Gibt es Jobs ohne Deutschkenntnisse?
Aktualisiert:
Kurz gesagt
Ja. Von den Schweizer Inseraten, die überhaupt eine Sprachanforderung nennen, verlangen 36,2 Prozent kein Deutsch auf Arbeitsniveau. Nur ist «ohne Deutsch» nicht dasselbe wie «auf Englisch»: Bloss 55,9 Prozent dieser Stellen lassen sich mit Englisch bearbeiten. 27,7 Prozent verlangen Französisch und kein Englisch, 4,7 Prozent Italienisch und kein Englisch. Die erste Frage ist deshalb nicht, wo die deutschfreien Stellen liegen, sondern welche andere Sprache du mitbringst.
Danach entscheidet die Landesgegend. In der Deutschschweiz kommen 22,4 Prozent der Inserate mit Sprachangabe ohne Deutsch aus, in der Romandie 86,7 und im Tessin 88,5 Prozent. Weil die Deutschschweiz so viel mehr Stellen ausschreibt, teilt sich der deutschfreie Markt am Ende trotzdem fast hälftig: 48,7 Prozent dieser Inserate stehen in der Deutschschweiz, 47,4 Prozent in der Romandie, 3,9 Prozent im Tessin.
Der dritte Punkt ist der, an dem die meisten Suchen scheitern. Deutschfreie Inserate sind zu 59,4 Prozent auf Englisch verfasst, zu 32,5 Prozent auf Französisch und zu 5,4 Prozent auf Italienisch — aber nur zu 2,5 Prozent auf Deutsch. Wer auf Deutsch sucht, sieht also fast nur den Teil des Marktes, der Deutsch verlangt: Ein deutsch geschriebenes Inserat ist in bloss 1,5 Prozent der Fälle ohne Deutsch zu bearbeiten.
Und wenn Deutsch dasteht, steht es meist hart da. Von allen Nennungen des Deutschen in den Anforderungen entfallen 88,7 Prozent auf Berufsniveau und 2,5 Prozent auf Muttersprachenniveau; nur 8,3 Prozent verlangen Konversationsniveau und 0,4 Prozent Grundkenntnisse. «Ein bisschen Deutsch» ist in Schweizer Inseraten selten die gestellte Anforderung — dafür nennen 6 Prozent aller Inserate mit Sprachangabe Deutsch ausschliesslich in dieser weichen Form, und genau die gehören auf deine Liste.
Je Sprachregion, gerechnet auf die Inserate, die überhaupt eine Sprachanforderung nennen. Laufende Auswertung der von uns erfassten offenen Schweizer Inserate, Stand 23. August 2026.
- 36,2 Prozent der Inserate mit Sprachangabe verlangen kein Deutsch auf Arbeitsniveau — 63,8 Prozent tun es.
- Von diesen deutschfreien Stellen sind 55,9 Prozent allein auf Englisch zu bearbeiten, 27,7 Prozent verlangen Französisch ohne Englisch, 4,7 Prozent Italienisch ohne Englisch.
- Deutschschweiz 22,4 Prozent, Romandie 86,7, Tessin 88,5 — aber knapp die Hälfte des deutschfreien Angebots steht trotzdem in der Deutschschweiz.
- Innerhalb der Deutschschweiz: Zürich 39,6 Prozent, Zug 38,0, Basel 21,5, Bern 13,3, Winterthur 9,7, St. Gallen 8,3, Aargau 6,9, Luzern 6,6.
- Nur 2,5 Prozent der deutschfreien Inserate sind auf Deutsch geschrieben — eine deutschsprachige Suche findet diesen Markt praktisch nicht.
- Teilzeitstellen sind seltener deutschfrei als Vollzeitstellen: 17,5 gegenüber 30,0 Prozent.
«Ohne Deutsch» ist nicht eine Tür, sondern drei
Die meisten Ratgeber setzen ohne Deutsch mit auf Englisch gleich. Unsere Auswertung sagt etwas anderes: Von den Stellen, die kein Deutsch auf Arbeitsniveau verlangen, sind 55,9 Prozent allein mit Englisch zu bearbeiten, 27,7 Prozent verlangen Französisch und ausdrücklich kein Englisch, und 4,7 Prozent Italienisch ohne Englisch. Rechnet man alle Nennungen zusammen, verlangen 63,5 Prozent der deutschfreien Inserate Englisch und 34,4 Prozent Französisch, oft in Kombination.
Praktisch heisst das: Der Markt, den du erreichst, hängt weniger davon ab, dass dir Deutsch fehlt, als davon, was du stattdessen sprichst. Für eine englischsprachige Person ist gut die Hälfte des deutschfreien Angebots erreichbar. Für eine französischsprachige Person kommt ein zweites, gleich grosses Stück dazu, das mit Englisch allein verschlossen bleibt. Wer beides spricht, sieht praktisch das ganze Feld.
Diese Unterscheidung ist auch der Grund, warum Empfehlungen so oft danebenliegen. «Geh in die IT, geh nach Zug» ist ein Ratschlag für die englische Tür. Wer Französisch spricht, hört damit den falschen Rat: Für ihn liegt das grössere Angebot in Genf, in der Waadt und in Neuenburg, in Berufen, die auf der englischen Liste gar nicht auftauchen.
Wo die deutschfreien Stellen liegen
Nach Anteil ist die Rangfolge eindeutig: Im Tessin verlangen 88,5 Prozent der Inserate mit Sprachangabe kein Deutsch, in der Romandie 86,7 Prozent, in der Deutschschweiz 22,4. Das ist keine Überraschung, sondern die Sprachlandschaft des Landes, wie sie sich in den Anforderungszeilen niederschlägt.
Nach Menge kippt das Bild fast vollständig. Weil die Deutschschweiz weit mehr Stellen ausschreibt, stehen 48,7 Prozent aller deutschfreien Inserate dort — mehr als in der Romandie mit 47,4 Prozent. Das Tessin steuert 3,9 Prozent bei. Wer ohne Deutsch sucht und die Deutschschweiz von vornherein ausschliesst, streicht also fast die Hälfte des für ihn offenen Marktes.
Innerhalb der Deutschschweiz ist das Gefälle steil. In Zürich sind 39,6 Prozent der Inserate mit Sprachangabe ohne Deutsch zu bearbeiten, in Zug 38,0 und in Basel 21,5 Prozent. Danach fällt die Kurve ab: Bern 13,3, Winterthur 9,7, St. Gallen 8,3, die Aargauer Zentren Aarau, Baden und Brugg zusammen 6,9 und Luzern 6,6 Prozent.
Der Abstand zwischen Zürich und Luzern ist damit grösser als der zwischen Zürich und Genf. Zwei Städte, eine Zugstunde auseinander, dieselbe Sprachregion — und ein sechsfacher Unterschied darin, wie oft eine Ausschreibung ohne Deutsch auskommt. Für die Wohnortwahl ist das die härtere Zahl als jede Mietpreisstatistik.
Der Beruf entscheidet härter als der Ort
Über den ganzen Bestand gerechnet sind Forschungsstellen zu 62,5 Prozent ohne Deutsch zu bearbeiten, Pharma- und Life-Sciences-Stellen zu 61,2 und Stellen im Finanzbereich zu 49,7 Prozent. In der IT sind es 28,8, in der Logistik 26,3, in Gastronomie und Hotellerie 23,3, im kaufmännischen Bereich 21,5 Prozent. Am unteren Ende stehen Handwerk mit 16,2, Medizin mit 12,5, Pflege mit 12,2 und Verkauf mit 10,9 Prozent.
Diese Rangliste verschiebt sich dramatisch, sobald man nur die Deutschschweiz betrachtet. Dort sind Handwerksstellen noch zu 3,9 Prozent ohne Deutsch zu bearbeiten, Pflegestellen zu 4,6, Verkaufsstellen zu 5,2 und Arztstellen zu 5,7 Prozent. Forschung bleibt bei 60,2 und Pharma bei 54,8 Prozent.
Der Grund für die Differenz ist der interessanteste Befund dieser Seite: In den praktischen Berufen ist die Tür ohne Deutsch nicht Englisch, sondern Französisch. Von den deutschfreien Pflegeinseraten liegen 65,7 Prozent in der Romandie oder im Tessin, und 71,4 Prozent verlangen Französisch — nur 7,1 Prozent verlangen Englisch. Im Handwerk ist es noch deutlicher: 79,2 Prozent liegen in der Romandie oder im Tessin, 83,8 Prozent verlangen Französisch, 5,2 Prozent Englisch.
Wer also in der Pflege, auf dem Bau, im Verkauf oder in der Gastronomie arbeitet und kein Deutsch spricht, sollte nicht nach englischsprachigen Stellen suchen, sondern nach der Romandie und dem Tessin. Umgekehrt ist die englische Tür in genau diesen Berufen praktisch geschlossen: In der Deutschschweiz bleiben dort nur einstellige Prozentanteile übrig.
In welcher Sprache du suchen musst
Die Sprache der Suchbegriffe entscheidet, welchen Teil des Marktes du überhaupt zu sehen bekommst. Deutschfreie Inserate sind zu 59,4 Prozent englisch verfasst, zu 32,5 Prozent französisch, zu 5,4 Prozent italienisch — und nur zu 2,5 Prozent deutsch. Eine Suche mit deutschen Begriffen deckt also rund ein Fünfzigstel des für dich offenen Angebots ab.
Von der anderen Seite betrachtet: Ein auf Deutsch geschriebenes Inserat ist in 1,5 Prozent der Fälle ohne Deutsch zu bearbeiten. Diese Verbindung ist so eng, dass sie sich als Faustregel nutzen lässt — die Sprache des Inserats sagt dir mit hoher Trefferquote, in welcher Sprache das Team arbeitet.
In die andere Richtung gilt die Regel nicht. 17,1 Prozent der englisch geschriebenen Inserate verlangen im Anforderungsteil trotzdem Deutsch auf Arbeitsniveau, bei den französisch geschriebenen sind es 10,9 Prozent. Ein englisches Inserat ist deshalb ein guter Startpunkt, aber keine Zusage: Es lohnt sich, jedes Mal bis zur Anforderungszeile zu lesen.
Praktisch heisst das drei Suchen statt einer: der englische Berufstitel für die internationale Tür, der französische für die Romandie, der italienische fürs Tessin. Wer nur eine davon macht, sucht in einem Drittel seines Marktes.
Wenn Deutsch dasteht: welches Niveau gemeint ist
Nicht jede Erwähnung des Deutschen ist eine Hürde. Von allen Nennungen des Deutschen in den Anforderungen stehen 88,7 Prozent auf Berufsniveau, 2,5 Prozent auf Muttersprachenniveau, 8,3 Prozent auf Konversationsniveau und 0,4 Prozent auf Grundniveau. Über den ganzen Bestand gerechnet verlangen nur 1,7 Prozent der Inserate mit Sprachangabe Deutsch auf Muttersprachenniveau.
Der praktisch nutzbare Teil ist die weiche Nennung: 6 Prozent aller Inserate mit Sprachangabe erwähnen Deutsch ausschliesslich auf Konversations- oder Grundniveau. Diese Stellen zählen in unserer Rechnung als deutschfrei, weil das Anforderungsniveau kein Ausschluss ist — sie sind aber genau die Gruppe, in der ein halbes Jahr Sprachkurs den Unterschied macht.
Umgekehrt sollte man die harte Nennung ernst nehmen. Wenn ein Inserat Deutsch auf Berufsniveau verlangt, meint es in aller Regel den Arbeitsalltag: Teamsitzungen, Kundengespräche, Dokumentation. Das ist keine Formalie, die sich im Gespräch wegverhandeln lässt, und es ist der Grund, warum Bewerbungen auf solche Stellen ohne Deutsch fast immer ins Leere laufen.
Eine Randnotiz, die trotzdem viel erklärt: Nur eine Handvoll Inserate nennt ausdrücklich Schweizerdeutsch als Anforderung. Die Dialektfrage, die Zugezogene am meisten beschäftigt, taucht in den Ausschreibungen praktisch nicht auf — verlangt wird Hochdeutsch, verstanden werden muss im Alltag oft der Dialekt.
Vollzeit, Teilzeit und der Einstieg
Der deutschfreie Markt ist überdurchschnittlich ein Vollzeitmarkt. Von den Vollzeitinseraten mit Sprachangabe sind 30,0 Prozent ohne Deutsch zu bearbeiten, von den Teilzeitinseraten nur 17,5 Prozent. Wer ohne Deutsch ein kleines Pensum sucht — neben dem Studium, neben der Familie, als Wiedereinstieg —, sucht damit im schmalsten Teil des Marktes.
Der Grund liegt in der Struktur: Teilzeitstellen häufen sich in Verkauf, Pflege, Gastronomie und Schule, also genau in den Feldern mit der höchsten Deutschquote, während die international geprägten Bereiche überwiegend Vollzeit ausschreiben.
Zwei Segmente laufen gegen diesen Trend: Praktika sind zu 51,8 Prozent ohne Deutsch zu bearbeiten, befristete Einsätze zu 52,6 Prozent. Beides sind Formen, in denen internationale Arbeitgeber Leute holen, bevor die Sprache sitzt — und beides sind realistische erste Schritte, wenn die unbefristete Vollzeitstelle noch an der Sprachanforderung scheitert.
Das Viertel, das nichts sagt
27,2 Prozent der von uns erfassten Inserate nennen überhaupt keine Sprachanforderung. Alle Anteile auf dieser Seite sind deshalb auf die knapp drei Viertel gerechnet, die eine nennen. Das ist die ehrliche Grundlage — aber es lässt eine Frage offen: Was ist mit dem Rest?
Die Antwort lautet: unbekannt, nicht offen. Der weitaus grösste Teil dieser Inserate ist so kurz gehalten, dass sich weder eine Anforderung noch verlässlich die Textsprache bestimmen lässt. Sie als deutschfrei zu zählen wäre genauso falsch, wie sie als Deutschpflicht zu zählen.
Für die Suche heisst das: Diese Stellen gehören in eine zweite Runde, nicht in die erste. Sie sind der Anlass für eine kurze Rückfrage beim Arbeitgeber — in welcher Sprache das Team arbeitet, ist eine Frage, die sich in zwei Sätzen stellen lässt und die dir eine ganze Bewerbung erspart oder eine Chance eröffnet, die auf keiner Filterliste steht.
Marktangaben aus unserer laufenden Auswertung der von uns erfassten offenen Schweizer Inserate, Stand 23. August 2026. «Ohne Deutsch zu bearbeiten» heisst: Das Inserat nennt eine Sprachanforderung, und keine der auf Berufs- oder Muttersprachenniveau verlangten Sprachen ist Deutsch; Deutsch auf Konversations- oder Grundniveau gilt nicht als Ausschluss. Alle Anteile sind auf die 72,8 Prozent der Inserate gerechnet, die überhaupt eine Sprachanforderung nennen, sofern nicht anders vermerkt. Die Sprachregion wird aus der Ortsangabe des Inserats abgeleitet — Kantons- und Gemeindenamen der Romandie und des Tessins, alles übrige Schweizer Gebiet gilt als Deutschschweiz —, kleine welsche und Tessiner Gemeinden ohne bekannten Namen fallen dabei in die Deutschschweiz, weshalb deren Anteil eine Obergrenze ist. Ausgeschlossen sind Inserate mit einer Ortsangabe ausserhalb der Schweiz sowie solche, die in einer Sprache verfasst sind, in der in der Schweiz nicht rekrutiert wird. Berufsfelder werden aus dem Stellentitel abgeleitet und sind eine Näherung. Wir veröffentlichen Anteile, keine absoluten Bestandszahlen.
Quellen
Verwandte Fragen
Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%