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RAV & Arbeitslosigkeit

Bekomme ich Arbeitslosengeld, wenn ich selbst gekündigt habe?

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Kurz gesagt

Grundsätzlich ja — der Anspruch entfällt nicht, weil du selbst gekündigt hast. Aber die Arbeitslosenkasse stellt dich für eine gewisse Zeit in der Anspruchsberechtigung ein: Wer durch eigenes Verschulden arbeitslos wird, erhält laut SECO je nach Verschulden eine Einstellung von 1 bis 60 Tagen. Das sind Tage, an denen kein Taggeld ausbezahlt wird, die aber vom Anspruch abgezogen werden.

Verbindlich sind allein die Verfügung deiner Arbeitslosenkasse und die Auskunft deines RAV. Ob und wie stark eine eigene Kündigung sanktioniert wird, ist eine Einzelfallbeurteilung. Dieser Text ist redaktionell, keine Rechtsberatung.

Eine eigene Kündigung ist damit kein Ausschlussgrund, sondern ein Kostenfaktor. Der Unterschied ist wichtig: Viele verzichten aus Angst vor dem Totalverlust darauf, sich überhaupt anzumelden, und verlieren dadurch weit mehr als die Einstelltage, die tatsächlich gedroht hätten.

Alle übrigen Voraussetzungen musst du unabhängig davon erfüllen — insbesondere mindestens zwölf Monate Beitragszeit innerhalb der letzten zwei Jahre vor der Anmeldung. Diese Bedingung scheitert häufiger als die Verschuldensfrage.

Wie viel Taggeld ausbezahlt wird
Wie viel Taggeld ausbezahlt wirdmit Kindern oder tiefem Verdienst80%in allen übrigen Fällen70%

Anteil des versicherten Verdienstes. 80 Prozent gelten unter anderem bei unterhaltspflichtigen Kindern unter 25 Jahren, bei tiefem versichertem Verdienst oder bei einer Invalidität ab 40 Prozent; sonst 70 Prozent. Quelle: SECO.

  • Die Einstellung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit beträgt je nach Verschulden 1 bis 60 Tage.
  • Der Anspruch selbst bleibt bestehen — die Einstelltage kürzen ihn, sie heben ihn nicht auf.
  • Vorausgesetzt sind mindestens zwölf Monate Beitragszeit in den letzten zwei Jahren vor der Anmeldung.
  • Das Taggeld beträgt 70 Prozent des versicherten Verdienstes, in bestimmten Fällen 80 Prozent.
  • Zusätzlich gilt in der Regel eine allgemeine Wartezeit von fünf Tagen kontrollierter Arbeitslosigkeit.
  • Die Höchstbezugsdauer beträgt zwei Jahre innerhalb der Rahmenfrist.

Einstelltage nach dem Grund der Arbeitslosigkeit

GrundEinstellung in der AnspruchsberechtigungGrundlage
Selbst gekündigt ohne zumutbaren Grund31–60 Tage (schweres Verschulden)AVIV Art. 45 Abs. 3
Selbst gekündigt mit zumutbarem Grund (z. B. Gesundheit, Mobbing)in der Regel keineAVIG Art. 30 Abs. 1 lit. a
Auflösung im gegenseitigen Einvernehmenwird wie eine Eigenkündigung geprüftAVIG Art. 30 Abs. 1 lit. a
Kündigung durch den Arbeitgeberkeine—
Verschulden am Verlust der Stelle1–60 Tage je nach SchwereAVIV Art. 45 Abs. 3
Zu späte Anmeldung beim RAVTaggeld erst ab AnmeldungAVIG Art. 17 Abs. 2

Nach AVIV Art. 45. «Einstelltage» sind Tage ohne Taggeld, nicht ein Verlust des Anspruchs. Die Schwere bestimmt das RAV im Einzelfall — die Spannen sind die gesetzlichen. Stand 7. September 2026.

Was «selbstverschuldet» im Einzelfall bedeutet

Die Einstellung knüpft nicht an die Form der Beendigung an, sondern an das Verschulden. Eine eigene Kündigung ist der klarste Fall, aber nicht der einzige: Auch eine Entlassung, die du durch dein Verhalten veranlasst hast, kann als selbstverschuldet gelten, und ebenso ein Aufhebungsvertrag, dem du zugestimmt hast.

Umgekehrt ist nicht jede eigene Kündigung gleich schwer zu gewichten. Die Kasse beurteilt, ob dir zumutbar gewesen wäre, die Stelle zu behalten. Gesundheitliche Gründe, ein belegter Konflikt, unhaltbare Arbeitsbedingungen oder ein Arbeitgeber, der vertragliche Pflichten verletzt, fliessen in diese Beurteilung ein — vorausgesetzt, du kannst sie belegen.

Ein häufiger und teurer Fall ist die Kündigung im Vertrauen auf eine neue Stelle, die dann nicht zustande kommt oder in der Probezeit endet. Wer wegen einer Zusage kündigt, sollte diese schriftlich haben, bevor er kündigt — mündliche Zusagen helfen später weder gegenüber dem neuen Arbeitgeber noch gegenüber der Kasse.

Entscheidend ist in allen Varianten die Dokumentation. Was du im Anmeldegespräch belegen kannst — Arztzeugnisse, Korrespondenz, der schriftliche Vertrag, der nicht eingehalten wurde —, wird berücksichtigt. Was du nur erzählst, in der Regel nicht.

Die Voraussetzungen, die unabhängig vom Verschulden gelten

Bevor die Verschuldensfrage überhaupt relevant wird, muss der Anspruch bestehen. Die zentrale Hürde ist die Beitragszeit: Du musst innerhalb der letzten zwei Jahre vor der Anmeldung mindestens zwölf Monate beitragspflichtige Beschäftigung nachweisen.

Das trifft in der Praxis mehr Menschen als erwartet. Wer nach einem längeren Auslandaufenthalt, nach einem Studium oder nach einer Familienphase zurückkommt, erfüllt diese Bedingung oft nicht ohne Weiteres. Auch eine Kette kurzer Einsätze kann knapp scheitern. Prüfe das, bevor du eine Entscheidung auf den Anspruch stützt.

Dazu kommen die laufenden Bedingungen: Du musst in der Schweiz wohnen, vermittlungsfähig sein — also bereit und in der Lage, eine zumutbare Stelle anzunehmen —, dich beim RAV anmelden und die Kontrollvorschriften einhalten. Vermittlungsfähigkeit ist der Punkt, an dem etwa eine gleichzeitig aufgenommene selbständige Tätigkeit oder ein Vollzeitstudium zum Problem wird.

Und es gilt die Suchpflicht schon vor der Arbeitslosigkeit. Wer selbst kündigt, hat diese Pflicht ab dem Tag der Kündigung — hier addieren sich sonst zwei Sanktionsgründe: die selbstverschuldete Arbeitslosigkeit und die ungenügenden Arbeitsbemühungen vor der Anmeldung.

Wie hoch das Taggeld ausfällt

Das Taggeld beträgt 70 Prozent des versicherten Verdienstes. Auf 80 Prozent steigt es unter anderem, wenn du unterhaltspflichtige Kinder unter 25 Jahren hast, wenn der versicherte Verdienst tief ist — die Grenze liegt bei CHF 3797 im Monat — oder wenn eine Invalidität von mindestens 40 Prozent vorliegt.

Der versicherte Verdienst bemisst sich am bisherigen Lohn, nach oben begrenzt durch den Höchstbetrag der Unfallversicherung. Wer deutlich darüber verdient hat, erhält also spürbar weniger als 70 Prozent des tatsächlichen bisherigen Einkommens — ein Punkt, der bei der Planung regelmässig unterschätzt wird.

Die Höchstbezugsdauer beträgt zwei Jahre innerhalb der Rahmenfrist. Wie viele Taggelder dir innerhalb dieser Frist zustehen, hängt von Beitragszeit, Alter und Unterhaltspflichten ab; die Kasse rechnet das bei der Anmeldung aus.

Einstelltage kürzen die Auszahlung, verlängern aber die Rahmenfrist nicht. Sie sind damit ein echter Verlust und nicht bloss eine Verschiebung — was den Unterschied zwischen 1 und 60 Tagen sehr konkret macht.

Wartezeiten kommen zusätzlich dazu

Neben den Einstelltagen gibt es Wartezeiten, und die beiden werden oft verwechselt. Die allgemeine Wartezeit beträgt in der Regel fünf Tage kontrollierter Arbeitslosigkeit und gilt unabhängig von jedem Verschulden.

Dazu kommen besondere Wartezeiten, die sich nach dem versicherten Verdienst und nach Unterhaltspflichten richten. Sie reichen von null bis zwanzig Tagen: Wer gut verdient hat und keine Unterhaltspflichten trägt, wartet am längsten, wer wenig verdient hat oder Kinder hat, gar nicht oder nur kurz.

Im ungünstigen Fall summieren sich also drei Dinge: die allgemeine Wartezeit, eine besondere Wartezeit und die Einstelltage wegen eigener Kündigung. Genau diese Kumulation ist der Grund, warum zwischen Anmeldung und erster Zahlung mehrere Wochen liegen können.

Plane deshalb finanziell mit einem Puffer und nicht mit dem Tag der Anmeldung. Wer selbst kündigt, sollte diesen Puffer vor der Kündigung bereitlegen — er ist der eigentliche Preis der Entscheidung.

Was du tun solltest, bevor du kündigst

Hol die Zusage der neuen Stelle schriftlich ein, bevor du die alte kündigst. Das ist die eine Massnahme, die den häufigsten und teuersten Fehlerfall vollständig ausschliesst.

Wenn du ohne Anschlussstelle kündigst, kläre vorher deine Beitragszeit und lass dir beim RAV oder bei der Kasse den Ablauf erklären. Eine Auskunft vor der Kündigung kostet nichts und verändert manchmal die Entscheidung — etwa wenn sich zeigt, dass ein Zuwarten um zwei Monate die Beitragszeit sichert.

Sammle die Belege für deine Gründe, solange du sie noch bekommst. Arztzeugnisse, E-Mails, Protokolle, der Arbeitsvertrag und allfällige Verwarnungen sind später schwerer zu beschaffen, wenn der Kontakt zum Betrieb abgebrochen ist.

Und beginne mit den Bewerbungen ab dem Tag, an dem die Kündigung ausgesprochen ist — nicht ab dem letzten Arbeitstag. Diese Bemühungen sind Pflicht, sie werden geprüft, und sie sind bei einer eigenen Kündigung der einfachste Weg, wenigstens den zweiten Sanktionsgrund zu vermeiden.

Was Betroffene berichten

  • Beratungsfachleute weisen wiederkehrend darauf hin, dass viele Einstelltage vermeidbar wären: Betroffene kennen die Anforderungen der Arbeitslosenversicherung zu Beginn nicht vollständig oder schätzen sie falsch ein — und werden deshalb bereits am Anfang der Arbeitslosigkeit sanktioniert. Zugleich wird betont, dass Einstelltage kostspielig sind, weil sie sich am versicherten Verdienst bemessen.

    Wiederkehrende Beobachtung in deutschsprachigen LinkedIn-Beiträgen von Beratungs- und Versicherungsfachleuten, ausgewertet im August 2026.

  • Ausdrücklich hingewiesen wird darauf, dass unbezahlte Arbeit während der Arbeitslosigkeit nicht nur unklug, sondern unzulässig ist. Wer die Zeit mit einem Gratiseinsatz überbrücken will, riskiert damit den Anspruch statt ihn zu sichern.

    Wiederkehrender Hinweis in deutschsprachigen LinkedIn-Beiträgen aus der Versicherungs- und Karriereberatung, ausgewertet im August 2026.

  • Fachbeiträge behandeln die Rechte und Pflichten ausdrücklich auch für die Zeit vor Eintritt der Arbeitslosigkeit und schliessen die Konstellation der Arbeitnehmerkündigung ein. Dass diese Phase eigene Pflichten auslöst, wird als das am häufigsten unterschätzte Element beschrieben.

    Wiederkehrendes Thema in deutschsprachigen LinkedIn-Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung, ausgewertet im August 2026.

Rechtliche Angaben nach den Informationsseiten des SECO für Stellensuchende, insbesondere den Antworten zur Arbeitslosenentschädigung, Stand August 2026, sowie dem Arbeitslosenversicherungsgesetz. Beträge und Fristen können ändern; verbindlich ist die Verfügung deiner Arbeitslosenkasse.

RAV-Anmeldung: Ablauf, Fristen und Pflichten

Quellen

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