Wie schreibe ich ein Motivationsschreiben für ein Praktikum?
Aktualisiert:
Kurz gesagt
Schreib die drei Angaben in den ersten Absatz, die über ein Praktikum entscheiden: ab wann du kannst, wie lange du bleibst und in welchem Status du bist — im Studium, kurz nach dem Abschluss oder im Pflichtpraktikum. Praktikumsinserate laufen dem Start weit voraus: Von den Inseraten unserer Auswertung, die einen Startmonat im Titel nennen, liegt dieser bei 75,6 Prozent mindestens drei Monate nach dem Publikationsdatum, im Median sind es 139 Tage. Wer kein Fenster nennt, zwingt die Gegenseite zum Nachfragen — und Nachfragen passieren selten.
Ein Praktikumsinserat beschreibt weniger eine Aufgabe als einen Zeitraum, und es beschreibt ihn schlecht. In unserer laufenden Auswertung der Schweizer Inserate tragen 2,9 Prozent aller Inserate ein Praktikum im Titel. Von diesen nennen 10,2 Prozent im Titel eine Dauer in Monaten, 7,2 Prozent einen Startmonat und 18,2 Prozent ein Pensum — bei allen Inseraten sind es 21,9 Prozent, das Pensum wird also bei Praktika seltener gesetzt als sonst. In der uns vorliegenden Kurzfassung des Inseratstextes taucht bei 16,9 Prozent überhaupt eine Monatsangabe auf und bei 4,4 Prozent etwas zum Lohn. Was das Inserat offenlässt, muss der Brief beantworten.
Der zweite Unterschied zur gewöhnlichen Bewerbung ist die Berufserfahrung, die es noch nicht gibt. Sie wird nicht durch Begeisterung ersetzt, sondern durch etwas Nachprüfbares: ein Werkzeug, ein Fach, eine Arbeit, die du abgegeben hast. Praktikumsinserate nennen deutlich häufiger ein konkretes Werkzeug — Excel, SAP, Python, SQL, InDesign und Ähnliches — als der übrige Markt: 18,0 Prozent gegenüber 8,0 Prozent bei allen Inseraten, zu denen uns ein Text vorliegt. Dort liegt der Anknüpfungspunkt, und dort ist er nachprüfbar.
Anteil der Inserate mit einem Praktikumsbegriff im Titel, je Sprachgruppe unserer laufenden Auswertung der Schweizer Inserate. Stand 23. August 2026. Über alle Inserate hinweg sind es 2,9 Prozent.
- Setz das Fenster in den ersten Satz, nicht in den letzten. «Ab 1. Februar, für sechs Monate, 80 bis 100 Prozent» ist eine Angabe, mit der jemand planen kann. «Ich würde mich freuen, bei Ihnen erste Erfahrungen zu sammeln» ist keine.
- Nenne deinen Status, bevor du deine Motivation nennst. 31,7 Prozent der Praktikumsinserate, zu denen uns ein Text vorliegt, sprechen Studium, Hochschule oder Abschluss an — das ist der Filter, an dem zuerst sortiert wird, nicht die Begründung.
- Beim Bund entscheidet das Datum auf dem Diplom. Das Stellenportal der Bundesverwaltung hält fest: «Der Studienabschluss darf bei Praktikumsbeginn maximal 18 Monate zurückliegen (entscheidend ist das Datum auf dem Diplom).» Ausnahmen nennt die Seite bei Mutterschaft sowie Militär- oder Zivildienst, und der Abschluss darf länger zurückliegen, wenn du bei Praktikumsantritt immatrikuliert bist.
- Schlag eine Dauer vor, statt auf eine zu warten. Zur Grössenordnung publiziert der Bund seine eigenen Grenzen: höchstens sechs Monate während des Bachelorstudiums, höchstens zwölf Monate danach, insgesamt höchstens zwölf Monate in der Bundesverwaltung.
- Nenne ein Werkzeug, das du bedienst, und wofür du es zuletzt gebraucht hast. In Praktikumsinseraten steht doppelt so oft ein konkreter Programmname wie im übrigen Markt (18,0 gegenüber 8,0 Prozent der Inserate mit Text).
- Beschreibe eine abgegebene Arbeit, nicht eine Eigenschaft. 20,7 Prozent der Praktikumsinserate mit Text stellen ein eigenes Projekt in Aussicht und 9,8 Prozent eine Begleitung oder Betreuung. Wer schon einmal etwas fertig gemacht hat, kann darauf antworten.
- Setz die Sprachen mit Stufe hin. 29,5 Prozent der Praktikumsinserate verlangen zwei oder mehr Sprachen, über alle Inserate hinweg sind es 20,2 Prozent. Englisch steht bei 45,1 Prozent der Praktikumsinserate in den Anforderungen, im Gesamtmarkt bei 29,9 Prozent.
- Schreib in der Sprache des Inserats. Unter den Praktikumsinseraten mit erkennbarer Sprache sind 40,6 Prozent englisch, 36,4 Prozent deutsch, 21,3 Prozent französisch und 1,7 Prozent italienisch — die Verteilung ist eine andere als im Gesamtmarkt.
- Eröffne den Brief nicht mit dem Lohn. Nur 4,4 Prozent der Praktikumsinserate mit Text sagen überhaupt etwas dazu. Der Bund publiziert seine Ansätze offen: CHF 2'875 pro Monat während des Bachelorstudiums, CHF 4'020 danach und CHF 4'500 nach Master oder Promotion, jeweils als Zwölftel gerechnet und für Praktika in der Schweiz.
- Rechne damit, dass dich jemand liest, der auch fest einstellt. 81 Prozent der Arbeitgeber, die bei uns ein Praktikum ausschreiben, schreiben gleichzeitig auch andere Stellen aus, und 67,5 Prozent der Praktikumsinserate stammen von Arbeitgebern mit zehn oder mehr laufenden Inseraten.
Das Inserat lässt den Kalender leer — der Brief füllt ihn
Bei einer ausgeschriebenen Fachstelle steht fast alles im Inserat: Titel, Pensum, Eintritt, Anforderungsprofil. Bei einem Praktikum fehlt genau der Teil, der es zum Praktikum macht. Nur 10,2 Prozent der Praktikumsinserate in unserer Auswertung nennen im Titel eine Dauer in Monaten — im Gesamtmarkt sind es 0,8 Prozent, das ist also bereits der überdurchschnittliche Wert und trotzdem eine kleine Minderheit. Auch im Text bleibt es dünn: 16,9 Prozent der Praktikumsinserate, zu denen uns eine Kurzfassung vorliegt, enthalten überhaupt eine Monatsangabe.
Für dich heisst das: Die erste Frage, die beim Lesen entsteht, ist nicht «warum diese Branche», sondern «passt das zeitlich». Wenn der Brief darauf keine Antwort gibt, bleibt die Bewerbung liegen, bis jemand Zeit hat nachzufragen — und zwischen vielen gleich alten Dossiers hat selten jemand Zeit. Ein Satz genügt: Datum, Dauer, Pensum, und ob das Fenster verhandelbar ist.
Der Ort, an dem das steht, ist der erste Absatz. Nicht die Fusszeile, nicht der Lebenslauf, nicht das Beiblatt. Wer das Fenster nach unten schiebt, hat es dorthin geschoben, wo beim Überfliegen nichts mehr ankommt.
Praktika werden weit im Voraus ausgeschrieben
45 Praktikumsinserate unserer Auswertung nennen einen Startmonat im Titel. Rechnet man vom Publikationsdatum bis zu diesem Monat, liegen im Median 139 Tage dazwischen. Bei 75,6 Prozent sind es mindestens drei Monate, bei 31,1 Prozent mindestens ein halbes Jahr. Wir sehen im laufenden Bestand Inserate, die im Titel einen Start im Januar nennen, andere mit August im nächsten Jahr, ein Inserat der Graubündner Kantonalbank für ein Banking-Praktikum ab August des Folgejahres, Praktikumsstellen der CSS für denselben Monat und ein Fachmatura-Praktikum eines Kantonsspitals mit September des Folgejahres im Titel.
Diese Vorlaufzeit verändert, was ein guter Brief tut. Er bewirbt sich nicht um eine Aufgabe, die morgen anfällt, sondern reserviert ein Fenster in einem Plan, den die Gegenseite schon aufgestellt hat. Deshalb ist es kein Nachteil, wenn dein Abschluss noch aussteht — es ist eine Information: «Bachelorabschluss voraussichtlich im Juni, verfügbar ab Juli.»
Und es verändert den Zeitpunkt deiner Bewerbung. Praktikumsinserate sind im Bestand etwas älter als der Rest: 22 Tage im Median gegenüber 20 Tagen über alle Inserate, und in den letzten sieben Tagen kamen 11,6 Prozent der Praktikumsinserate neu dazu gegenüber 13,4 Prozent im Gesamtmarkt. Sie stehen länger, weil sie länger stehen müssen — der Start liegt ja weit weg.
Rechtlich ist ein Praktikum eine Anstellung
Das Obligationenrecht kennt keinen eigenen Praktikumsvertrag. Art. 319 Abs. 1 OR definiert: «Durch den Einzelarbeitsvertrag verpflichtet sich der Arbeitnehmer auf bestimmte oder unbestimmte Zeit zur Leistung von Arbeit im Dienst des Arbeitgebers und dieser zur Entrichtung eines Lohnes, der nach Zeitabschnitten (Zeitlohn) oder nach der geleisteten Arbeit (Akkordlohn) bemessen wird.» Art. 320 Abs. 2 OR ergänzt, ein solcher Vertrag gelte «auch dann als abgeschlossen, wenn der Arbeitgeber Arbeit in seinem Dienst auf Zeit entgegennimmt, deren Leistung nach den Umständen nur gegen Lohn zu erwarten ist».
Das ist ein Erklärstück, keine Empfehlung: Ob ein konkretes Praktikum unter diese Bestimmungen fällt, hängt vom Einzelfall ab, und für die eigene Situation gibt es Rechtsauskunft bei einer Beratungsstelle, einer Gewerkschaft oder einem Anwaltsbüro. Für den Brief zählt die Folge daraus: Wenn ein Praktikum in aller Regel ein Arbeitsverhältnis auf Zeit ist, dann gehören Eintritt, Dauer und Pensum genauso hinein wie bei jeder anderen Bewerbung. Sie wirken nicht anmassend, sie sind der Vertragsgegenstand.
Der Lehrvertrag ist etwas anderes — er hat im OR seinen eigenen Abschnitt. Wer sich um eine Lehrstelle bewirbt, schreibt deshalb einen anderen Brief als für ein Praktikum, auch wenn beides «erste Stelle» heisst.
Der Bund schreibt seine Bedingungen hin — der Rest nicht
Öffentliche Arbeitgeber sind bei Praktika überproportional vertreten: 16,7 Prozent der Praktikumsinserate unserer Auswertung stammen von Arbeitgebern, deren Name auf Kanton, Stadt, Bund, Hochschule oder Spital hinweist, gegenüber 9,4 Prozent über alle Inserate. In unserem Bestand stehen Praktika des Kantons Bern, des Kantons Thurgau, von Agroscope, dem SECO und mehreren Kantonsspitälern.
Das ist für den Brief ein Vorteil, weil diese Stellen ihre Zulassungsregeln veröffentlichen, statt sie im Auswahlgespräch zu prüfen. Das Stellenportal der Bundesverwaltung nennt für Hochschulpraktika: maximal sechs Monate während des Bachelorstudiums, maximal zwölf Monate nach Bachelor oder Master, insgesamt höchstens zwölf Monate, Pensum «normalerweise 80% bis 100%», dazu der Satz «Kurzfristige (weniger als 6 Monate) sowie unentgeltliche Praktika sind nicht möglich». Unter dem, was der Bundesverwaltung wichtig ist, steht «Gute Kenntnisse in zwei von drei Amtssprachen (teilweise auch Englisch)».
Wer sich dort bewirbt, kann den Brief also gegen eine öffentliche Prüfliste schreiben: Diplomdatum, Immatrikulationsstatus, Fenster von mindestens sechs Monaten, Pensum, Sprachen mit Stufe. Bei privaten Arbeitgebern existiert dieselbe Liste im Kopf der Person, die liest — nur unveröffentlicht. Der Brief, der sie beantwortet, ohne gefragt zu sein, spart der Gegenseite den ersten Anruf.
Was statt Berufserfahrung im Brief steht
Ein Praktikumsbrief soll nicht Erfahrung behaupten, die es nicht gibt, und auch nicht um Nachsicht bitten. Er soll eine Anschlussstelle zeigen. Am besten funktioniert dafür das, was im Inserat ohnehin steht: ein Werkzeug. In Praktikumsinseraten mit Text kommt bei 18,0 Prozent ein konkreter Programm- oder Werkzeugname vor, im Gesamtmarkt bei 8,0 Prozent. Ein Satz wie «Auswertungen in Python und SQL habe ich in der Semesterarbeit über Velozählstellen gemacht, Ergebnis war ein Bericht von zwölf Seiten» ist überprüfbar und dauert eine Zeile.
Der zweite Anschluss ist die Arbeitsform. 42,0 Prozent der Praktikumsinserate mit Text sprechen von einem Team, 20,7 Prozent von einem eigenen Projekt und 9,8 Prozent von Betreuung oder Begleitung. Wenn du im Studium ein Gruppenprojekt zu Ende gebracht hast, gehört genau diese Erfahrung hin — nicht als Eigenschaft («teamfähig»), sondern als Vorgang mit Ergebnis.
Und der dritte ist das Fach. Praktikumsinserate häufen sich nicht dort, wo der Markt am grössten ist: 21,1 Prozent der Praktikumstitel liegen im Bereich Informatik und Technik, 8,9 Prozent in Marketing und Kommunikation — dort sind es über alle Inserate nur 2,9 Prozent. Umgekehrt sind Gesundheit und Soziales mit 4,3 Prozent der Praktikumstitel schwächer vertreten als im Gesamtmarkt mit 6,9 Prozent. Wer in Marketing sucht, findet also anteilig mehr Praktika als der Gesamtmarkt vermuten lässt; wer in der Pflege sucht, weniger — und schreibt entsprechend breiter.
Wohin der Brief geht
Praktika verteilen sich regional anders als der übrige Markt. Von den Inseraten, die wir einem Kanton zuordnen können, entfallen 27,8 Prozent der Praktikumsinserate auf Zürich und 18,4 Prozent auf die Waadt — bei allen Inseraten sind es 23,8 beziehungsweise 8,7 Prozent. Innerhalb der Waadt ist damit jedes 15. Inserat ein Praktikum (6,8 Prozent), in Zürich jedes 27. (3,7 Prozent), in Bern jedes 45. (2,2 Prozent).
Das ist keine Aufforderung umzuziehen, sondern eine Angabe zum Aufwand: Wer in Lausanne oder Genf sucht, schreibt auf Französisch weniger Briefe pro Zusage als jemand, der dieselbe Suche auf Deutsch in Bern führt. Und wer beides kann, verdoppelt das Feld.
Zum Schluss die Streuung: In unserer Auswertung schreiben 284 verschiedene Arbeitgeber ein Praktikum aus, die zehn grössten halten zusammen 26,6 Prozent der Praktikumsinserate, und 63 Prozent dieser Arbeitgeber haben genau ein einziges Praktikum offen. Grosse Programme wie bei Roche, Nestlé, CHANEL, On, EY oder Coop sind sichtbar, aber sie sind nicht der Markt. Die Mehrheit der Adressen vergibt eine Stelle — und liest dafür einen Brief, in dem Datum, Dauer und ein Werkzeug stehen.
Die Marktangaben stammen aus unserer laufenden Auswertung der von uns erfassten Schweizer Stelleninserate, Stand 23. August 2026. Als Praktikumsinserat zählt ein Inserat, dessen Titel einen Praktikumsbegriff enthält (Praktikum, Praktikant, Stage, Stagiaire, Stagista, Tirocinio, Internship, Intern); Lehrstellen und reine Trainee-Programme sind nicht mitgezählt. Angaben zu Formulierungen beziehen sich auf den Inseratstitel und die uns vorliegende Kurzfassung des Textes — ein fehlender Begriff heisst «nicht erwähnt», nicht «ausgeschlossen». Vorlaufzeiten sind aus dem Publikationsdatum und dem im Titel genannten Startmonat gerechnet und stützen sich auf die 45 Inserate, bei denen beides vorliegt. Kantonsanteile beziehen sich nur auf Inserate, deren Arbeitsort einem Kanton zugeordnet werden kann. Arbeitgeber werden über den normalisierten Firmennamen zusammengefasst. Wir veröffentlichen Anteile, keine absoluten Bestandszahlen. Die Rechtsangaben stammen aus dem OR in der Fassung auf fedlex.admin.ch und ersetzen keine Rechtsberatung; die Praktikumsbedingungen sind die vom Stellenportal der Bundesverwaltung publizierten und gelten für Hochschulpraktika des Bundes, nicht allgemein.
Quellen
Verwandte Fragen
Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%