Warum antwortet bei Easy Apply nie jemand?
Aktualisiert:
Kurz gesagt
Weil der Kanal gar keine Antwort vorsieht. Für «Einfach bewerben» verschickt LinkedIn automatisch nur eine Meldung, wenn die inserierende Person deine Bewerbung ansieht oder deinen Lebenslauf herunterlädt — und schreibt in derselben Hilfeseite dazu, das garantiere weder eine Nachricht noch ein Vorstellungsgespräch noch ein Angebot. Eine Absage ist im Produkt schlicht nicht vorgesehen. Dazu kommt die Menge: In der englischsprachigen, ortsunabhängigen Grossstadt-Ecke des Schweizer Marktes steigt der Bewerberzähler rund neunmal so oft über die erste Schwelle wie bei deutschsprachigen Inseraten.
Das ist keine Beschwichtigung. Es sind zwei getrennte Ursachen, die sich für dich identisch anfühlen — und nur eine davon kannst du beeinflussen. Die erste ist der Kanal: «Einfach bewerben» hat einen Zustand «angesehen» und einen Zustand «nichts», und dazwischen liegt kein Schritt, den jemand aktiv auslösen müsste. Wer über das Formular des Arbeitgebers geht, bekommt wenigstens eine Eingangsbestätigung mit einem Absender, an den man sich wenden kann.
Die zweite ist der Zuschnitt. Der Andrang auf Schweizer Inserate ist extrem ungleich verteilt, und «Einfach bewerben» sitzt genau dort, wo er am grössten ist: englischsprachige Titel, ortsunabhängige oder hybride Stellen, Genf und Zürich, Marketing und Finanz. Dieselbe Bewerbung, in einem anderen Ausschnitt abgeschickt, trifft auf ein Feld, das um ein Vielfaches dünner ist.
Und in der Schweiz kommt ein dritter Punkt dazu, den international geschriebene Ratgeber nicht kennen: Wer beim RAV gemeldet ist, muss seine Arbeitsbemühungen belegen können. Eine Bewerbung mit einem Klick lässt dich mit fast nichts zurück — keine Bestätigung, oft keine Kontaktperson, und eine Ergebnisspalte, die dauerhaft auf «noch offen» stehen bleibt.
Eigene Auswertung der Schweizer Inserate, die wir innerhalb von 24 Stunden nach ihrer Publikation auf LinkedIn erfassen, April bis September 2026, ohne Lehrstellen, Praktika und Trainee-Titel. Gemessen wird nicht die Zahl der Bewerbungen, sondern wie oft ein Inserat die erste ausgewiesene Schwelle überschreitet.
- Kurz gesagt: «Einfach bewerben» hat keine Absage-Funktion. LinkedIn verschickt automatisch nur Meldungen über das Ansehen der Bewerbung oder den Download des Lebenslaufs — und hält in derselben Hilfeseite fest, dass daraus keine Nachricht, kein Gespräch und kein Angebot folgen muss.
- Kurz gesagt: Der Andrang ist nicht gleichmässig. In unserer Auswertung der Schweizer Inserate steigt der Bewerberzähler am ersten Tag bei englischsprachigen Titeln in 19,8 Prozent der Fälle über die erste Schwelle, bei deutschsprachigen in 2,2 Prozent — ein Faktor von rund neun.
- Die Zahl auf dem Inserat misst oft nicht, was du denkst. LinkedIn schreibt selbst, dass sich die Angabe bei Bewerbungen über eine externe Website nur auf Personen bezieht, die auf den Bewerbungslink geklickt haben, «und nicht unbedingt auf die fertiggestellten Bewerbungen». Bei «Einfach bewerben» gibt es diese Ausstiegsmöglichkeit nicht.
- Der Zähler beginnt spät. In unserer Auswertung liegt kein einziger Wert zwischen eins und vierundzwanzig; rund neun von zehn Inseraten stehen exakt auf der ersten Schwelle. Sichtbar wird also nicht, wie viele sich beworben haben, sondern nur, ob ein Inserat diese Schwelle überschritten hat.
- Geografisch geht die Schere weit auf: In Genf überschreiten 25,5 Prozent der Inserate am ersten Tag die Schwelle, in Zürich 11,7, in Bern 3,0 und im Thurgau 2,0 Prozent.
- Ortsunabhängige Stellen sind die vollsten: 17,7 Prozent bei Remote-Inseraten und 17,3 bei hybriden gegenüber 11,1 Prozent bei Arbeit vor Ort. Teilzeitstellen liegen mit 4,0 Prozent bei weniger als der Hälfte der Vollzeitquote von 9,5 Prozent.
- Auch nach Berufsfeld: Marketing 20,3 und Finanz 20,0 Prozent gegenüber Pflege und Gesundheit 4,7 sowie Bau, Technik und Handwerk 2,3 Prozent.
- LinkedIn hat für «Einfach bewerben» ein Tageslimit und eine Tempo-Sperre eingeführt und begründet das mit dem Kanal selbst: Zu viele eingereichte Bewerbungen machten es «für Personalvermittler schwieriger, echte Bewerber zu identifizieren».
- Wenn du beim RAV gemeldet bist: Das offizielle Formular «Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen» verlangt pro Zeile Firma und Adresse, Kontaktperson mit Telefonnummer, Stellenbezeichnung, Pensum, die Art der Bewerbung und das Ergebnis. Eine Ein-Klick-Bewerbung liefert dir davon fast nichts.
Der Kanal hat keinen Schritt, an dem eine Absage entstehen würde
Das Erste, was hier hilft, ist eine Produktbeschreibung statt einer Vermutung. LinkedIn hält auf der Hilfeseite «Das können Sie nach Ihrer Bewerbung auf einen Job erwarten» fest: Wer sich über «Einfach bewerben» auf ein auf LinkedIn gehostetes Inserat bewirbt, erhält Updates, «wenn Jobinserent:innen auf LinkedIn Ihre Bewerbung ansehen oder Ihren Lebenslauf herunterladen». Das sind die beiden automatischen Ereignisse. Ein drittes gibt es nicht.
Und direkt darunter steht der Satz, der die ganze Frage beantwortet: «Eine Ansicht der Bewerbung oder ein Download des Lebenslaufs garantiert nicht, dass Sie eine Nachricht, ein Einladung zum Vorstellungsgespräch oder ein Stellenangebot von Jobinserent:innen erhalten.» Die Formulierung stammt aus der deutschen Fassung der Hilfeseite, die LinkedIn selbst als teilweise maschinell übersetzt kennzeichnet; der Inhalt ist in allen Sprachversionen derselbe.
Für die inserierende Seite ist dieselbe Mechanik als Vorteil beschrieben. Auf der Seite «Updates zu Bewerbungen auf Stellenanzeigen» wirbt LinkedIn damit, dass die Benachrichtigungen «den Kandidat:innen die Gewissheit geben, dass ihre Bewerbungen geprüft und bearbeitet werden», und nennt dazu drei Werte: 75 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten erwarten innerhalb einer Woche eine Rückmeldung, 87 Prozent wünschen sich Statusaktualisierungen unabhängig vom Ergebnis, und über 90 Prozent sehen einen Arbeitgeber positiver, wenn sie ein Update erhalten.
Lies die drei Zahlen als das, was sie sind: eine Beschreibung der Lücke, nicht ihrer Schliessung. Das Bedürfnis nach einer Antwort ist erhoben und dokumentiert. Ausgeliefert wird eine Lesebestätigung. Wer nach zwei Wochen nichts hört, hat kein Signal übersehen — es wurde keines erzeugt.
Was der Bewerberzähler auf dem Inserat tatsächlich zählt
Die Zahl neben dem Inserat wird fast immer als «so viele haben sich beworben» gelesen. Für einen grossen Teil der Schweizer Inserate stimmt das nicht. LinkedIn schreibt in der Beschreibung seiner Premium-Analysen: «Wenn das Unternehmen auch Bewerbungen über eine externe Website annimmt, beziehen sich die Daten nur auf diejenigen Personen, die auf dieser Website auf den Bewerbungslink geklickt haben und nicht unbedingt auf die fertiggestellten Bewerbungen.»
Das ist ein grosser Unterschied, und er läuft ausnahmsweise zu deinen Gunsten — aber nur auf der anderen Seite des Marktes. Bei einem Inserat, das dich auf das System des Arbeitgebers weiterleitet, misst der Zähler Klicks. Zwischen Klick und abgeschickter Bewerbung liegen dort ein Konto, ein Formular, hochzuladende Dateien und je nach System ein Dutzend Pflichtfelder. Ein spürbarer Teil derer, die den Zähler hochgesetzt haben, ist nie am Ende dieses Formulars angekommen.
Bei «Einfach bewerben» gibt es diese externe Website nicht. Es gibt kein Formular, an dem jemand aufgibt. Dieselbe Zahl steht deshalb für ein härteres Feld: Was gezählt wurde, ist abgeschickt worden. Genau die Reibung, die dich auf einem Arbeitgeberformular Zeit kostet, ist auf der anderen Seite der Filter, der das Feld für dich ausdünnt.
Deshalb ist der bequemere Kanal nicht der aussichtsreichere. Er ist derselbe Kanal, aus dem die Reibung entfernt wurde — für alle gleichzeitig.
Neun von zehn Inseraten stehen auf der Schwelle — was wir sehen und was nicht
Wir werten die Schweizer Inserate aus, die wir innerhalb eines Tages nach ihrer Publikation auf LinkedIn erfassen. Der ausgewiesene Bewerberwert hat dabei eine Eigenschaft, die man kennen muss, bevor man ihn benutzt: Es gibt in unserer Auswertung keinen einzigen Wert zwischen eins und vierundzwanzig. Rund neun von zehn Inseraten stehen exakt auf der ersten Schwelle, ein Zehntelprozent steht auf null, der Rest verteilt sich darüber bis zu einer Obergrenze, an der die Anzeige stehen bleibt.
Daraus lässt sich keine Durchschnittszahl bilden, und wir veröffentlichen auch keine. Ablesbar ist genau eine Sache, und die ist dafür stabil: wie oft ein Inserat diese erste Schwelle überhaupt überschreitet. Über den gesamten erfassten Bestand geschieht das bei 9,3 Prozent der Inserate am ersten Tag. Bei 3,0 Prozent steht der Zähler bereits im dreistelligen Bereich, bei 1,1 Prozent an der Obergrenze.
Neun Prozent klingt beruhigend, bis man sieht, wie ungleich diese neun Prozent verteilt sind. Die Inserate oberhalb der Schwelle sind eine kleine Minderheit, tragen aber einen unverhältnismässigen Teil des gesamten gezählten Zulaufs: Auf das lauteste Zwanzigstel des Bestands entfällt rund ein Fünftel aller gezählten Klicks, auf das lauteste Hundertstel rund sechseinhalb Prozent.
Anders gesagt: Der Markt ist nicht überfüllt. Ein kleiner Teil des Marktes ist überfüllt, und dieser Teil ist gleichzeitig der sichtbarste — die Inserate, die dir zuerst vorgeschlagen werden, weil sie am meisten Bewegung haben.
Der Andrang folgt der Sprache des Inserats, nicht dem Beruf
Die grösste einzelne Trennlinie in unseren Zahlen ist nicht die Branche und nicht die Firmengrösse, sondern die Sprache, in der der Stellentitel geschrieben ist. Bei englischsprachigen Titeln überschreiten 19,8 Prozent der Inserate am ersten Tag die Schwelle und 7,2 Prozent stehen im dreistelligen Bereich. Bei deutschsprachigen Titeln sind es 2,2 und 0,2 Prozent. Das ist ein Faktor von rund neun beim ersten und von rund sechsunddreissig beim zweiten Wert.
Französischsprachige Titel liegen mit 14,3 Prozent dazwischen und näher am englischen als am deutschen Rand. Italienischsprachige Titel kommen auf 9,1 Prozent, hier allerdings auf einer kleinen Zahl Inserate, was den Wert weniger belastbar macht als die drei anderen.
Der Grund ist keine Vorliebe von Personalverantwortlichen, sondern der Einzugsbereich. Ein englischsprachiges Inserat aus Zürich ist von Lissabon, Warschau und Bangalore aus lesbar und bewerbbar; ein deutschsprachiges Inserat aus Frauenfeld ist es faktisch nicht. Die Sprache des Inserats bestimmt, wie gross das Feld ist, bevor irgendjemand deinen Lebenslauf gesehen hat.
Für einen Leser in Deutschland ist das die wichtigste Zeile dieser Seite: Der Reflex, in der Schweiz auf Englisch zu suchen, weil das internationaler wirkt, führt direkt in den vollsten Teil des Marktes. In Zürich überschreiten englischsprachig betitelte Inserate zu 21,8 Prozent die Schwelle, deutschsprachig betitelte zu 3,1 Prozent — in derselben Stadt, in derselben Woche.
Genf, Zürich, ortsunabhängig: die volle Ecke ist geografisch klein
Nach Kanton ist Genf mit Abstand der dichteste Markt: 25,5 Prozent der Inserate überschreiten am ersten Tag die Schwelle, und 11,0 Prozent stehen bereits im dreistelligen Bereich. Danach folgen das Tessin mit 22,1 Prozent, die Waadt mit 16,5, Zug und Neuenburg mit je 13,0 und Zürich mit 11,7 Prozent. Am unteren Ende stehen Bern mit 3,0, Graubünden mit 2,7 und der Thurgau mit 2,0 Prozent.
Dass Genf und das Tessin oben stehen, hat einen gemeinsamen Grund: Beide Märkte haben einen hohen Anteil englischsprachig ausgeschriebener Stellen — in Genf 43,8 Prozent der von uns erfassten Inserate. Was wie ein Kantonseffekt aussieht, ist zu einem guten Teil derselbe Spracheffekt.
Die zweite Achse ist der Arbeitsort. Ortsunabhängig ausgeschriebene Stellen überschreiten die Schwelle in 17,7 Prozent der Fälle, hybride in 17,3, Stellen mit Arbeit vor Ort in 11,1 und Inserate ohne Angabe in 7,3 Prozent. Und weil «remote» keine Landesgrenze kennt, ist das der einzige Ausschnitt, in dem du wirklich gegen den ganzen Kontinent antrittst.
Die dritte ist das Pensum: Teilzeitstellen kommen auf 4,0 Prozent gegenüber 9,5 Prozent bei Vollzeit. Ein Pensum von 60 bis 80 Prozent ist in der Schweiz eine völlig normale Ausschreibung — und statistisch einer der ruhigsten Ausschnitte des Marktes.
Was in einer Ein-Klick-Bewerbung fehlt, wenn ein Schweizer Dossier verlangt wird
Was «Einfach bewerben» übermittelt, beschreibt LinkedIn selbst: die Bewerbung geht an die inserierende Person, «relevante Kenntnisse aus Ihrem Profil» können beigelegt werden, dazu die Antworten auf allfällige Eignungsfragen und eine gespeicherte Datei. Das ist ein Profil plus ein Anhang.
Ein Schweizer Bewerbungsdossier ist etwas anderes. Erwartet werden in aller Regel Lebenslauf und Motivationsschreiben, dazu Arbeitszeugnisse und Diplome; ein Foto ist üblich statt verpönt; Sprachkenntnisse werden als Niveau angegeben und nicht als «fliessend»; das Pensum steht in Prozent; und wer keinen Schweizer Pass hat, nennt die Bewilligung. Für keinen dieser Punkte hat ein LinkedIn-Profil ein Feld.
Das ist der Punkt, an dem der Unterschied zwischen den beiden Kanälen konkret wird. Auf dem Formular des Arbeitgebers wirst du nach diesen Angaben gefragt, weil das Unternehmen sie braucht — lästig, aber vollständig. Über «Einfach bewerben» wird eine Bewerbung übermittelt, in der sie schlicht fehlen, und die Person am anderen Ende füllt die Lücken nicht für dich auf.
Für Leserinnen und Leser aus Deutschland ist besonders die Bewilligungszeile ungewohnt: In Deutschland kommt sie in keinem Lebenslauf vor, in der Schweiz beantwortet sie eine der ersten Fragen, die sich eine Personalabteilung stellt. Fehlt sie, ist sie ein offener Punkt — und offene Punkte werden in einem vollen Feld nicht nachgefragt, sondern übersprungen.
Ein Nebeneffekt, den LinkedIn ebenfalls dokumentiert: Stammt das Inserat von einem Vermittlungsbüro, kann deine Bewerbung an weitere Kunden dieses Büros weitergegeben werden, wenn dein Profil zu anderen Rollen passt. Das erklärt einen Teil der Kontaktaufnahmen, die zu Stellen kommen, auf die man sich nie beworben hat.
Das Limit, das LinkedIn eingeführt hat — und was es über den Kanal aussagt
Seit rund einem Jahr gibt es für «Einfach bewerben» ein Tageslimit, das erst am Ende des Tages nach koordinierter Weltzeit zurückgesetzt wird, sowie eine Tempo-Sperre, die kurz pausiert, wenn Bewerbungen sehr schnell hintereinander abgeschickt werden. Bei Verhalten, das LinkedIn als unecht einstuft, kann das Tageslimit zusätzlich gesenkt werden. Die Zahl selbst veröffentlicht LinkedIn nicht.
Interessanter als das Limit ist die Begründung auf derselben Hilfeseite: Zu viele eingereichte Bewerbungen machten es «für Personalvermittler schwieriger, echte Bewerber zu identifizieren». Und weiter: Die Massnahmen sollen «Fairness durch die Eindämmung von Automatisierung und Bots» gewährleisten.
Das ist der Betreiber des Kanals, der beschreibt, wogegen sein eigener Kanal verteidigt werden muss. Wenn ein Produkt Bremsen einbauen muss, weil sonst die echten Bewerbungen im Rauschen untergehen, dann ist die Erfahrung «ich bewerbe mich und es passiert nichts» kein Betriebsunfall, sondern die Beschreibung des Normalzustands, den diese Bremsen mildern sollen.
Praktisch heisst das auch: Zwanzig Ein-Klick-Bewerbungen an einem Abend sind nicht zwanzigmal eine Bewerbung. Sie sind ein Muster, das dasselbe System zu erkennen und zu drosseln versucht.
Wenn du beim RAV gemeldet bist: der Klick lässt dich ohne Nachweis zurück
Arbeitsbemühungen zählen nicht, weil sie stattgefunden haben, sondern weil sie belegt und gemeldet sind. Das offizielle Formular der Arbeitslosenversicherung heisst «Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen», und die Spalten sagen genau, was verlangt wird: Datum der Bewerbung, Firma und Adresse, Kontaktperson mit Telefonnummer, Stellenbezeichnung, ob es eine Zuweisung des RAV war, das Pensum, die Art der Bewerbung — schriftlich beziehungsweise elektronisch, persönlich oder telefonisch — und schliesslich das Ergebnis: noch offen, Vorstellungsgespräch, Anstellung oder Absage, mit Absagegrund.
Geh diese Spalten für eine Ein-Klick-Bewerbung durch. Datum: vorhanden. Firma: vorhanden. Kontaktperson mit Telefonnummer: in den meisten Inseraten nicht ausgewiesen. Ergebnis: bleibt auf «noch offen», weil der Kanal keinen Zustand kennt, der daraus etwas anderes machen würde. Und weil sich eine über LinkedIn abgeschickte Bewerbung nach dem Absenden weder bearbeiten noch zurückziehen lässt, gibt es auch nichts, was du nachreichen könntest.
Auch arbeit.swiss geht davon aus, dass du selbst Buch führst: Empfohlen wird, «eine Übersicht über versendete Bewerbungen, laufende Bewerbungsverfahren und offene Rückmeldungen» zu führen. Bei einem Kanal, der weder eine Bestätigung noch eine Absage erzeugt, musst du diese Übersicht vollständig selbst herstellen — im Moment des Absendens, nicht später aus dem Gedächtnis.
Und die Meldung selbst nimmt dir ohnehin niemand ab: Arbeitsbemühungen müssen dem RAV gemeldet beziehungsweise im Job-Room erfasst werden, damit sie zählen. Jedes Hilfsmittel — unseres eingeschlossen — ist eine Vorbereitung dieses Schritts und niemals sein Ersatz.
Was stattdessen funktioniert
Der erste Schritt ist keine bessere Bewerbung, sondern ein anderer Ausschnitt. Die Zahlen oben sind keine Stimmung, sie sind eine Landkarte: deutschsprachig ausgeschriebene Stellen, Arbeit vor Ort, ein Pensum unter hundert Prozent, Kantone ausserhalb der Achse Genf–Zürich. Im ruhigsten dieser Ausschnitte — deutschsprachiger Titel, nicht ortsunabhängig, ausserhalb von Zürich, Genf, Zug und der Waadt — überschreiten 1,8 Prozent der Inserate am ersten Tag die Schwelle statt 9,3 Prozent im Gesamtbestand.
Der zweite Schritt ist der Weg über den Arbeitgeber. Wenn ein Inserat dich auf das eigene System des Unternehmens führt, ist das nicht nur mehr Arbeit — es ist die Reibung, die das Feld ausdünnt, und es ist der Ort, an dem du Zeugnisse, Diplome, Pensum und Bewilligung überhaupt unterbringen kannst. Und du bekommst in der Regel eine Eingangsbestätigung mit einem Absender, den du für die Ergebnisspalte deines Nachweises brauchst.
Der dritte Schritt ist der Zuschnitt auf das konkrete Inserat. Das ist kein moralischer Ratschlag, sondern folgt aus dem Vorherigen: In einem dünnen Feld entscheidet, ob deine Unterlagen die Anforderungen dieses Inserats sichtbar beantworten. In einem vollen Feld entscheidet dasselbe — nur dass dort die Anzahl der Mitbewerber die Wahrscheinlichkeit senkt, dass es überhaupt jemand liest.
Und das Ehrlichste zum Schluss: Zehn Bewerbungen in einem ruhigen Ausschnitt, jede auf das Inserat zugeschnitten und vollständig dokumentiert, sind in der Schweiz ein besseres Monatsergebnis als hundert Klicks in der lautesten Ecke des Marktes. Nicht weil Fleiss belohnt würde, sondern weil du im ersten Fall überhaupt in einem Feld stehst, das jemand von Hand durchsieht.
Wo diese Zahlen aufhören
Unsere Auswertung erfasst Schweizer Inserate, die auf ein System des Arbeitgebers weiterleiten. Inserate, die ausschliesslich über «Einfach bewerben» laufen, sind darin nicht enthalten — wir messen also nicht die Ein-Klick-Inserate selbst, sondern die andere Hälfte desselben Marktes. Für die Frage ist das kein Mangel, sondern der interessante Fall: Es sind die Inserate, bei denen zwischen Klick und Bewerbung noch ein Formular steht, und trotzdem füllen sie sich in der beschriebenen Geschwindigkeit.
Der ausgewiesene Bewerberwert ist keine Bewerbungszahl. Er beginnt erst bei einer Schwelle, unter der wir vier von vierzig nicht unterscheiden können, und er bleibt an einer Obergrenze stehen. Deshalb steht auf dieser Seite ausschliesslich, wie oft diese Schwelle überschritten wird, und nie ein Mittelwert.
Die Werte für italienischsprachige Titel und für kleine Kantone beruhen auf deutlich weniger Inseraten als die übrigen und sind entsprechend unsicherer. Lehrstellen, Praktika und Trainee-Titel sind durchgehend ausgeschlossen: Sie folgen einer eigenen Logik und würden die Sprach- und Pensumsverteilung verzerren.
Die zitierten LinkedIn-Hilfeseiten wurden am 5. September 2026 gelesen. LinkedIn kennzeichnet die deutschsprachigen Fassungen als teilweise maschinell übersetzt; die englischen Originale sind ebenfalls verlinkt. Produkte ändern sich — wenn du diese Seite später liest, prüfe die Sätze am Original nach.
Was Betroffene berichten
Schweizer Personalberatungen aus der Arbeitsmarktintegration beschreiben wiederkehrend, dass die geforderte Zahl an Arbeitsbemühungen als reine Pflichterfüllung erlebt wird — und stellen dem entgegen, dass nicht die Menge, sondern der Zuschnitt auf eine realistische Stelle den Unterschied macht.
Zwei öffentliche LinkedIn-Beiträge einer Schweizer Recruiting- und Coaching-Firma vom November 2025 aus unserer Sammlung von über vierhundert Beiträgen zum Schweizer Arbeitsmarkt. Als Muster zusammengefasst, nicht wörtlich zitiert.
Aus dem Umfeld der Schweizer Laufbahnberatung kommt regelmässig die Beobachtung, dass nicht die Stellensuche selbst, sondern der administrative Aufwand darum herum die Betroffenen zermürbt — das Erfassen, Belegen und Nachhalten dessen, was man bereits getan hat.
Öffentlicher LinkedIn-Beitrag einer in der Schweiz tätigen Fachperson vom Mai 2026 aus derselben Sammlung, die die Aussage einer stellensuchenden Person aufgreift. Aggregiert wiedergegeben, ohne Namen.
Marktzahlen: eigene Auswertung der Schweizer Inserate, die wir innerhalb von 24 Stunden nach ihrer Publikation auf LinkedIn erfassen, April bis September 2026; Lehrstellen, Praktika und Trainee-Titel ausgeschlossen. Der ausgewiesene Bewerberwert nimmt in dieser Auswertung keinen Wert zwischen eins und vierundzwanzig an, rund neun von zehn Inseraten stehen exakt auf der ersten Schwelle, und die Anzeige bleibt an einer Obergrenze stehen; wir veröffentlichen deshalb nur den Anteil der Inserate oberhalb dieser Schwelle und keine Mittelwerte. Alle erfassten Inserate leiten zur Bewerbung auf ein System des Arbeitgebers weiter; LinkedIn hält für diesen Fall selbst fest, dass die Angabe Klicks auf den Bewerbungslink und nicht zwingend fertiggestellte Bewerbungen abbildet. Sprache wird am Stellentitel bestimmt. Werte für italienischsprachige Titel und kleine Kantone beruhen auf kleinen Grundgesamtheiten. Alle Quellen am 5. September 2026 gelesen. Stand: 5. September 2026.
Quellen
- LinkedIn Hilfe: Das können Sie nach Ihrer Bewerbung auf einen Job erwarten
- LinkedIn Hilfe: Limits für «Einfach bewerben»
- LinkedIn Hilfe: Direkt auf LinkedIn um einen Job bewerben
- LinkedIn Hilfe: Premium-Analysen zu Bewerber:innen und Unternehmen — Hinweis zu externen Bewerbungswebsites
- LinkedIn Hilfe: Updates zu Bewerbungen auf Stellenanzeigen
- SECO / arbeit.swiss: Formular «Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen» 716.007 d (PDF)
- arbeit.swiss: Bewerbungstipps
- Job-Room — Stellen- und eService-Plattform der öffentlichen Arbeitsvermittlung
Verwandte Fragen
Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%