Welche Berufe werden in der Schweiz am meisten gesucht?
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Kurz gesagt
Nach Zahl der Ausschreibungen führen Verkauf und Gastgewerbe mit je rund fünf Prozent aller Inserate, gefolgt von der Pflege mit rund viereinhalb und der Informatik mit gut dreieinhalb Prozent. Das ist die Antwort auf «wo gibt es am meisten Stellen».
Auf «welche Berufe werden am dringendsten gesucht» lautet die Antwort anders — und das ist der nützlichere Befund. Misst man, wie lange Inserate offen bleiben, liegt das Handwerk mit einem Medianalter von rund 41 Tagen weit vorn, gefolgt von der Pflege mit rund 24 Tagen. Im Gesamtmarkt sind es 18 Tage.
Ein Inserat, das lange offen bleibt, findet niemanden. Genau dort ist die Konkurrenz um eine Stelle am kleinsten — und dort lohnt sich eine Bewerbung am meisten, auch wenn du nicht jede Anforderung erfüllst.
Anteil der Inserate je Berufsfeld, zugeordnet über den Stellentitel. Laufende Auswertung, Stand August 2026.
- Verkauf und Gastgewerbe stellen je rund einen zwanzigsten Teil aller Inserate.
- Handwerksinserate bleiben mit einem Medianalter von rund 41 Tagen mehr als doppelt so lange offen wie der Markt insgesamt.
- In der Pflege ist rund jede fünfte Stelle Teilzeit — fast das Vierfache des Marktdurchschnitts.
- In der Informatik verlangt rund jede vierte Stelle keine Landessprache; im Handwerk sind es praktisch null.
- Im Handwerk und in der kaufmännischen Administration ist rund jede zehnte Ausschreibung ein Einstieg oder eine Lehrstelle.
Menge und Dringlichkeit sind zwei verschiedene Fragen
Die meisten Listen «gefragter Berufe» zählen Ausschreibungen. Das misst aber vor allem, wie gross ein Berufsfeld ist und wie hoch die Fluktuation darin — nicht, wie schwer eine Stelle zu besetzen ist. Verkauf und Gastgewerbe stehen ganz oben, weil dort viele Menschen arbeiten und häufig wechseln, nicht weil dort niemand zu finden wäre.
Das bessere Mass ist die Lebensdauer eines Inserats. Eine Stelle, die nach einer Woche verschwindet, war leicht zu besetzen. Eine, die nach sechs Wochen noch offen ist, hat niemanden gefunden. Über den gesamten Bestand liegt das Medianalter der offenen Inserate bei 18 Tagen — das ist der Massstab, an dem sich jedes Berufsfeld messen lässt.
Nach diesem Mass ist das Handwerk der klare Spitzenreiter: rund 41 Tage, also mehr als das Doppelte. Danach folgt die Pflege mit rund 24 Tagen, dann Marketing und Kommunikation mit rund 22 sowie Informatik und Logistik mit je rund 18 Tagen. Verkauf, Gastgewerbe, kaufmännische Stellen und Ingenieurwesen liegen bei rund 15 bis 16 Tagen und damit unter dem Durchschnitt.
Für dich als bewerbende Person kehrt das die Rangliste um. Dort, wo Inserate lange offen bleiben, sind die Arbeitgeber unter Druck, das Bewerberfeld ist klein, und die Bereitschaft, jemanden einzuarbeiten oder von den Anforderungen abzuweichen, ist deutlich grösser.
Handwerk und Bau: die längste Suche des Landes
Mit rund 41 Tagen Medianalter bleiben Handwerksinserate länger offen als in jedem anderen von uns gemessenen Feld. Elektriker, Sanitär, Schreinerei, Montage, Installation, Spenglerei — die Betriebe suchen sichtbar länger, als sie möchten.
Zwei weitere Merkmale schärfen das Bild. Erstens ist Teilzeit hier praktisch inexistent, unter einem Prozent — es geht um volle Stellen. Zweitens ist rund jede zehnte Ausschreibung ausdrücklich ein Einstieg, eine Lehrstelle oder eine Anlernstelle, ein deutlich höherer Anteil als im Markt insgesamt.
Der Preis dafür ist die Sprache. Praktisch keine Handwerksstelle kommt ohne Landessprache aus, und rund sieben von zehn verlangen ausdrücklich Deutsch. Das ist die härteste Voraussetzung in diesem Feld — härter als die formale Qualifikation.
Wenn du eine handwerkliche Ausbildung und solides Deutsch mitbringst, ist dies statistisch der Markt mit dem günstigsten Verhältnis von offenen Stellen zu Bewerbenden im ganzen Land.
Pflege: viele Stellen, lange offen, und Teilzeit als Regel
Die Pflege verbindet als einziges Feld beide Formen von Nachfrage: Sie stellt rund viereinhalb Prozent aller Inserate und hat mit rund 24 Tagen zugleich ein weit überdurchschnittliches Medianalter. Viele Stellen, und sie bleiben lange offen.
Das auffälligste Merkmal ist der Teilzeitanteil: rund jede fünfte Pflegestelle ist als Teilzeit ausgeschrieben, gegenüber rund fünfeinhalb Prozent im Gesamtmarkt. Wer ein reduziertes Pensum braucht, findet in der Pflege anteilig fast viermal so oft etwas wie anderswo.
Auch hier ist die Sprache die zentrale Hürde: Rund sechs von zehn Pflegeinseraten verlangen Deutsch, und nur rund zwei Prozent kommen mit Englisch allein aus. Das entspricht der Tätigkeit — Pflege ist Kommunikation mit Patientinnen, Angehörigen und dem Team.
Für Zugezogene mit Pflegeausbildung ist das die klarste Reihenfolge im ganzen Schweizer Arbeitsmarkt: Anerkennung des Diploms klären, Deutsch auf Konversationsniveau bringen, dann bewerben. Der Rest ist in diesem Feld einfacher als in fast jedem anderen.
Informatik und Marketing: der englischsprachige Teil des Marktes
Diese beiden Felder unterscheiden sich vom Rest des Marktes fundamental. In der Informatik verlangt rund jede vierte Stelle keine Landessprache, im Marketing sogar rund jede dritte — gegenüber etwa jeder siebten im Gesamtmarkt. Wer ohne Deutsch oder Französisch sucht, sucht praktisch zwangsläufig hier.
Der Preis ist die Stufe. In der Informatik trägt rund jede dritte Ausschreibung einen Senior- oder Führungstitel, im Marketing sogar knapp die Hälfte. Das sind die höchsten Werte aller gemessenen Felder, und sie bestätigen im Kleinen, was für den englischsprachigen Markt insgesamt gilt: Er ist am oberen Ende offen und am Einstieg eng.
Teilzeit ist in beiden Feldern selten — rund zwei Prozent in der Informatik, rund sechs im Marketing. Wer ein reduziertes Pensum sucht, ist hier schlechter bedient als in Pflege, Bildung oder Detailhandel.
Das Medianalter liegt in der Informatik bei rund 18 Tagen, also genau im Marktdurchschnitt, im Marketing bei rund 22. Beide Felder sind gefragt, aber keines ist so schwer zu besetzen wie Handwerk oder Pflege — die Zahl der Bewerbenden ist dort einfach grösser.
Was diese Zahlen nicht abbilden
Unsere Zuordnung erfolgt über den Stellentitel. Berufe mit uneinheitlichen Bezeichnungen werden dadurch tendenziell untererfasst, und ein Titel wie «Projektleiter» landet je nach Formulierung in verschiedenen Feldern. Die Anteile sind daher als Grössenordnung zu lesen, nicht als amtliche Statistik.
Wichtiger noch: Nicht jeder Beruf rekrutiert über allgemeine Stellenportale. Der öffentliche Schuldienst läuft weitgehend über kantonale Portale, Teile des Gesundheitswesens über Branchenplattformen, und akademische Stellen über Hochschulseiten. Bildungsberufe erscheinen in unserer Auswertung deshalb mit einem sehr kleinen Anteil — das ist eine Aussage über den Kanal, nicht über die Nachfrage.
Ebenfalls unsichtbar bleibt, was gar nicht ausgeschrieben wird. Gerade in kleinen Betrieben und im Handwerk wird ein erheblicher Teil der Stellen über Kontakte besetzt, bevor ein Inserat entsteht — was den ohnehin hohen Druck in diesen Feldern eher unterzeichnet als übertreibt.
Und schliesslich messen wir Nachfrage, nicht Bezahlung. Ein Feld mit langen Suchzeiten ist ein gutes Argument in einer Lohnverhandlung, aber es ist kein Versprechen auf ein hohes Einstiegsgehalt.
Wie du das für deine Suche nutzt
Wenn du wählen kannst, richte dich nach der Lebensdauer der Inserate statt nach ihrer Zahl. Ein Feld, in dem Stellen lange offen bleiben, verzeiht ein unvollständiges Profil eher und lädt eher zum Gespräch.
Wenn du in einem stark umkämpften Feld bleibst — Verkauf, Gastgewerbe, kaufmännische Administration —, verlagere den Vorteil auf die Region. Diese Felder sind überall vertreten, und der Wettbewerb um eine einzelne Stelle ist ausserhalb der grossen Zentren geringer.
Wenn dir eine Landessprache fehlt, ist die Feldwahl die wichtigste Entscheidung überhaupt: Informatik und Marketing sind offen, Handwerk und Verkauf praktisch geschlossen. Das ist keine Frage deiner Qualifikation, sondern der Tätigkeit selbst.
Und wenn du ein reduziertes Pensum brauchst, folge dem Teilzeitanteil statt dem Stellenvolumen. Pflege, Bildung und Detailhandel schreiben Teilzeit routinemässig aus; Informatik, Ingenieurwesen und Handwerk fast nie.
Was Betroffene berichten
Aus dem Schweizer Markt wird derzeit wiederkehrend berichtet, dass auch erfahrene Fachleute mit überzeugendem Lebenslauf mehrere Monate suchen. Das steht nicht im Widerspruch zu offenen Stellen: Die Felder mit den längsten Suchzeiten sind gerade nicht jene, in denen die meisten Bewerbenden unterwegs sind.
Wiederkehrendes Thema in LinkedIn-Beiträgen zur aktuellen Lage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt, ausgewertet im August 2026.
Personalverantwortliche beschreiben wiederkehrend Bewerbungen auf ausgeschriebene Fachstellen ohne die verlangte Ausbildung und ohne erkennbaren Bezug zur Stelle. In Feldern mit langer Suchdauer ist die Toleranz dafür grösser — aber der Bezug zur Stelle muss auch dort hergestellt werden.
Wiederkehrendes Thema in deutschsprachigen LinkedIn-Beiträgen aus dem Recruiting, ausgewertet im August 2026.
Anteile und Altersangaben aus unserer laufenden Auswertung der von uns erfassten Schweizer Stelleninserate, Stand August 2026. Berufsfelder werden über den Stellentitel zugeordnet; Berufe mit uneinheitlichen Bezeichnungen und solche, die überwiegend über kantonale oder Branchenportale rekrutieren, sind dabei untererfasst. Das Medianalter misst, wie lange die aktuell offenen Inserate seit ihrer Publikation online sind. Wir veröffentlichen Anteile, keine absoluten Bestandszahlen.
Quellen
Verwandte Fragen
Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%