Alle Fragen

ATS & Bewerbersysteme

Reicht ein Lebenslauf für alle Bewerbungen?

Aktualisiert:

Grafik: Anteil der Schweizer Inserate, die ohne Deutsch- oder Französischkenntnisse auskommen — Genf 48 Prozent, Zürich 47 Prozent, Zug 46 Prozent, Wallis 42 Prozent, Basel-Stadt 26 Prozent, Waadt 23 Prozent, Bern 10 Prozent, Luzern 8 Prozent, Graubünden 7 Prozent.

Kurz gesagt

Für den grössten Teil deines Dossiers reicht einer — die Frage entscheidet sich aber an der Sprache, nicht an der Software. Über die erfassten offenen Schweizer Inserate hinweg stehen zwei zufällig herausgegriffene Inserate in 59,5 Prozent der Fälle nicht in derselben Sprache. In der Stadt Zürich sind 49,3 Prozent der Inserate deutsch und 49,9 Prozent englisch; in Winterthur, gut zwanzig Kilometer entfernt, sind es 92,5 Prozent deutsch. Wer in der Ostschweiz in der Pflege sucht, kommt mit einer Fassung aus. Wer in Zürich in der IT sucht, braucht zwei.

Das ist eine andere Begründung, als die gängigen Ratgeber geben. Dort heisst es fast immer: Eine Software liest mit und zählt Stichwörter, also brauche jedes Inserat seine eigene Fassung. Bei den von uns erfassten Inseraten führt der Bewerbungslink aber in 50,6 Prozent der Fälle auf eine Adresse des Arbeitgebers selbst, in 34,5 Prozent in ein Bewerbermanagementsystem und in 14,9 Prozent auf eine Börse oder zu einem Vermittler. Rund die Hälfte des Marktes verhält sich also gar nicht so, wie das Argument voraussetzt.

Und trotzdem ist eine einzige Fassung für viele Suchende zu wenig — nur aus einem anderen Grund. Nicht weil eine Maschine mitliest, sondern weil dein Suchgebiet und dein Beruf entscheiden, in wie vielen Sprachen die Inserate geschrieben sind, auf die du dich überhaupt bewerben kannst.

Wie oft fünf Inserate vom selben Ort alle in einer Sprache stehen
Wie oft fünf Inserate vom selben Ort alle in einer Sprache stehenWinterthur67.7%Luzern50.7%Bern36%Basel18.9%Lausanne12.6%Genf7.9%Zürich6%

Rechnerische Wahrscheinlichkeit, dass fünf zufällig herausgegriffene Inserate desselben Ortes alle in derselben Sprache verfasst sind, aus der Sprachverteilung des Ortes. Eigene Auswertung der erfassten offenen Schweizer Inserate, Stand 28. August 2026.

  • Über alle erfassten Inserate mit erkennbarer Sprache: 55,2 Prozent deutsch, 28,2 Prozent englisch, 14,3 Prozent französisch, 2,3 Prozent italienisch.
  • In der Stadt Zürich ist das Verhältnis Deutsch zu Englisch praktisch ausgeglichen; auf Arbeitgeberebene gerechnet inserieren 53,4 Prozent der Zürcher Arbeitgeber auf Deutsch und 52,8 Prozent auf Englisch — 7,9 Prozent tun beides.
  • Nach Beruf getrennt: Im Detailhandel sind 92,2 Prozent der Inserate deutsch, in der Pflege 88,6 Prozent — in der IT dagegen 48,9 Prozent deutsch und 46,3 Prozent englisch.
  • 28,6 Prozent der Inserate, bei denen Sprachanforderungen im Text stehen, nennen mehr als eine Sprache; auf Arbeitgeberebene sind es 33,5 Prozent.
  • Wenn ein Inserat eine Sprache nennt, verlangt es in 83,4 Prozent der Nennungen Berufsniveau — nicht Grundkenntnisse.
  • 14,1 Prozent der erfassten Arbeitgeber inserieren in mehr als einer Sprache; unter jenen mit mindestens drei offenen Stellen sind es 33,0 Prozent.

Die Software entscheidet die Frage nicht

Der übliche Grund für «pro Stelle eine eigene Fassung» lautet: Ein Bewerbermanagementsystem liest den Lebenslauf zuerst, gleicht Stichwörter ab und sortiert vor. Für einen Teil des Schweizer Marktes stimmt das. Für die Hälfte stimmt es nicht. In unserem Bestand führt der Bewerbungslink bei 50,6 Prozent der Inserate auf eine Adresse des Arbeitgebers selbst, bei 34,5 Prozent in ein System und bei 14,9 Prozent auf eine Börse oder zu einem Vermittler.

Diese Zuordnung entsteht aus der Zieladresse des Bewerbungslinks und ist eine Auslegungsfrage: Wer eine Personalvermittlung als System zählt, kommt auf andere Anteile. Und eine eigene Domain beweist nicht, dass keine Software mitläuft — grössere Arbeitgeber betreiben zugekaufte Systeme hinter der eigenen Adresse. Der Anteil «System» ist deshalb eher eine Untergrenze.

Selbst mit dieser Vorsicht bleibt die Aussage stehen: Ein grosser Teil der Schweizer Inserate landet nicht zuerst in einer Maschine. Wer sein Dossier ausschliesslich für eine Software baut — Stichwortlisten, entkerntes Layout, kein Foto —, optimiert also für einen Teil des Marktes und arbeitet im Rest gegen sich. Und weil das so ist, taugt «da liest eine Software mit» nicht als Begründung dafür, wie viele Fassungen du brauchst.

Zwei Inserate, zwei Sprachen — das ist der eigentliche Grund

Die Zahl, die die Frage wirklich beantwortet, ist die Sprache des Inserats. Über den ganzen erfassten Bestand hinweg sind zwei zufällig herausgegriffene Inserate in 59,5 Prozent der Fälle in unterschiedlichen Sprachen geschrieben. Fünf Inserate sind nur in 5,3 Prozent der Fälle alle in derselben Sprache.

Das ist ein Landesdurchschnitt und damit für niemanden die eigene Lage — niemand bewirbt sich landesweit auf alles. Interessant wird es erst pro Ort. In der Stadt Zürich stehen 49,9 Prozent der Inserate auf Englisch und 49,3 Prozent auf Deutsch; die Chance, dass fünf Zürcher Inserate alle in einer Sprache sind, liegt bei 6,0 Prozent. In Winterthur sind 92,5 Prozent der Inserate deutsch, und dieselbe Chance liegt bei 67,7 Prozent. Zwei Städte im selben Kanton, zwanzig Zugminuten auseinander, zwei völlig verschiedene Antworten auf dieselbe Frage.

Damit das nicht an einem einzelnen grossen Arbeitgeber hängt, haben wir dieselbe Rechnung auf Arbeitgeberebene wiederholt: 53,4 Prozent der Arbeitgeber mit Zürcher Inseraten schreiben auf Deutsch aus, 52,8 Prozent auf Englisch, und 7,9 Prozent tun beides. Das Bild hält also auch dann, wenn jeder Arbeitgeber nur einmal zählt.

Dein Markt ist nicht der Markt

Beruf und Region zusammen entscheiden die Frage fast allein. In der Ostschweiz sind 87,7 Prozent der Inserate deutsch, in der Romandie 55,9 Prozent französisch und 37,3 Prozent englisch, im Zürcher Raum 51,5 Prozent deutsch und 47,5 Prozent englisch.

Legt man den Beruf darüber, wird es noch deutlicher. Pflegeinserate in Zürich und in der Ostschweiz sind in unserem Bestand ausnahmslos deutsch. Im Detailhandel sind es in Zürich 96,3 Prozent, in der Ostschweiz 97,8 Prozent. In der IT dagegen sind 62,3 Prozent der Zürcher Inserate englisch und 37,7 Prozent deutsch. Im kaufmännischen Bereich liegt Zürich bei 71,6 Prozent Deutsch und 26,5 Prozent Englisch, die Ostschweiz bei 95,1 Prozent Deutsch.

Daraus folgt eine brauchbare Faustregel, und sie ist bewusst unspektakulär: Zähle nicht die Inserate, sondern die Sprachen, in denen sie geschrieben sind. Deckt eine Sprache neun von zehn Inseraten deines Suchgebiets ab, reicht eine Fassung. Teilen sich zwei Sprachen den Markt ungefähr hälftig, brauchst du zwei — und zwar zwei richtige, nicht eine übersetzte. Die Berufsbezeichnung, die Beschreibung deiner Aufgaben und die Angaben zur Ausbildung müssen in der zweiten Sprache so dastehen, wie sie dort auch in einem Inserat stünden.

Die Zahlen zu einzelnen Berufen stammen aus Stichwortgruppen über die Inseratstitel und sind nicht amtliche Berufsgruppen; kleine Gruppen sind eine Grössenordnung, keine Feinmessung.

Oft verlangt schon ein einziges Inserat zwei Sprachen

Die Sprache des Inserats und die verlangten Sprachkenntnisse sind zwei verschiedene Dinge. Von den Inseraten, in deren Text Sprachanforderungen stehen, nennen 28,6 Prozent mehr als eine Sprache; rechnet man je Arbeitgeber statt je Inserat, sind es 33,5 Prozent. Bei deutschsprachigen Inseraten liegt der Anteil bei 24,8 Prozent, bei französischsprachigen bei 39,9 Prozent.

Bemerkenswert ist die Richtung: Französischsprachige Inserate verlangen häufiger Deutsch (27,8 Prozent) als Englisch (22,3 Prozent). Deutschsprachige Inserate verlangen in 19,8 Prozent der Fälle Englisch und nur in 8,9 Prozent Französisch. Und wenn eine Sprache genannt wird, ist damit fast immer Arbeitsniveau gemeint: 83,4 Prozent aller Sprachnennungen stehen auf Berufsniveau, nur 1,5 Prozent auf Grundkenntnissen.

Das Bundesamt für Statistik misst dieselbe Realität von der anderen Seite: 41 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz verwenden bei der Arbeit mindestens einmal pro Woche mehr als eine Sprache. Für das Dossier heisst das: Die Sprachzeile ist keine Fussnote, sondern eine Anforderung wie jede andere — und sie gehört mit Niveau angeschrieben, also B2 oder C1 nach dem europäischen Referenzrahmen, nicht «fliessend».

Ein Arbeitgeber, zwei Sprachen

14,1 Prozent der erfassten Arbeitgeber schreiben ihre offenen Stellen in mehr als einer Sprache aus. Schaut man nur auf jene mit mindestens drei offenen Stellen, sind es 33,0 Prozent — also rund jeder dritte.

Das ist praktisch relevant, weil viele Bewerbungen beim selben Haus mehrfach eingehen: erst auf die eine Stelle, Monate später auf die nächste. Wer sich zweimal beim selben Arbeitgeber bewirbt, bewirbt sich in einem Drittel dieser Fälle auf Inserate in verschiedenen Sprachen. Ein Dossier, das nur in einer Sprache existiert, schliesst also nicht bloss Arbeitgeber aus, sondern auch die Hälfte der Stellen bei Arbeitgebern, die man schon kennt.

Was gleich bleiben darf — und was pro Inserat wechselt

Der grösste Teil eines Schweizer Bewerbungsdossiers ist ohnehin unveränderlich, und das ist die gute Nachricht. Arbeitszeugnisse und Diplome sind Dokumente, keine Textbausteine; sie werden nicht pro Inserat neu geschrieben. Daten, Arbeitgeber, Funktionen und Ausbildungswege stehen fest. Auch das Foto, das in der Schweiz üblich ist und in Deutschland eher abgeraten wird, bleibt dasselbe.

Was tatsächlich wechselt, ist kurz und steht oben: die Berufsbezeichnung in der Zeile unter dem Namen, die drei bis fünf Zeilen Profil darunter, die Sprachzeile mit den Niveaus, und bei Bewerbenden ohne Schweizer Pass die Angabe zur Bewilligung. Wer ein Pensum sucht, das vom Inserat abweicht, sagt das ebenfalls dort — 90,8 Prozent der erfassten Inserate sind Vollzeitstellen, 6,2 Prozent Teilzeit, das Thema gehört also angesprochen und nicht vorausgesetzt.

Und eine Einschränkung, die in diesem Zusammenhang wichtig ist: Niemand kann dir versprechen, dass ein Lebenslauf ein Bewerbermanagementsystem «besteht». Was sich sagen lässt, ist ein Mechanismus, kein Ergebnis — ein Dossier, das die Wörter des Inserats verwendet, passt besser zu einem stichwortbasierten Filter als ein allgemein gehaltenes. Wie ein einzelner Arbeitgeber seine Filter eingestellt hat, sieht niemand von aussen, wir eingeschlossen.

Wenn du wissen willst, wie weit dein bestehendes Dossier von einem konkreten Inserat entfernt ist, prüfe es gegen dieses eine Inserat statt gegen eine allgemeine Checkliste. Die offenen Schweizer Inserate liegen bei uns bereits vor, du musst den Inseratstext also nicht selbst einfügen — anders als bei Werkzeugen, die dich das Inserat hineinkopieren lassen.

Alle Anteile stammen aus unserer eigenen Auswertung der von uns erfassten offenen Schweizer Inserate, Stand 28. August 2026. Die Inseratssprache ist eine erkannte Sprache, keine Angabe des Arbeitgebers; bei rund drei von zehn Inseraten ist keine Sprache hinterlegt, diese sind in allen Sprachanteilen nicht mitgezählt. Die Sprachanforderungen sind aus dem Inseratstext gelesen; steht dort nichts, zählen wir das Inserat nicht mit — der Anteil «mehr als eine Sprache» bezieht sich also nur auf Inserate, die überhaupt Sprachanforderungen nennen. Die Zuordnung des Bewerbungslinks zu «Adresse des Arbeitgebers», «Bewerbersystem» oder «Börse und Vermittler» erfolgt über die Zieladresse und ist eine Auslegungsfrage; grosse Arbeitgeber betreiben zugekaufte Software hinter der eigenen Domain, der Systemanteil ist deshalb eher eine Untergrenze. Orts- und Berufsangaben beruhen auf dem Ortsfeld und auf Stichwortgruppen über die Inseratstitel, nicht auf amtlichen Regionen oder Berufsgruppen; kleine Gruppen sind eine Grössenordnung. Die Wahrscheinlichkeiten für «zwei» beziehungsweise «fünf Inserate in einer Sprache» sind aus der jeweiligen Sprachverteilung gerechnet und setzen ein zufälliges Herausgreifen voraus. Wir veröffentlichen Anteile, keine Bestandszahlen.

Prüfe, wie dein Lebenslauf zu einer Stelle passt

Kostenlos: Sprachen, Bewilligung, Anforderungen und mehr — bewertet gegen ein konkretes Inserat.

ATS-Lebenslauf prüfen: gegen ein konkretes Inserat, kostenlos

Quellen

Verwandte Fragen

← Alle Fragen

Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt

Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.

Sprache der Inserate

Deutsch
60%
English
23%
Français
13%
Italiano
3%

Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen

Deutsch
70%
English
43%
Français
21%
Italiano
3%

19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%