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Motivationsschreiben

Schreib mir ein Motivationsschreiben für diese Stelle

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Kurz gesagt

Dieser Satz allein genügt nicht — «diese Stelle» zeigt auf etwas, das das Modell nicht sieht. Kopiere vier Dinge in den Prompt: den vollständigen Inseratstext, deinen Lebenslauf, dein Pensum samt frühestem Eintritt und die Anrede aus dem Inserat. Dazu die Auflage, nichts zu ergänzen, was in keinem der beiden Texte steht. Wie viel daran hängt, zeigt unsere Auszählung der aktiven Inserate: Zwei Ausschreibungen mit identischem Stellentitel teilen im Mittel 60,4 Prozent ihrer Inhaltswörter, zwei zufällig herausgegriffene nur 7,9 Prozent.

Ohne Inseratstext schreibt ein Modell genau in diesem schmalen gemeinsamen Rest: Höflichkeitsformeln, die Berufsbezeichnung, ein paar allgemeine Tätigkeitswörter. Das ergibt einen grammatikalisch sauberen Brief, der zu jeder Ausschreibung dieses Berufs passt und deshalb zu keiner antwortet.

Die Arbeitsteilung, die funktioniert, ist eine andere: Das Modell formuliert die Sätze, du lieferst das Material und prüfst am Schluss. Zwei belegte Bezüge aus dem Inserat, zwei Stationen aus deinem Lebenslauf, und alles, was das Modell darüber hinaus behauptet, wird gestrichen.

Wie stark sich zwei Inserate mit identischem Stellentitel inhaltlich decken
Wie stark sich zwei Inserate mit identischem Stellentitel inhaltlich deckenIT & Engineering36.6%Kaufmännisch & Administration46.8%Gesundheit & Pflege56.2%Gastronomie & Hotellerie58.5%Bau & Handwerk64.9%Verkauf & Detailhandel72.7%

Mittlerer Anteil gemeinsamer Inhaltswörter zwischen zwei aktiven Inseraten mit exakt gleichem Stellentitel, nach Berufsfeld. Zum Vergleich: Zwei beliebige Inserate teilen 7,9 Prozent. Laufende Auswertung SwissJobs.app, Stand August 2026.

  • «Diese Stelle» ist im Chat kein Verweis: Füge den Inseratstext vollständig ein, nicht den Link und nicht nur den Titel.
  • 73,5 Prozent der Inserate tragen einen Stellentitel, den kein zweites Inserat trägt — aus der Berufsbezeichnung allein lässt sich kein Bezug bauen.
  • Sag dem Modell ausdrücklich, was es nicht darf: keine Lobsätze über den Arbeitgeber, keine Zahlen und keine Eigenschaften, die nicht im Lebenslauf belegt sind.
  • 22 Prozent der Inseratstitel nennen ein Pensum, 29 Prozent führen einen (m/w/d)-Marker: Stellenbezeichnung und Pensum übernimmst du wörtlich, den Marker lässt du weg.
  • Aus dem Chatfenster kommt Fliesstext, kein Brief — Absenderadresse, Empfängeradresse, Datum, Betreffzeile, Anrede, Grussformel und Unterschrift setzt du selbst.

Warum «diese Stelle» im Chatfenster ins Leere zeigt

Ein Sprachmodell sieht deinen Bildschirm nicht. Wenn du «diese Stelle» schreibst, kennt es weder den Betrieb noch die Aufgaben noch die Anforderungen. Es kennt nur, was Stellenausschreibungen im Allgemeinen enthalten, und schreibt folgerichtig den Durchschnitt.

Wie weit dieser Durchschnitt von einer einzelnen Stelle entfernt liegt, lässt sich an unserem eigenen Bestand messen. Wir haben alle aktiven Inserate mit exakt gleichem Stellentitel paarweise verglichen und ausgezählt, wie viele Inhaltswörter zwei solche Ausschreibungen wirklich teilen: im Mittel 60,4 Prozent. Zwei beliebig gezogene Inserate teilen 7,9 Prozent. Der kleinere Wert ist ungefähr das, was ein Schreiben ohne Inseratstext überhaupt treffen kann.

Der grössere Wert ist ausserdem der Ausnahmefall. 73,5 Prozent der Inserate tragen einen Stellentitel, den kein zweites Inserat im Bestand trägt — in den meisten Fällen gibt es also gar keine vergleichbare zweite Ausschreibung, aus der sich ein Muster ableiten liesse.

Und der Wert hängt stark vom Berufsfeld ab. Im Detailhandel decken sich zwei Inserate mit demselben Titel zu 72,7 Prozent: Dort sagt die Berufsbezeichnung fast alles über die Aufgabe. In IT und Engineering sind es 36,6 Prozent. Zwei Ausschreibungen, die beide «IT System Engineer» heissen, beschreiben in knapp zwei Dritteln ihres Textes verschiedene Arbeit. In einer Titelgruppe, die wir uns angesehen haben, stand derselbe Titel bei derselben Vermittlungsfirma einmal für eine psychiatrische Klinik im Raum Bern, einmal für einen Verpackungshersteller im Aargau und einmal für einen Betrieb, dessen Branche im Inserat gar nicht vorkommt. Je technischer dein Feld, desto weniger trägt ein Schreiben, das nur den Titel kennt.

Die vier Angaben, die in den Prompt gehören

Erstens der Inseratstext, vollständig und als Text. Nicht der Link: Viele Chatfenster öffnen keine Adressen, und wo sie es tun, steht der eigentliche Text oft erst hinter einem weiteren Klick auf der Bewerbungsseite. Markiere im Browser das ganze Inserat — Titel, Aufgaben, Anforderungen, die Zeilen über den Betrieb, die Kontaktangabe — und füge es ein.

Zweitens deinen Lebenslauf, ebenfalls als Text und ungekürzt. Das Modell braucht die Stationen mit Jahreszahlen, die Abschlüsse in ihrer Schweizer Schreibweise — EFZ, HF, FH, eidg. Fachausweis — und die Sprachniveaus. Fehlt dieses Material, ersetzt das Modell Belege durch Eigenschaftswörter, und genau daran erkennt eine erfahrene Leserin den Serienbrief.

Drittens die drei Angaben, die das Inserat fast nie liefert und die im Schreiben trotzdem stehen sollten: dein Pensum, dein frühester Eintrittstermin und, wenn du aus dem Ausland kommst, dein Aufenthaltsstatus. Nur 22 Prozent der Inseratstitel nennen überhaupt ein Pensum; ob 80 oder 100 Prozent gemeint sind, klärt in den übrigen Fällen erst deine Bewerbung — oder ein Telefonat, das du dir mit einem Satz im Schreiben ersparst.

Viertens die Anrede und der Fundort. Nennt das Inserat eine Kontaktperson, gehört sie in die Anrede; steht keine da, bleibt es bei «Sehr geehrte Damen und Herren». Und schreib in den ersten Satz, wo du das Inserat gesehen hast. Die Studien- und Berufsberatung empfiehlt diese Angabe ausdrücklich, und sie ist die einzige Zeile im ganzen Schreiben, die kein Modell erraten kann.

Der Prompt, den du kopieren kannst

Ein brauchbarer Prompt besteht aus einer Rolle, zwei eingefügten Texten und einer Liste von Verboten. Die Verbote sind der Teil, den die meisten weglassen, und sie machen den grössten Unterschied.

«Du schreibst ein Bewerbungsschreiben für eine Bewerbung in der Schweiz. Unten stehen zwei Texte: das Stelleninserat und mein Lebenslauf. Halte dich an folgende Regeln: höchstens 300 Wörter, Sie-Form, keine Aufzählungszeichen. Erster Absatz: die genaue Stellenbezeichnung aus dem Inserat und wo ich das Inserat gefunden habe. Zweiter und dritter Absatz: genau zwei Anforderungen aus dem Inserat, jede verknüpft mit einer Station aus meinem Lebenslauf, je mit Ausgangslage, Handlung und Ergebnis. Vierter Absatz: mein Pensum, mein frühester Eintritt, ein Satz zur Gesprächsbereitschaft. Verwende keine Adjektive über den Arbeitgeber, keine Zahl, die nicht in meinem Lebenslauf steht, und keine Eigenschaft ohne Beleg. Wenn eine Angabe fehlt, schreibe [FEHLT] statt einer Annahme.»

Die letzte Regel ist die wichtigste. Ein Modell füllt Lücken lieber, als sie zu zeigen; die Anweisung mit dem Platzhalter dreht das um. Was danach als [FEHLT] im Entwurf steht, ist deine To-do-Liste: die Kontaktperson, die du auf der Firmenseite suchst, das Ergebnis, an das du dich nur ungefähr erinnerst, der Eintrittstermin, den du noch nicht festgelegt hast.

Nach dem ersten Entwurf hilft ein zweiter Prompt oft mehr als jede Umformulierung: «Streiche aus diesem Entwurf jeden Satz, der genauso für eine andere Stelle im selben Beruf gelten würde.» Was stehen bleibt, sind meist zwei bis drei Sätze. Genau die sind deine Bewerbung; der Rest ist Rahmen, den du in zehn Minuten selbst schreibst.

Was aus dem Chat nicht mitkommt

arbeit.swiss, die Plattform von SECO und den Arbeitsämtern, hält fest: «Das Bewerbungsschreiben enthält in der Regel die folgenden formellen Elemente: Absenderadresse, Empfängeradresse, Datum, Betreffzeile, Anrede, Grussformel und Unterschrift.» Ein Chatfenster gibt dir davon höchstens die Anrede und die Grussformel. Alles andere setzt du in deinem Textprogramm — und weil es Fleissarbeit ist, lohnt sich eine Vorlage, die du einmal baust und danach nur noch mit Adresse, Datum und Betreff füllst.

In der Betreffzeile steht die Stellenbezeichnung wörtlich so, wie sie im Inserat steht, ergänzt um das Pensum, wenn eines genannt ist. Den Geschlechtermarker lässt du weg: 29 Prozent der Inseratstitel führen ein (m/w/d) oder (w/m/d), das ist eine Angabe des Betriebs an alle Lesenden und keine Bezeichnung deiner Bewerbung.

Die Studien- und Berufsberatung der Kantone formuliert die Grundregel für das Dossier in einem Satz: «Erstellen Sie für jede Bewerbung ein eigenes Dossier.» Sie rät ausserdem, «die Unterlagen in der richtigen Reihenfolge und möglichst in einer PDF-Datei» hochzuladen; arbeit.swiss sagt dasselbe kürzer: «Speichern und versenden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen als PDF-Dateien.»

Und eine Entscheidung trifft das Modell nur, wenn du sie ihm abnimmst: die Sprache. Geschrieben wird in der Sprache des Inserats. Ein deutschsprachiges Inserat bekommt ein deutsches Schreiben, auch wenn der Betrieb international ist und du dich auf Englisch wohler fühlst.

Der Zwei-Spalten-Test am Entwurf

Leg das Inserat und deinen Entwurf nebeneinander und geh Satz für Satz durch. Jeder inhaltliche Satz muss auf eine Zeile im Inserat oder auf eine Station in deinem Lebenslauf zeigen können. Sätze, die auf nichts zeigen, kommen weg — nicht weil sie falsch wären, sondern weil sie Platz besetzen, den ein Beleg brauchen würde.

Drei Sorten fallen bei diesem Test regelmässig durch. Das Lob auf den Arbeitgeber, für das es im Inserat keine Grundlage gibt. Die Zahl, die plausibel klingt und die du im Gespräch nicht herleiten kannst. Und das Eigenschaftswort ohne Szene dahinter — belastbar, kommunikativ, lösungsorientiert.

Danach liest du den Text einmal laut. Ein Schreiben, dessen Sprachebene deutlich über deinem Alltagsdeutsch liegt, erzeugt im Gespräch eine Erwartung, die du selbst enttäuschst. Das ist der teuerste Effekt eines unbearbeiteten Entwurfs, und er kostet mehr als jeder Stilfehler.

Die Länge regelt sich damit fast von selbst: eine Seite, ungefähr 250 bis 350 Wörter, vier Absätze. Wenn der Entwurf länger ist, fehlt ihm nicht Inhalt, sondern die Streichung.

Wenn am Ende nur ein Feld im Formular steht

Rund zwei Drittel der Inserate führen auf eine Seite des Arbeitgebers selbst, der Rest in eines der bekannten Bewerbungsportale. Was dich dort erwartet, ist unterschiedlich: ein Feld für einen Anhang, ein Textfeld ohne Formatierung oder eine blosse Mailadresse.

Halte deshalb zwei Fassungen bereit. Die PDF-Fassung mit Adressblock, Datum und Unterschrift für den Anhang und für das gemeinsame Dossier. Und eine Nur-Text-Fassung ohne Anführungszeichen im Schweizer Stil, ohne Tabulatoren und ohne Sonderzeichen, die du in ein Formularfeld einfügen kannst, ohne dass die Umbrüche zerfallen.

Geht die Bewerbung per Mail, gehört das Schreiben als PDF in den Anhang und nicht in den Mailtext. In den Mailtext kommen drei Zeilen: worauf du dich bewirbst, dass Schreiben, Lebenslauf und Zeugnisse angehängt sind, und ein Gruss. Die Betreffzeile der Mail ist dieselbe wie die Betreffzeile des Briefs.

Und ein letzter Handgriff, der nichts mit dem Schreiben zu tun hat und sich trotzdem lohnt: Sichere dir den Inseratstext, bevor du absendest. Inserate verschwinden, sobald die Stelle besetzt ist, und der Text, aus dem dein Schreiben entstanden ist, ist zwei Wochen später die beste Vorbereitung auf das Gespräch.

Die Inseratszahlen stammen aus der laufenden Auswertung der aktiven Inserate auf SwissJobs.app, Stand 22. August 2026. Für den Vergleich zweier Ausschreibungen mit identischem Stellentitel wurden nur Inhaltswörter ab vier Zeichen gezählt, häufige Füllwörter ausgeschlossen und alle Paare innerhalb einer Titelgruppe gemittelt; der Referenzwert für zwei beliebige Inserate stammt aus einer Zufallsstichprobe. Die Berufsfelder wurden über Stichwörter im Stellentitel zugeordnet, Felder mit zu wenigen Paaren sind nicht ausgewiesen.

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Quellen

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