Alle Fragen

Motivationsschreiben

Welche Formulierungen wirken veraltet?

Aktualisiert:

Kurz gesagt

Vier Formeln altern am schnellsten: «Hiermit bewerbe ich mich», «anbei erhalten Sie meine Bewerbungsmappe», «Ich erlaube mir» und «Hochachtungsvoll». Alle vier stammen aus einem Verfahren, das es nicht mehr gibt — einem Papierdossier in einem Couvert. Die verlässliche Probe ist aber keine Stilliste, sondern das Inserat selbst: «Lehrling», «EDV» und «Hilfskraft» stehen in keinem einzigen deutschsprachigen Stellentitel unseres Bestands, «Lernende» oder «Lehrstelle» dagegen in 6,0 Prozent. Nimm die Bezeichnung, die der Betrieb selbst verwendet.

Das Alter einer Formulierung hat fast immer denselben Grund: Sie beschreibt einen Vorgang, den es so nicht mehr gibt. «Beiliegend», «anbei» und «in der Anlage» setzen ein Couvert voraus, in dem etwas beiliegt. «Hiermit» ist die Sprache der Willenserklärung — «hiermit kündige ich» —, und sie zeigt auf ein Schriftstück, das übergeben wird. Wenn dein Brief als zweite Datei in ein Formularfeld geladen wird, zeigt «hiermit» auf nichts.

Der zweite Fehler ist der umgekehrte: aus Angst vor Altmodischem alles zu modernisieren. Das geht in der Schweiz oft schief. «Sachbearbeiter» steht in 1,5 Prozent der deutschsprachigen Stellentitel, «Buchhalter» oder «Buchhaltung» in 0,7 Prozent — mehr als «Accountant» oder «Finance» mit 0,5 Prozent. «Chauffeur» kommt mit 0,3 Prozent häufiger vor als «Fahrer» und «Driver» zusammen mit 0,1 Prozent. Diese Wörter klingen nur für ausländische Ohren alt; hier sind sie die laufende Berufsbezeichnung.

Was im deutschsprachigen Stellentitel steht — und was nicht mehr
Was im deutschsprachigen Stellentitel steht — und was nicht mehrLernende, Lehrstelle6Prozent der deutschsprachigen InserateIT, Informatik, ICT4.6Prozent der deutschsprachigen InserateAssistenz, Office Manager3.1Prozent der deutschsprachigen InserateSales, Account Manager2.4Prozent der deutschsprachigen InserateSachbearbeiter1.5Prozent der deutschsprachigen InserateBuchhalter, Buchhaltung0.7Prozent der deutschsprachigen InserateSekretärin, Sekretariat0.3Prozent der deutschsprachigen InserateLehrling, EDV, Hilfskraft0Prozent der deutschsprachigen Inserate

Gemessen an den aktiven deutschsprachigen Inseraten auf SwissJobs.app, Stand 23. August 2026. Gezählt wird das Vorkommen des Worts im Stellentitel, also in der Schreibweise des Arbeitgebers. Die unterste Zeile fasst drei Wörter zusammen, die zusammen auf 0,0 Prozent kommen; «Personalwesen» und «Personalabteilung» ebenfalls.

  • «Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle» → «Ich bewerbe mich als Pflegefachfrau HF, 80 Prozent, Inserat vom 12. August». Der erste Satz sagt nur, dass du dich bewirbst — was aus der Betreffzeile bereits hervorgeht. Der zweite sagt, auf welche von mehreren Ausschreibungen desselben Hauses.
  • «Anbei / beiliegend / in der Anlage erhalten Sie meine Unterlagen» → weglassen. Wenn du hochlädst, liegt nichts bei. Braucht es doch eine Zeile, dann die Beilagenzeile am Fuss des Briefs: berufsberatung.ch führt sie als eigenes Element und erlaubt ausdrücklich, bei Platzmangel nur «Bewerbungsunterlagen» zu schreiben.
  • «Ich erlaube mir, Ihnen meine Unterlagen zuzustellen» → «Meine Zeugnisse und Diplome liegen bei.» Um Erlaubnis zu bitten, wo eine Ausschreibung vorliegt, wirkt nicht höflich, sondern unsicher. Dasselbe gilt für «Ich gestatte mir» und «Ich möchte mich erlauben».
  • «Hochachtungsvoll» und «Mit vorzüglicher Hochachtung» → «Freundliche Grüsse». Das ist die Formel, die die offizielle Vorlage von berufsberatung.ch druckt. Hochachtungsvoll gehört in behördlichen Schriftverkehr und liest sich in einer Bewerbung wie ein Zitat aus einem alten Formularbuch.
  • «Mit freundlichen Grüßen» → «Freundliche Grüsse». Das ß ist die auffälligste Kleinigkeit, an der ein aus Deutschland übernommener Brief erkennbar wird: In unserem Bestand tragen 0,2 Prozent der deutschsprachigen Stellentitel ein ß — und jeder einzelne davon trägt zugleich eine Geschlechtsklammer deutscher Bauart.
  • «Ich würde mich über die Gelegenheit freuen, mich Ihnen persönlich vorstellen zu dürfen» → «Für ein Gespräch bin ich ab dem 1. Oktober jederzeit verfügbar.» Der Konjunktiv bittet um etwas, das ohnehin der nächste Schritt ist. Ein Datum ist eine Auskunft, die der Betrieb wirklich braucht.

Die vier Sätze, die zuverlässig alt klingen

«Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als …» ist der häufigste erste Satz in deutschsprachigen Bewerbungen und der am leichtesten zu ersetzende. «Hiermit» ist ein Wort aus der Willenserklärung: hiermit kündige ich, hiermit bestätige ich, hiermit trete ich zurück. Es verweist auf das Schriftstück selbst, das man in der Hand hält. In einer Datei, die als zweiter Anhang in ein Formular geladen wird, verweist es auf nichts. Dazu kommt: Der Satz trägt keine Information, die nicht bereits in der Betreffzeile steht.

«Anbei erhalten Sie meine Bewerbungsmappe», «beiliegend sende ich Ihnen» und «in der Anlage finden Sie» sind Beilagenverben. Sie setzen ein Couvert voraus, in dem tatsächlich etwas beiliegt. Das Wort «Bewerbungsmappe» kommt aus der Zeit, als der Karton mit dem Klemmrücken zurückgeschickt wurde und die Rückgabe ein eigenes Thema in Bewerbungsratgebern war. Wer heute «Mappe» schreibt, beschreibt einen Gegenstand, der auf der Gegenseite nie existiert hat.

«Ich erlaube mir» und «Ich gestatte mir, Ihnen meine Unterlagen zuzustellen» sind Höflichkeitsformeln aus der Zeit, als eine unaufgeforderte Zusendung tatsächlich eine kleine Zumutung war. Auf ein Inserat hin ist die Zusendung genau das, worum gebeten wurde. Die Formel verkleinert dich in einem Moment, in dem du nichts zu erbitten hast — und sie fällt auf, weil niemand mehr so spricht.

«Hochachtungsvoll» und erst recht «Mit vorzüglicher Hochachtung» sind Schlussformeln des behördlichen und diplomatischen Schriftverkehrs. Die offizielle Musterbriefseite von berufsberatung.ch — sie gehört dem SDBB im Auftrag der Kantone — druckt an dieser Stelle «Freundliche Grüsse, digitale Unterschrift, dein Vor- und Nachname». Das ist die Schweizer Standardformel, und sie ist in keinem Verfahren zu wenig.

Die Probe ist der Stellentitel, nicht die Stilliste

Stilratgeber altern selbst. Eine Liste veralteter Wendungen ist zwei Jahre nach dem Erscheinen halb falsch, und sie ist fast immer für den deutschen Markt geschrieben. Es gibt einen Prüfstein, der nicht altert und der genau für die Stelle gilt, um die du dich bewirbst: das Inserat. Der Arbeitgeber hat dort seine eigene Berufsbezeichnung hingeschrieben, und die ist per Definition aktuell.

Wie deutlich dieser Prüfstein ausschlägt, zeigt eine Auszählung der deutschsprachigen Stellentitel in unserem Bestand. «Lehrling» kommt in keinem einzigen vor. «EDV» in keinem. «Hilfskraft» und «Hilfsarbeiter» in keinem. «Personalwesen», «Personalbüro» und «Personalabteilung» kommen zusammen auf ein einziges Inserat. Das sind vier Wörter, die in den Neunzigerjahren in jeder zweiten Stellenanzeige standen.

Ihre Nachfolger sind gut belegt: «Lernende» oder «Lehrstelle» in 6,0 Prozent der deutschsprachigen Titel, «IT», «Informatik» oder «ICT» in 4,6 Prozent, «Assistenz» oder «Office Manager» in 3,1 Prozent, «Sales» oder «Account Manager» in 2,4 Prozent, «HR» oder «Human Resources» in 0,9 Prozent. Wer sich als «Sekretärin im Personalwesen» bewirbt, während das Inserat eine «HR-Assistenz» sucht, hat nicht nur ein Stilproblem, sondern nennt sich anders als die Stelle, die er will.

Deshalb ist die stärkste Einzelmassnahme gegen veraltete Sprache banal: Übernimm die Berufsbezeichnung wörtlich aus dem Inserat in die Betreffzeile. Berufsberatung.ch schreibt das so vor — «Berufsbezeichnung einfügen wie im Lehrstelleninserat» —, und für Erwachsenenbewerbungen gilt es genauso. Was aus dem Inserat stammt, kann nicht veraltet sein.

Nicht jedes altmodische Wort ist wirklich alt

Der umgekehrte Fehler ist häufiger, als es die Ratgeber zugeben: Man modernisiert Wörter, die in der Schweiz völlig lebendig sind. «Sachbearbeiter» gilt in vielen Listen als abgelegt — er steht in 1,5 Prozent der deutschsprachigen Stellentitel und ist damit häufiger als «HR» und «Human Resources» zusammen. «Buchhalter» und «Buchhaltung» kommen auf 0,7 Prozent, «Accountant» und «Finance» im Titel auf 0,5 Prozent. Wer seinen Buchhalterposten im Lebenslauf zum «Finance Specialist» umbenennt, entfernt sich von der Sprache des Marktes, statt sich ihr anzunähern.

Am deutlichsten ist es beim Chauffeur. Das Wort klingt für deutsche und österreichische Ohren nach Vorkriegszeit; in der Schweiz ist es die normale Berufsbezeichnung und steht in 0,3 Prozent der deutschsprachigen Titel — häufiger als «Fahrer» und «Driver» zusammen, die auf 0,1 Prozent kommen. Ein Chauffeur, der sich «Berufskraftfahrer» nennt, hat sich sprachlich nach Norden verschoben.

Und die Bewegung geht nicht nur in eine Richtung. «Mitarbeitende» — die Form, die viele Sprachleitfäden inzwischen als die zeitgemässe empfehlen — steht in 0,1 Prozent der deutschsprachigen Stellentitel. «Mitarbeiter» und «Mitarbeiterin» stehen in 4,6 Prozent. Im Fliesstext vieler Inserate ist das Verhältnis anders; im Titel, also dort, wo der Arbeitgeber knapp und bewusst formuliert, ist die neutrale Form die Ausnahme geblieben.

Die Regel, die sich daraus ergibt, ist einfacher als jede Liste: Modernisiere nichts, was du aus dem Inserat abschreiben kannst. Modernisiere nur die Wendungen, die du selbst hinzufügst — die Einleitungsformel, die Beilagenfloskel, die Schlussformel. Dort liegt die veraltete Sprache, nicht in der Berufsbezeichnung.

Das ß ist der auffälligste Import

Es gibt eine Formulierung, die nicht veraltet wirkt, sondern ortsfremd, und die trotzdem in fast jedem zweiten aus Deutschland mitgebrachten Brief steht: «Mit freundlichen Grüßen». In der Schweiz gibt es das ß im Schriftbild nicht; es wird durchgehend als ss geschrieben. «Grüße», «größtes Interesse», «Straße» und «gemäß» sind darum keine Stilfrage, sondern ein Ortszeichen.

Wie stark dieses Zeichen trennt, lässt sich messen. In den deutschsprachigen Stellentiteln unseres Bestands trägt 0,2 Prozent ein ß — und jeder einzelne dieser Titel trägt zugleich eine Geschlechtsklammer deutscher Bauart, also die Schreibweise mit m, w und d. Das ß reist nie allein. Wo es auftaucht, stammt der Text aus einem deutschen Haus, und der Leser sieht das, bevor er den ersten Satz liest.

Dasselbe gilt für ein Wortpaar, das weniger auffällt, aber in dieselbe Richtung zeigt. «Auszubildende» und «Azubi» kommen in keinem einzigen deutschsprachigen Stellentitel unseres Bestands vor, während «Lernende» oder «Lehrstelle» in 6,0 Prozent stehen. Wer den deutschen Ausdruck verwendet, benennt dieselbe Ausbildung mit einem Wort, das der Schweizer Markt nicht schreibt — und das, anders als das ß, nicht einmal als Rechtschreibfehler auffällt, sondern als Herkunftsangabe.

Für dich heisst das: Bevor du einen Brief aus einer früheren Bewerbung wiederverwendest, suche nach dem ß und nach den Wörtern «Azubi» und «Auszubildende». Das ist eine Minute Arbeit und beseitigt den auffälligsten Teil dessen, was Leser als «altmodisch» wahrnehmen — obwohl es in Wahrheit nur fremd ist.

Was nur scheinbar veraltet ist

Drei Elemente werden regelmässig aus Bewerbungen gestrichen, weil sie altmodisch klingen, und in allen drei Fällen empfiehlt die offizielle Schweizer Anleitung genau das Gegenteil.

Erstens die Beilagenzeile. Sie sieht nach Papier aus, steht aber auf der Musterbriefseite von berufsberatung.ch als eigenes, nummeriertes Element: «Liste die Beilagen auf. Bei Platzmangel kannst du auch nur ‹Bewerbungsunterlagen› schreiben.» Sie ist also nicht abgeschafft, sondern verkürzt. Was veraltet ist, ist die Aufzählung «Lebenslauf, Zeugniskopien, Diplomkopien, Referenzen, Passfoto» über vier Zeilen — nicht die Zeile selbst.

Zweitens der Referenzhinweis. «Referenzen auf Anfrage» gilt in angelsächsischen Ratgebern als Füllsatz. Arbeit.swiss, die Seite des SECO, schreibt dagegen ausdrücklich: Im Lebenslauf werde in der Regel vermerkt, dass Referenzen auf Anfrage bekannt gegeben werden, und ein separates Blatt mit Referenzpersonen könne im Bewerbungsgespräch abgegeben werden. Wer den Hinweis streicht, weil er ihn für alt hält, weicht von der amtlichen Empfehlung ab.

Drittens «Sehr geehrte Damen und Herren». Die Sammelanrede ist keine Verlegenheitslösung, sondern die vorgesehene Form, wenn kein Name im Inserat steht: Die Musterseite führt sie gleichrangig neben «Sehr geehrte Frau Muster» und begründet sie mit «wenn du den Namen der zuständigen Person nicht kennst». Sie zu ersetzen — durch «Hallo zusammen», «Guten Tag Recruiting-Team» oder gar keine Anrede — ist die riskantere Wahl, nicht die modernere.

Der gemeinsame Nenner: Veraltet sind Formulierungen, die einen verschwundenen Vorgang beschreiben — Couvert, Mappe, Rücksendung, Erlaubnis. Nicht veraltet sind Formulierungen, die eine bestehende Konvention bedienen, auch wenn sie förmlich klingen. Die Probe ist nicht, wie alt ein Satz klingt, sondern ob das, was er behauptet, noch stattfindet.

Die Marktzahlen stammen aus den am 23. August 2026 auf SwissJobs.app aktiven Inseraten und sind durchwegs Anteile, nie Bestandsgrössen. Grundlage der Wortauszählungen ist der Stellentitel in der Schreibweise des Arbeitgebers; Bezugsgrösse sind jene Inserate, deren Textsprache eindeutig als Deutsch bestimmt ist. Gezählt wird das Vorkommen einer Schreibweise, nicht ihre Bedeutung: «IT» erfasst auch Titel, in denen das Kürzel Teil einer Abteilungsbezeichnung ist. Die Angaben zur Anrede, zur Beilagenzeile, zur Schlussformel und zum Referenzhinweis stammen wörtlich von arbeit.swiss (SECO) und von berufsberatung.ch (SDBB), beide abgerufen am 23. August 2026.

Bewerbungsschreiben aus dem Inserat erstellen: gratis

Quellen

Verwandte Fragen

← Alle Fragen

Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt

Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.

Sprache der Inserate

Deutsch
60%
English
23%
Français
13%
Italiano
3%

Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen

Deutsch
70%
English
43%
Français
21%
Italiano
3%

19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%