Wie lang darf ein Motivationsschreiben sein?
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Kurz gesagt
Eine A4-Seite, und die ist enger, als sie aussieht. Wir haben eine Schweizer Bewerbungsseite mit genau den Elementen ausgemessen, die arbeit.swiss verlangt: Absenderadresse, Empfängeradresse, Datum, Betreffzeile, Anrede, Grussformel, Unterschrift. Bei 2,5 Zentimeter Rand, Schriftgrad 11 und Zeilenabstand 1,15 belegen allein diese Pflichtteile 42,5 Prozent der Satzspiegelhöhe. Für den eigentlichen Text bleiben 24 Zeilen — auf Deutsch rund 228 Wörter.
Diese Zahl ist keine Stilempfehlung, sondern eine Messung, und sie fällt für jede Sprache anders aus. Dieselbe Seite trägt auf Französisch rund 303, auf Italienisch 297 und auf Englisch 289 Wörter. Deutsche Wörter sind in der Prosa unserer aktiven Inserate im Mittel 7,48 Zeichen lang, französische 5,81. Auf eine Zeile von 160 Millimetern passen deshalb knapp zehn deutsche, aber gut dreizehn französische Wörter.
Praktisch heisst das: vier Absätze zu je rund 57 Wörtern, also je drei Sätze. Wer mehr schreibt, kürzt nicht den Text, sondern erzeugt eine zweite Seite — und die gehört beim Motivationsschreiben nicht ins Dossier.
Freier Text nach Abzug der formalen Briefteile, die arbeit.swiss verlangt. A4, 2,5 cm Rand, Arial 11 pt, Zeilenabstand 1,15, vier Absätze. Wortlängen gemessen an der Prosa der aktiven Inserate auf SwissJobs.app in der jeweiligen Sprache, Stand August 2026.
- Die Pflichtteile stehen fest, die Länge nicht. arbeit.swiss, betrieben vom Staatssekretariat für Wirtschaft, listet für das Bewerbungsschreiben Absenderadresse, Empfängeradresse, Datum, Betreffzeile, Anrede, Grussformel und Unterschrift auf — und nennt keine Seitenzahl. Für den Lebenslauf nennt dieselbe Seite eine: «Der Lebenslauf sollte nicht mehr als drei Seiten umfassen.» Beim Schreiben fehlt der Satz. Die Frage verschiebt sich damit von der Vorschrift zur Geometrie.
- Der Briefkopf frisst fast die halbe Seite. In der schlanken Form — vier Zeilen Absender, drei Zeilen Empfänger, keine Beilagenzeile — sind es 42,5 Prozent der Satzspiegelhöhe und es bleiben 24 Zeilen. Mit Telefonnummer, namentlicher Ansprechperson und Beilagenzeile, also der vollständigen Schweizer Form, sind es 47,6 Prozent, 21 Zeilen und rund 199 deutsche Wörter.
- Der Schriftgrad ist der stärkste Hebel. 10 Punkt trägt 304 deutsche Wörter, 11 Punkt 228, 12 Punkt nur noch 179. Ein einziger Punkt Unterschied ist rund ein Fünftel des Textes. Unter 10 Punkt lohnt sich der Gewinn nicht mehr: Ein Brief, den jemand ausdruckt, wird dort unangenehm zu lesen.
- Der Zeilenabstand kostet mehr, als er aussieht. Bei 1,0 passen 282 Wörter auf die Seite, bei 1,15 noch 228, bei 1,3 noch 189 und bei 1,5 nur noch 131 — weniger, als die meisten Schreiben in ihren ersten beiden Absätzen unterbringen. Anderthalbfacher Zeilenabstand ist eine Vorgabe aus dem Studium, nicht aus dem Geschäftsbrief.
- Die Betreffzeile stiehlt dir manchmal eine Zeile. Der mittlere Stellentitel in unserem Bestand hat fünf Wörter und 40 Zeichen, 18,3 Prozent sind länger als 60 Zeichen. Setzt man «Bewerbung als » davor und die Zeile fett in 11 Punkt, passt sie bei 11,0 Prozent der Inserate nicht mehr auf eine Zeile — dann sind es 23 Zeilen statt 24.
Was auf dem Blatt steht, bevor du den ersten Satz schreibst
Ein Motivationsschreiben ist in der Schweiz ein Geschäftsbrief, und ein Geschäftsbrief hat Bauteile, die nicht zur Diskussion stehen. Die Bewerbungsseite des Staatssekretariats für Wirtschaft zählt sie auf: Absenderadresse, Empfängeradresse, Datum, Betreffzeile, Anrede, Grussformel, Unterschrift. Keines dieser Teile enthält ein Argument. Alle zusammen brauchen Platz, und zwar nicht wenig.
Wir haben diesen Platz ausgemessen, an der Vorlage, die SwissJobs.app für den Briefexport verwendet: A4, 2,5 Zentimeter Rand auf allen vier Seiten, Fliesstext in 11 Punkt, Zeilenabstand 1,15. Damit ist der Satzspiegel 160 Millimeter breit und 247 Millimeter hoch, in typografischen Punkten gerechnet 453,5 mal 700,1. Eine Textzeile ist 14,55 Punkt hoch. Randvoll gesetzt trägt die Seite also gut 48 Zeilen.
Der Kopf verbraucht davon: vier Zeilen Absender mit Name, Strasse, Postleitzahl samt Ort und E-Mail-Adresse, eine Leerzeile, drei Zeilen Empfänger mit Firma, Strasse, Postleitzahl samt Ort, wieder eine Leerzeile, dann Ort und Datum, die Betreffzeile und die Anrede. Am Fuss kommen Grussformel und Unterschrift dazu. Dazwischen liegen die normierten Abstände, die einen Geschäftsbrief überhaupt erst wie einen aussehen lassen. Summe: 298 Punkt, 42,5 Prozent der Satzspiegelhöhe.
Übrig bleiben 24 Zeilen. Wer die vollständige Form wählt — Telefonnummer im Absenderblock, namentliche Ansprechperson im Empfängerblock, eine Beilagenzeile unter der Unterschrift — kommt auf 47,6 Prozent und 21 Zeilen. Die Frage, wie lang das Schreiben sein darf, ist damit beantwortet, bevor der erste Satz steht. Sie ist eine Frage der Seitengeometrie und nicht des Geschmacks.
Warum die deutsche Fassung die kürzeste ist
24 Zeilen sind in jeder Sprache 24 Zeilen. Wie viele Wörter darauf Platz finden, ist es nicht. Wir haben die Wortlängen an der deutschen, englischen, französischen und italienischen Prosa in unserem eigenen Inseratbestand gemessen: Ein deutsches Wort ist im Mittel 7,48 Zeichen lang, ein englisches 6,08, ein italienisches 6,02, ein französisches 5,81.
Auf eine Zeile von 160 Millimetern passen damit im Schnitt 9,95 deutsche Wörter, aber 13,25 französische. Über 24 Zeilen summiert sich das auf 228 deutsche gegenüber 303 französischen Wörtern. Ein Drittel Unterschied, auf demselben Blatt, bei identischer Typografie.
Das ist kein Nachteil, sondern eine Eigenschaft der Sprache. Deutsche Komposita packen in ein Wort, wofür das Französische drei braucht: Qualitätssicherung gegen assurance de la qualité. Der Informationsgehalt pro Zeile ist ähnlich, die Wortzahl ist es nicht. Wer die Wortzahl aus einem englischsprachigen Ratgeber übernimmt — dort gelten meist 350 bis 400 Wörter als richtig — schreibt auf Deutsch anderthalb Seiten.
Für die Praxis folgt daraus eine einfache Regel: Zähle Zeilen, nicht Wörter. Jedes Textverarbeitungsprogramm zeigt beides an, aber nur die Zeilenzahl gilt sprachübergreifend. Wer dieselbe Bewerbung auf Deutsch und auf Französisch verschickt, wird zwei sehr verschiedene Wortzahlen sehen und trotzdem zweimal eine volle Seite haben.
Die drei Stellschrauben — und was jede kostet
Schriftgrad. Von 11 auf 10 Punkt zu gehen bringt vier zusätzliche Zeilen und rund 76 deutsche Wörter, also 304 statt 228. Von 11 auf 12 Punkt kostet drei Zeilen und 49 Wörter. Ein halber Punkt ist bereits spürbar: 10,5 Punkt trägt 262 Wörter, 11,5 Punkt noch 198. Wer nur ein wenig Platz braucht, holt ihn hier und nirgends sonst.
Zeilenabstand. Der Sprung von 1,15 auf 1,0 bringt fünf Zeilen und 54 Wörter, lässt die Seite aber gedrängt wirken. 1,3 kostet vier Zeilen, 1,5 kostet neun: Bei anderthalbfachem Abstand bleiben 15 Zeilen und 131 deutsche Wörter. Das ist der häufigste Grund, weshalb ein Schreiben plötzlich auf zwei Seiten läuft, obwohl der Text nicht länger geworden ist.
Absatzzahl. Jeder zusätzliche Absatz kostet zwölf Punkt Abstand und im Mittel eine angebrochene Schlusszeile. Drei Absätze lassen 250 deutsche Wörter zu, vier 228, fünf 211, sechs 197. Der Schweizer Aufbau kennt vier: Anlass, Passung, Beleg, Abschluss. Wer sechs schreibt, hat auf derselben Seite ein Fünftel weniger Text zur Verfügung, ohne dafür etwas zu bekommen.
Schriftart. Sie wirkt schwächer als die anderen drei, aber sie wirkt. Times New Roman in 11 Punkt trägt 257 deutsche Wörter, Arial 228, Georgia 231, Verdana nur 183 — Verdana ist breit gebaut und kostet gegenüber Arial ein Fünftel der Seite. Arial Narrow trägt 287 und sieht danach aus, was der eigentliche Einwand gegen sie ist.
Die Betreffzeile, die dir eine Zeile stiehlt
Die Betreffzeile ist Pflicht und trägt in aller Regel den Stellentitel aus dem Inserat. Wie lang der ist, entscheidest nicht du. Wir haben alle aktiven Stellentitel in unserem Bestand vermessen: Der mittlere Titel hat fünf Wörter und 40 Zeichen, ein Viertel kommt mit drei Wörtern aus, jeder zehnte braucht neun oder mehr. 18,3 Prozent sind länger als 60 Zeichen.
Setzt man die übliche Einleitung «Bewerbung als » davor und die Zeile wie vorgesehen fett in 11 Punkt, passt sie bei 11,0 Prozent der Inserate nicht mehr auf eine Zeile. Der Betreff bricht um, und der Brief verliert eine der 24 Zeilen — rund zehn Wörter, also einen ganzen Satz.
Das ist kein Grund, den Titel zu kürzen. Der Titel im Betreff ist das Feld, an dem eine Personalabteilung die Bewerbung der richtigen Ausschreibung zuordnet; wer ihn abschneidet, spart eine Zeile und riskiert eine Fehlablage. Es ist ein Grund, die Zeile einzuplanen. Bei einem langen Titel rechnest du von Anfang an mit 23 statt 24 Zeilen.
In den anderen Sprachen fällt der Effekt stärker aus, weil die Einleitung länger ist. Auf Französisch überschreiten 19,4 Prozent der Titel die Zeile, auf Englisch 25,5 Prozent, auf Italienisch 27,1 Prozent. Der deutsche Betreff ist der kompakteste der vier — was den Wortnachteil im Fliesstext ein wenig ausgleicht.
Was in 228 Wörter tatsächlich hineingeht
228 Wörter auf vier Absätze sind 57 Wörter pro Absatz. Ein deutscher Satz in Geschäftsprosa liegt bei 15 bis 20 Wörtern. Jeder Absatz ist damit drei Sätze lang. Das ist die ganze Vorgabe, und sie ist strenger als jede Stilregel, die man in einem Ratgeber findet.
Drei Sätze reichen für genau eine Sache: eine Behauptung, ein Beleg, eine Folgerung. Absatz eins nennt die Stelle und den Grund, weshalb du sie liest. Absatz zwei nimmt eine Anforderung aus dem Inserat und stellt eine Station aus deinem Lebenslauf daneben. Absatz drei macht dasselbe mit einer zweiten Anforderung. Absatz vier nennt Pensum, frühesten Eintritt und die Bitte um ein Gespräch.
Was in dieser Rechnung keinen Platz hat: eine Zusammenfassung des Lebenslaufs, ein Lob auf den Arbeitgeber, eine Aufzählung von Eigenschaftswörtern ohne Beleg, ein Absatz über die eigene Persönlichkeit. Jeder dieser Blöcke kostet einen der vier Plätze, und alle vier sind vergeben.
Wie viel es überhaupt zu beantworten gibt, sagen die Inserate selbst. Von den aktiven Ausschreibungen in unserem Bestand nennen 27,2 Prozent keine einzige Sprachanforderung, 52,7 Prozent genau eine und 20,1 Prozent zwei oder mehr. 90,5 Prozent geben ein Anstellungsverhältnis an, davon 91 Prozent Vollzeit. Die meisten Inserate stellen dir also weniger prüfbare Anforderungen, als in vier Absätze passen. Der Platz ist selten das Problem — die fehlenden Belege sind es.
Warum keine amtliche Stelle eine Länge vorschreibt
Wer eine verbindliche Zahl sucht, findet keine. Die Bewerbungsseite von arbeit.swiss beschreibt das Bewerbungsschreiben als «Ihre persönliche Visitenkarte», zählt die formalen Elemente auf und schweigt zur Länge. Die Seite von berufsberatung.ch führt es als Bestandteil des klassischen Bewerbungsdossiers auf — «Bewerbungs- oder Motivationsschreiben, Lebenslauf, Arbeitszeugnisse und Ausbildungsabschlüsse» — und nennt ebenfalls keine.
Das Schweigen ist auffällig, weil dieselbe amtliche Seite beim Lebenslauf eine Zahl nennt und sie in allen vier Sprachfassungen wiederholt. Auf Deutsch: «Der Lebenslauf sollte nicht mehr als drei Seiten umfassen.» Auf Französisch: «Le curriculum vitae ne doit pas dépasser trois pages.» An derselben Stelle beim Schreiben steht nichts.
Der Grund ist vermutlich, dass es niemand vorschreiben muss. Die Form gibt die Länge vor. Ein Geschäftsbrief mit den aufgezählten Bauteilen ist einseitig, weil eine zweite Seite nur Fliesstext ohne Kopf enthielte und damit sichtbar zu viel wäre. Die Regel steckt in der Form, und die Form ist beschrieben.
Praktisch: Nimm die eine Seite als harte Obergrenze und die 24 Zeilen als Arbeitsmass. Wenn der Text am Ende auf 20 Zeilen kommt, ist das kein Mangel. Ein Brief, der die Seite nicht ganz füllt, wirkt nie so ungünstig wie einer, der auf eine zweite überläuft — und beim PDF, das an eine Bewerbungsadresse geht, sieht die empfangende Person den Seitenumbruch sofort.
Die Seitenrechnung stammt aus der Vorlage, die SwissJobs.app für den Briefexport verwendet: A4, 2,5 Zentimeter Rand auf allen vier Seiten, Fliesstext 11 Punkt, Zeilenabstand 1,15, zwölf Punkt Abstand nach jedem Absatz, dazu die formalen Elemente in der Reihenfolge, die arbeit.swiss aufzählt. Die Wortzahlen sind mit den echten Metriken der installierten Schriftschnitte gerechnet — nur Vorschubbreiten, ohne Unterschneidung — und über die deutsche, englische, französische und italienische Prosa der aktiven Inserate auf SwissJobs.app gemittelt, Stand 22. August 2026. Der Zeilenumbruch erfolgt gierig von links, ohne Silbentrennung, wie in einem Textverarbeitungsprogramm mit Standardeinstellung.
Quellen
Verwandte Fragen
Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
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