kontext.

Daraus folgt nicht, dass Ergebnisse egal wären — im Gegenteil, das häufigste inhaltliche Feedback aus dem Recruiting lautet, Bewerbende zählten Zuständigkeiten auf statt messbarer Ergebnisse. Es folgt nur, dass die Dosis eine andere ist als in einem angelsächsischen Anschreiben.

Praktisch heisst das: zwei bis drei Ergebnisse im ganzen Schreiben, jedes an eine Anforderung aus dem Inserat gebunden. Nicht in jedem Satz eine Zahl.

Was ein brauchbares Ergebnis ausmacht

Ein Ergebnis hat drei Teile: die Ausgangslage, deine Handlung, die Veränderung. Fehlt der erste Teil, ist die Zahl wertlos. «Umsatz um 30 Prozent gesteigert» kann alles bedeuten — von einem sehr kleinen Ausgangswert bis zu einem Markteffekt, mit dem du nichts zu tun hattest.

Vergleiche: «Der Einkauf lief über zwei Lieferanten; ich habe ihn auf fünf ausgeweitet und die Lieferzeit von zehn auf sieben Tage gesenkt.» Das ist überprüfbar, es lädt zur Nachfrage ein, und es funktioniert ohne Prozentzeichen.

Achte auf Zurechenbarkeit. Formuliere, was du getan hast, nicht was die Abteilung erreicht hat. Ein Anschreiben, das Teamerfolge als eigene ausgibt, fällt spätestens im Gespräch auf, wenn nach Details gefragt wird.

Und halte die Zahl klein genug, um sie zu verantworten. Runde Angaben aus dem Gedächtnis sind riskant; wenn du den genauen Wert nicht mehr kennst, schreib die Grössenordnung und sag es im Gespräch offen.

Wenn dein Beruf keine Zahlen hergibt

Das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. In der Pflege, in der Bildung, in der Verwaltung, im Handwerk und in weiten Teilen des Sozialwesens gibt es keine Umsatzzahl, die dir zurechenbar wäre — und der Versuch, eine zu konstruieren, wirkt sofort falsch.

Der Beleg ist dort die beschriebene Veränderung. «Die Übergabe war nicht dokumentiert; ich habe ein einfaches Protokoll eingeführt, das das Team seither benutzt.» Das ist ein Ergebnis. Es hat keine Zahl und ist trotzdem überprüfbar, weil es eine Situation vorher und nachher beschreibt.

Zulässig und oft stärker sind auch Grössenangaben statt Wirkungsangaben: wie viele Bewohnende du betreut hast, wie viele Dossiers du geführt hast, wie gross das Team war, wie viele Standorte du bedient hast. Das sind Fakten, keine Erfolgsbehauptungen, und sie ordnen dich sofort ein.

Ebenfalls brauchbar: Dauer und Wiederholung. «Seit vier Jahren dieselbe Nachtschicht im selben Team» sagt in einem Feld mit hoher Fluktuation mehr über dich als jede Prozentzahl.

Wohin die Ergebnisse gehören — Anschreiben oder Lebenslauf

In beide, aber unterschiedlich. Im Lebenslauf steht das Ergebnis knapp bei der Station, an der es entstanden ist: eine Zeile, faktisch, ohne Erzählung. Da darf es auch mehr als drei geben, weil der Lebenslauf gescannt und nicht gelesen wird.

Im Anschreiben steht es ausgeführt, aber nur zweimal oder dreimal — und jedes Mal ausdrücklich verknüpft mit einer Anforderung aus dem Inserat. Der Satz davor sollte die Anforderung benennen, der Satz danach das Ergebnis. Diese Kopplung ist der eigentliche Zweck des Anschreibens.

Vermeide die Wiederholung. Wenn dasselbe Ergebnis wortgleich im Lebenslauf und im Anschreiben steht, hast du eine der beiden Stellen verschenkt. Im Anschreiben gehört der Kontext dazu, im Lebenslauf nur das Resultat.

Und stell die Reihenfolge nach dem Inserat, nicht nach deinem Stolz. Das Ergebnis, das die wichtigste Anforderung belegt, kommt zuerst — auch wenn ein anderes dir persönlich mehr bedeutet.

Die Fehler, die Zahlen im Anschreiben machen

Der erste ist die Zahlenwand. Ein Absatz mit vier Prozentangaben liest sich nicht als kompetent, sondern als Vorlage. Er ist zudem eines der Muster, an denen maschinell erzeugte Anschreiben erkannt werden, weil Sprachmodelle Metriken gern in Serie produzieren.

Der zweite ist die unbelegbare Zahl. Alles, was du im Gespräch nicht auf Nachfrage erklären kannst — woher der Wert stammt, über welchen Zeitraum, welchen Anteil du hattest —, sollte nicht im Schreiben stehen. Die Nachfrage kommt zuverlässig, gerade weil Zahlen in Schweizer Bewerbungen selten sind und deshalb auffallen.

Der dritte ist die Verwechslung von Aktivität und Ergebnis. «Über 200 Kundengespräche geführt» ist eine Tätigkeitszahl, kein Ergebnis. Sie beschreibt Aufwand, nicht Wirkung — und Aufwand ist genau das, was ein Lebenslauf ohnehin schon zeigt.

Der vierte ist der falsche Präzisionsgrad. «Die Durchlaufzeit um 34,7 Prozent reduziert» wirkt nicht präziser, sondern konstruiert. Runde ehrlich und sag lieber «um rund ein Drittel».

Was Betroffene berichten

  • Als typischer Fehler internationaler Bewerbender wird wiederkehrend genannt, Zuständigkeiten statt messbarer Ergebnisse aufzuzählen — zusammen mit dem Versand derselben Unterlagen an jede Stelle. Beide Punkte betreffen dieselbe Lücke: Es fehlt der Beleg, dass die Erfahrung zu dieser Stelle passt.

    Wiederkehrende Beobachtung in LinkedIn-Beiträgen von Personalfachleuten zum Schweizer Bewerbungsdossier, ausgewertet im August 2026.

  • Aus dem Recruiting wird zugleich das Gegenbild beschrieben: Bewerbungen mit einem Standardschreiben, das ebenso gut an einen ganz anderen Betrieb gehen könnte. Ein konkretes, zurechenbares Ergebnis ist das Einzige, was ein solches Schreiben zuverlässig von einer Vorlage unterscheidet.

    Wiederkehrendes Thema in deutschsprachigen LinkedIn-Beiträgen aus dem Recruiting, ausgewertet im August 2026.

Anteile aus unserer laufenden Auswertung der von uns erfassten Schweizer Stelleninserate, Stand August 2026. Grundlage sind die uns vorliegenden Inseratsbeschreibungen; gezählt wird, ob der jeweilige Begriff vorkommt. Kurzfassungen können einzelne Nennungen weglassen, weshalb die Anteile eher eine Untergrenze sind — am Verhältnis zwischen Verantwortungs- und Kennzahlensprache ändert das nichts. Wir veröffentlichen Anteile, keine absoluten Bestandszahlen.

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Quellen

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Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.

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