Kann ich ohne FaBe-Abschluss in einer Kita arbeiten?
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Kurz gesagt
Ja, aber nicht in jeder Rolle. Ohne Fähigkeitszeugnis als Fachfrau oder Fachmann Betreuung (FaBe EFZ) arbeitet man in einer Schweizer Kita als Praktikantin, Miterzieher, Betreuungsassistenz oder Lernende, nicht als die ausgebildete Person, die eine Gruppe verantwortet. Wie viel Platz es für Personal ohne anerkannten Abschluss gibt, legt der Kanton fest: Zürich verlangt in jeder Gruppe jederzeit eine ausgebildete Betreuungsperson, die zweite muss es nicht sein. Die Waadt lässt höchstens 20 Prozent des Betreuungsschlüssels für Personal ohne anerkannten Titel zu und zählt Praktikanten gar nicht mit.
Die Vorgaben zum Kita-Personal sind kantonal und werden überarbeitet. Verbindlich ist die Auskunft der Bewilligungsbehörde am Standort der Kita und, für die Wege zum EFZ, des kantonalen Berufsbildungsamts. Dieser Text ist redaktionell, keine Rechtsberatung.
Für jemanden, der neu in diesen Beruf kommt, heisst das: Die Tür existiert, aber sie ist schmal. In den Kita-Inseraten, die wir Ende September 2026 erfasst hatten, waren rund vier von zehn Stellen Praktika oder Lehrstellen, knapp drei von zehn suchten ausdrücklich eine ausgebildete Fachperson, und nur etwa jede sechste war eine Assistenz- oder Miterzieherstelle, also genau die Rolle, die ohne Abschluss offensteht.
Die zweite Hürde ist die Sprache, und sie ist in diesem Beruf keine Formalität. Wer mit Kleinkindern arbeitet, spricht den ganzen Tag: mit den Kindern, mit den Eltern beim Bringen und Abholen, im Team. Fast jedes deutschsprachige Kita-Inserat in unserem Bestand nennt Deutsch als Anforderung, und die Zürcher Verordnung hält in ihren Erläuterungen fest, dass für die Betreuung unzureichende Sprachkenntnisse die persönliche Eignung in Frage stellen können. Mit A1 ist ein Praktikum denkbar, eine Assistenzstelle selten.
Anteil der Kita-Inserate nach Art der Stelle, ohne private Nanny-Stellen. Auswertung der von uns erfassten offenen Schweizer Inserate, Stand 30. September 2026. Kleine Stichprobe: als Richtung lesen, nicht als Statistik.
- Ohne FaBe EFZ offen: Praktikum, Vorpraktikum, Lehre, Miterzieherin oder Betreuungsassistenz. Nicht offen: die Rolle der ausgebildeten Betreuungsperson, die eine Gruppe verantwortet.
- Zürich: In jeder Gruppe muss jederzeit eine ausgebildete Betreuungsperson anwesend sein, ab mehr als sechs belegten Plätzen eine zweite Betreuungsperson, die nicht ausgebildet sein muss.
- Waadt: mindestens 80 Prozent des Betreuungsschlüssels mit anerkanntem Titel, höchstens 20 Prozent ohne. Praktikanten und Lernende zählen nicht mit. Ab dem 1. Januar 2027 gilt ein neuer Rahmen, die 20-Prozent-Grenze bleibt.
- In unseren Kita-Inseraten: rund 41 Prozent Praktika und Lehrstellen, 29 Prozent ausgebildete Fachpersonen, 17 Prozent Assistenz- und Miterzieherstellen, 12 Prozent Leitungsfunktionen.
- Erwachsene haben die Möglichkeit, das EFZ ohne reguläre dreijährige Lehre zu erwerben: durch direkte Zulassung zum Qualifikationsverfahren, Validierung oder verkürzte Lehre von zwei Jahren. Für die ersten beiden Optionen sind fünf Jahre Berufserfahrung erforderlich, davon zwei in der Betreuung.
- Ein ausländisches Diplom zählt erst als Ausbildung, wenn es anerkannt ist. Das SBFI nennt eine durchschnittliche Bearbeitungsdauer von vier Monaten für reglementierte Berufe.
Wer in der Kita als «ausgebildet» zählt
Eine Bewilligung ist für eine Kita notwendig und die Regelungen für das Personal sind in kantonalen Verordnungen festgelegt, nicht in einem Bundesgesetz über Kitas. Im Kanton Zürich erteilen und überwachen die Gemeinden diese Bewilligungen auf der Grundlage der Verordnung über Tagesfamilien und Kindertagesstätten. Es werden zwei Arten von Personal unterschieden: ausgebildete Betreuungspersonen und alle anderen.
Als ausgebildet gilt in Zürich, wer einen Abschluss aus einer abschliessenden Liste hat und zusätzlich ein halbes Jahr Berufserfahrung mit Kindern mitbringt. Auf der Liste stehen das EFZ als Fachfrau oder Fachmann Betreuung, das Diplom als Kindererzieherin HF, Sozialpädagogik HF oder ein Hochschuldiplom in Sozialer Arbeit, eine Unterrichtsberechtigung für die Volksschule sowie Hochschuldiplome in Erziehungswissenschaften, Heilpädagogik oder Psychologie mit mindestens 60 Kreditpunkten. Ebenfalls als ausgebildet zählt, wer eine verkürzte FaBe-Lehre absolviert oder sich mit der nötigen Erfahrung in einer Ausbildung auf Tertiärstufe befindet.
Hier liegt ein Unterschied, den Leserinnen und Leser aus Deutschland kennen sollten: Die Zürcher Verordnung führt die staatlich anerkannte Erzieherin und den staatlich anerkannten Erzieher aus Deutschland ausdrücklich als gleichwertig auf, ohne separate Anerkennung. Für alle anderen ausländischen Abschlüsse gilt das nicht. Sie müssen von der zuständigen Stelle anerkannt sein, die Erläuterungen nennen das SBFI, das Schweizerische Rote Kreuz und Swiss ENIC. Bis dahin zählt die Person in der Kita als nicht ausgebildet, auch wenn sie im Herkunftsland jahrelang als Erzieherin gearbeitet hat.
Zürich und Waadt: zwei Kantone, zwei Spielräume
Zürich regelt die Anwesenheit pro Gruppe: In jeder Gruppe muss jederzeit eine ausgebildete Betreuungsperson anwesend sein, und sobald mehr als sechs Plätze belegt sind, eine zweite Betreuungsperson. Die zweite muss nicht ausgebildet sein. Genau dort arbeiten Miterzieherinnen, Assistenzpersonen und Praktikanten. Die Regel gilt für Gruppen mit höchstens zwölf Plätzen und sinngemäss für andere Gruppenformen, gerechnet auf die belegten, nicht die bewilligten Plätze.
Die Waadt rechnet anders, nämlich in Anteilen am gesamten Betreuungsschlüssel. Mindestens 80 Prozent müssen Fachpersonen mit einem anerkannten Titel abdecken, davon mindestens 40 Prozent Kindererzieherinnen oder -erzieher mit Diplom einer höheren Fachschule. Höchstens 20 Prozent dürfen Personen ohne anerkannten Titel übernehmen, im Waadtländer Rahmen «APE» genannt. Praktikanten und Lernende zählen dabei überhaupt nicht zum Betreuungsschlüssel. Wer als APE eingestellt wird, soll grundsätzlich innerhalb von fünf Jahren eine Ausbildung zu einem anerkannten Titel beginnen.
Der Waadtländer Rahmen wird zum 1. Januar 2027 neu gefasst. Die Funktion heisst dann «aide pédagogique et éducative», die Obergrenze von 20 Prozent bleibt, und Praktikanten und Lernende zählen weiterhin nicht mit. Andere Kantone haben eigene Vorgaben, und sie ändern sich. Massgebend ist immer die Bewilligungsbehörde am Standort der Kita, in Zürich also die Gemeinde.
Was Assistenz und Praktikum im Alltag bedeuten
Die Richtlinien des Branchenverbands kibesuisse zeigen, wie Kitas Personal ohne Abschluss einplanen. Sie rechnen mit unterschiedlichen Betreuungsschlüsseln je nach Qualifikation. Bei Kindern zwischen anderthalb und drei Jahren betreut eine Fachperson Betreuung rechnerisch fünf Kinder, eine Kindererzieherin HF sechseinhalb, eine Lernende oder Assistenzperson dreieinhalb und eine Jugendliche im Vorpraktikum zweieinhalb. Assistenz und Vorpraktikum arbeiten dabei mit delegierter Verantwortung.
Für die Stellensuche ist das wichtiger, als es klingt. Eine Assistenzperson deckt rechnerisch weniger Kinder ab als eine Fachperson, die Kita braucht für dieselbe Gruppe also mehr Stunden. Wer ohne Abschluss einsteigt, bewirbt sich deshalb auf die wenigen Stellen, die der Stellenplan für diese Stufe vorsieht, und konkurriert dort mit Schulabgängerinnen, die ein Vorpraktikum vor der Lehre suchen.
Viele Praktikumsstellen sind ausdrücklich als Vorstufe zur Ausbildung gedacht. Ein Inserat aus Baar in unserem Bestand sucht eine Praktikantin mit «Anschluss Ausbildung HF oder FaBeK», also mit der Aussicht auf eine Lehre oder eine höhere Fachschule danach. Für Erwachsene, die umsteigen wollen, ist das oft der realistischere Einstieg als eine Assistenzstelle: Man zeigt ein Jahr lang, dass man es kann, und verhandelt dann über den Ausbildungsweg.
Was die Kita-Inserate in unserem Bestand zeigen
Wir haben die offenen Schweizer Kita-Inserate vom 30. September 2026 nach Art der Stelle geordnet. Die Stichprobe ist klein, die Anteile sind deshalb als Richtung zu lesen: rund 41 Prozent Praktika und Lehrstellen, 29 Prozent Stellen für ausgebildete Fachpersonen mit FaBe EFZ, HF oder dem Waadtländer Titel EDE, 17 Prozent Assistenz- und Miterzieherstellen und 12 Prozent Leitungsfunktionen. Ausgebildete Stellen nennen den Abschluss meist schon im Titel, etwa «Fachperson Betreuung EFZ, 90%».
Bei der Sprache ist das Bild eindeutig. Fast jedes Kita-Inserat aus der Deutschschweiz, das eine Sprache nennt, verlangt Deutsch. Englisch als Arbeitssprache taucht fast nur in zweisprachigen Einrichtungen auf. Eine Kita in Le Mont-sur-Lausanne suchte eine englischsprachige Aushilfe in genau der APE-Funktion, die in der Waadt ohne anerkannten Titel offensteht.
Ein anderer Markt sind private Nanny-Stellen: Etwa drei von vier dieser Inserate sind auf Englisch verfasst, oft am Genfersee. Eine Nanny, die direkt bei einer Familie zuhause angestellt ist, arbeitet nicht in einer Kita, und die kantonalen Kita-Vorgaben zum Personal greifen dort nicht. Für jemanden mit wenig Deutsch kann das ein Einstieg in die Kinderbetreuung sein, es ist aber kein Weg in die Kita-Laufbahn und zählt nicht als Kita-Erfahrung im Sinne der Bewilligung.
Der Weg zum EFZ für Erwachsene
SAVOIRSOCIAL, die nationale Organisation der Arbeitswelt für den Sozialbereich, beschreibt drei Wege, auf denen Erwachsene das EFZ Fachfrau oder Fachmann Betreuung erwerben, ohne die reguläre dreijährige Lehre zu machen. Erstens die direkte Zulassung zum Qualifikationsverfahren nach Art. 32 der Berufsbildungsverordnung, oft «Nachholbildung» genannt. Man meldet sich beim kantonalen Berufsbildungsamt an und legt die reguläre Prüfung ab, auf Wunsch mit vorbereitenden Kursen an einer Berufsfachschule. Zweitens das Validierungsverfahren nach Art. 31: Man belegt in einem schriftlichen Dossier, dass man die Kompetenzen aus dem Bildungsplan bereits hat.
Für beide Wege nennt SAVOIRSOCIAL fünf Jahre Berufserfahrung, davon zwei Jahre in der Betreuung. Für die Validierung betont die Organisation zudem ausgeprägte Reflexions- und Dokumentationsfähigkeiten und ein gutes Sprachniveau. Wer erst mit dem Deutschlernen anfängt, ist dort also noch nicht.
Der dritte Weg ist die verkürzte Lehre von zwei statt drei Jahren, mit Lehrvertrag und einem Betrieb, der eine Ausbildungsbewilligung des Kantons hat. Über die Zulassung entscheidet der Kanton, in der Regel wird Berufserfahrung verlangt. In Zürich zählt eine Person in verkürzter FaBe-Lehre bereits als ausgebildete Betreuungsperson. Für Erwachsene ist das der schnellste Weg zu einer Stelle, die nicht von der Assistenzquote abhängt. Der Lohn ist in allen drei Fällen Verhandlungssache, SAVOIRSOCIAL veröffentlicht dazu Empfehlungen.
Ausländische Diplome: anerkennen lassen, bevor man sich darauf verlässt
Wer im Ausland Erzieherin, Kindergärtnerin oder Sozialpädagogin gelernt hat, sollte die Anerkennung früh beantragen, nicht erst nach der ersten Absage. Das SBFI bearbeitet Gesuche für reglementierte Berufe vorrangig und nennt dafür eine durchschnittliche Dauer von vier Monaten. Eine Niveaubestätigung für nicht reglementierte Berufe kann bis zu zehn Monate dauern. Das Gesuch setzt voraus, dass die ausländische Ausbildung vollständig abgeschlossen ist.
Bis die Anerkennung vorliegt, ist man für die Kita Personal ohne anerkannten Abschluss und füllt den Platz, der dafür vorgesehen ist. Das ist kein Urteil über die Erfahrung, es folgt aus der Bewilligung. Das Anerkennungsgesuch ins Bewerbungsdossier zu legen, zeigt einer Kita aber, dass man in absehbarer Zeit als Fachperson zählen kann.
Was das für die Bewerbung heisst
Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt steht der Bildungsweg eines Lebenslaufs zunächst im Fokus. In der Kinderbetreuung ist dieser Weg sogar in der Bewilligung festgehalten. Eine Bewerbung ohne FaBe EFZ hat die besten Erfolgsaussichten, wenn sie die Lücke nicht verschweigt, sondern einordnet. Sie bewirbt sich explizit auf die Praktikums- oder Assistenzstelle und nennt den geplanten Weg zum Abschluss, wie beispielsweise das Anerkennungsgesuch oder die verkürzte Lehre.
Die Sprache gehört mit Niveau ins obere Drittel des Lebenslaufs, als A1, A2 oder B1 nach dem europäischen Referenzrahmen, mit dem laufenden Kurs und seinem Enddatum. Eine Kita prüft das als eines der Ersten. Erfahrung mit Kindern zählt auch ausserhalb eines Berufs, die Zürcher Verordnung nennt etwa Praktika oder andere Tätigkeiten mit Kindern. Arbeitszeugnisse und Referenzen dazu gehören ins Dossier, nicht in einen Satz «auf Anfrage».
Wer gleichzeitig auf Kita-, Büro- und Hotelstellen schreibt, sollte nicht dasselbe Dossier verschicken. Eine Kita-Leitung liest auf Erfahrung mit Kindern und Sprache hin, eine Hotelrezeption auf Gästekontakt und Schichtbereitschaft. Unter dem Link unten finden sich die offenen Betreuungsstellen, mit dem jeweiligen Inserat als Grundlage für einen passenden Lebenslauf.
Anteile aus der Auswertung der von uns erfassten offenen Schweizer Inserate, Stand 30. September 2026. Als Kita-Inserat zählt eine Ausschreibung, deren Titel oder Absender eine Kindertagesstätte, Krippe, Crèche oder Kinderbetreuung in einer Einrichtung nennt. Private Nanny-Stellen sind getrennt ausgewiesen, Pflege- und Altersbetreuung ausgeschlossen. Die Einordnung nach Art der Stelle beruht auf dem Titel, die Sprachangaben auf den im Inserat genannten Anforderungen. Die Stichprobe ist klein. Rechtliche Angaben stammen aus den unten verlinkten amtlichen Quellen und Branchenrichtlinien, nicht aus unseren Daten.
Quellen
- Kanton Zürich — Verordnung über die Tagesfamilien und Kindertagesstätten mit Erläuterungen (Regierungsratsbeschluss vom 27. Mai 2020)
- Kanton Waadt — Directives accueil collectif préscolaire à la journée, Stand 1. September 2023 (französisch)
- Kanton Waadt — Cadre de référence préscolaire ab 1. Januar 2027 (französisch)
- kibesuisse — Richtlinien für die Betreuung von Kindern in Kindertagesstätten, Ausgabe 2020
- SAVOIRSOCIAL — Berufsabschluss FaBe für Erwachsene
- SBFI — Häufige Fragen zum Anerkennungsverfahren von Berufsqualifikationen
Verwandte Fragen
Was unser Stellenindex über den Schweizer Markt sagt
Live aus unserem eigenen Index berechnet, nicht aus einer Studie zitiert. Nur Anteile, Stand heute.
Sprache der Inserate
- Deutsch
- 60%
- English
- 23%
- Français
- 13%
- Italiano
- 3%
Von den Inseraten mit Sprachanforderung verlangen
- Deutsch
- 70%
- English
- 43%
- Français
- 21%
- Italiano
- 3%
19% in den letzten 7 Tagen ausgeschrieben · Grösste Märkte: Zürich 18% · Bern 10% · Genève 5% · Basel 5%